Erfurts Ersterwähner steht jetzt in Bronze auf dem Rathaus-Sockel

Erfurt  Statue des Missionars Bonifatius erreicht den Ort ihrer Bestimmung und wird am 9. Juni feierlich enthüllt

Ein Mitarbeiter der Mühlhäuser Firma Huschenbeth empfängt die Bonifatius-Statue am Rathaussockel.

Foto: Marco Schmidt

Bonifatius war gestern Nachmittag auf dem Fischmarkt der einzige, der ernst drein blickte. Als der bronzene Bischof an einem Seil die Rathaus-Fassade empor schwebte, blickten manche Passanten staunend, andere verwundert zu ihm auf. Die Rotarier, Stifter der Statue, standen in einer Gruppe zusammen und freuten sich.

"Das ist ein historischer Augenblick", meinte der aktuelle Rotarier-Präsident Johannes-M. Schulz-Schottler. "Ich bin sehr froh, dass unser Projekt zu einem guten Ende gekommen ist und dass viele Erfurter es mittragen", sagte Ex-Oberbürgermeister Manfred Ruge (CDU).

Bonifatius, der um das Jahr 675 herum in England geboren wurde, war Missionar in Deutschland und Gründer von Klosteranlagen in einer Zeit, in der die deutsche Oberschicht erst zögerlich den Weg zum Christentum beschritt. Einer seiner Briefe an den damaligen Papst aus dem Jahr 742 ist der Grund, warum Erfurt in diesem Jahr das 1275. Jubiläum der Ersterwähnung begeht.

"Er hat auch den Whisky mitgebracht", erzählte gestern Christian Paschold. Der Tiefthaler Künstler, der die Bonifatius-Figur erschuf und von seiner Partner-Werkstatt in Marienbad (Tschechien) in Bronze gießen ließ, stellte den Missionar mit Bistumsstab und -kappe und einer romanischen Kirche in der rechten Hand dar. Andere Abbildungen zeigen den Missionar mit Bibel und Schwert. "Zu martialisch", befand Paschold.

"Wir wollten Bonifatius als Gründer des Bistums Erfurt zeigen, dem wir die Ersterwähnung zu verdanken haben", sagte auch Manfred Ruge. Die Formensprache nehme den Stil und die Bauzeit des Rathaus-Gebäudes auf. Mit Bonifatius und mit Martin Luther als Mönch, der im November aufgestellt wird, würden zugleich die "Wunden am Gebäude geschlossen", welche die beiden seit 1950 leeren Sockel über dem Rathaus-Portal darstellten. Zuvor hatten dort die Kaiser Barbarossa und Wilhelm I. gestanden.

Wohl eher aus Zufall schob Rüdiger Bender sein Fahrrad gerade dann über den Fischmarkt, als Bonifatius am Haken hing. Der Grüne-Stadtrat blickte nur kurz zu Bonifatius auf, der sich gerade dem linken Rathaus-Sockel näherte. "Das war der, der im Stadtrat ganz, ganz böse diskutiert hat", raunte Manfred Ruge seinen Rotarier-Kollegen zu.

Bender gehörte im Stadtrat zu den 13 Stimmen, die vor einer Anbringung der beiden Statuen noch weiter darüber diskutieren wollten, ob für die Kirchenmänner Bonifatius und Luther das weltliche Rathaus der richtige Ort sei. Die CDU, Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) und überraschend die Linken setzten sich aber mit ihrer Haltung durch, die Geschenke der Rotarier sofort dort aufzustellen, wofür sie gedacht waren – für die Rathaus-Sockel.

Mit seinem Sockel erreicht Bonifatius eine Höhe von 2,20 Meter. Die Figur selbst ist 2,05 Meter hoch, was der tatsächlichen Größe des Missionars entspricht. "Er war ein sehr großer Mann", meinte Paschold. Für die Gesichtszüge orientierte sich der Künstler nicht an den spekulativen historischen Gemälden, sondern ließ seiner künstlerischen Vorstellung freien Lauf. Manch einer von Pascholds Freunden meinte gestern scherzhaft, der Missionar sehe dem Künstler gar nicht so unähnlich, was Paschold allerdings bestritt.

Bonifatius wurde gestern noch verdeckt und soll am 9. Juni feierlich enthüllt werden. Die Statue von Martin Luther wird laut Manfred Ruge am 10. November aufgestellt. Sie sei bereits in Arbeit, sagte Paschold.

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