Erfurts OB geht von Unterrichtsbeginn am 27. April aus

Erfurt.  Vor einer Teilöffnung der Schulen müssen viele Fragen geklärt werden, meint Andreas Bausewein. Zum Beispiel, welche Klassen den Anfang machen.

Die Erfurter halten Abstand, wie hier am Dienstag vor der Hauptpost. Aber wie lassen sich die Abstandsregeln in Klassenräumen umsetzen?

Die Erfurter halten Abstand, wie hier am Dienstag vor der Hauptpost. Aber wie lassen sich die Abstandsregeln in Klassenräumen umsetzen?

Foto: Marco Schmidt

Eine deutschlandweit diskutierte Teilöffnung der Schulen in der Corona-Krise kann nach Ansicht des Oberbürgermeisters in Erfurt noch nicht am kommenden Montag erfolgen. „Ich rechne eher mit dem 27. April“, sagt Andreas Bausewein (SPD). Für die Wiederaufnahme des Unterrichtes direkt nach den Osterferien sei der Zeitraum zu kurz, um die zahlreichen noch offenen Fragen zu beantworten. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Am Donnerstag will das Land mit kommunalen Spitzenvertretern über mögliche Lockerungen der Corona-Regeln wie die Wiederaufnahme des Schulbetriebes diskutieren. Um die Abstandsregeln einzuhalten, reicht laut Bausewein aber der Platz in den standardisierten Klassenräumen nicht aus. Werden die Klassen geteilt, stelle sich die Frage nach dem zusätzlich nötigen Personal.

„Und was ist mit den Lehrern, die zur Risikogruppe gehören?“, fragt der Oberbürgermeister. Ebenfalls geklärt werden müsse, welche neuen Hygieneregeln etwa zur Desinfektion in den Schulen umgesetzt werden müssten.

Die Stadt kann Schüler und Lehrer nicht mit Masken versorgen

Mit Sicherheit ist die Stadt nicht in der Lage, Schüler und Lehrer kurzfristig mit einem Mund-Nase-Schutz auszurüsten. Laut Arne Ott, dem für die Schutzausrüstung zuständigen Mitarbeiter im Pandemiestab der Stadtverwaltung, wird zwar zeitnah eine Lieferung von 20.000 Masken erwartet. Doch seien diese Masken für die städtischen Mitarbeiter und rund 30 kleinere Pflegedienste eingeplant. „Die Priorität liegt im Pflegebereich“, betont Ott.

Die Wiederaufnahme von Unterricht wird in vielen Diskussionen mit einer Maskenpflicht verbunden. Wer dafür zuständig wäre, sei bislang nicht besprochen worden., „Wir hoffen auf eine Festlegung durch die Landesregierung“, sagt Ott.

Desinfektionsmittel-Spender seien ausreichend auch für Schulen vorhanden. Doch müsse in diesem Fall der Umgang mit ihnen neu definiert werden. Bislang galt, dass die Schüler keinen Zugang zu den hochkonzentrierten Mitteln erhalten dürfen.

Primarstufe oder Abschlussklassen: Wer soll den Anfang machen?

Eine teilweise Wiederaufnahme des Unterrichts wäre auch mit der Entscheidung verbunden, welche Klassenstufen den Anfang machen sollen. Die Leopoldina-Akademie der Wissenschaften empfiehlt die jüngeren Klassen vom Primarbereich an, weil dadurch mehr Eltern entlastet würden und wieder auf Arbeit gehen könnten. Ältere Schüler könnten eher allein zu Hause lernen, heißt es.

Erfurts Oberbürgermeister weist aber darauf hin, dass gerade die Abschlussklassen den Unterricht in gewohnter Weise nötiger haben. „Wenn es Abiturprüfungen geben soll, müssen wir auch einen Weg finden, dass die Schüler einige Wochen Zeit haben, sich darauf vorzubereiten“, sagt Bausewein. Dies sei im Zweifelsfall wichtiger als die Frage, wie Eltern entlastet werden können.

Auch andere Empfehlungen der Leopoldina zweifelt Bausewein an. So hätten es die Chefärzte des Erfurter Pandemiestabes als unrealistisch betrachtet, dass die Krankenhäuser wieder in den Normalbetrieb übergehen, zugleich aber Dutzende Betten auf den Intensivstationen bereit halten sollen. „Im Normalbetrieb sind keine Betten frei“, meint Bausewein.