Eröffnungs-Dinner leicht versalzen

Erfurt  Basketball-Löwen Erfurt verlieren zum Saisonauftakt in der Pro B gegen Orange Academy Ulm zwar ganz knapp, aber nicht unverdient mit 72:75 (41:39)

Starker Punktspiel-Einstand: Erfurts Neuzugang Alhassan Barrie (rechts) war mit 22 Punkten bester Löwe.

Starker Punktspiel-Einstand: Erfurts Neuzugang Alhassan Barrie (rechts) war mit 22 Punkten bester Löwe.

Foto: Sascha Fromm

Es war angerichtet – das Eröffnungs-Dinner, garniert mit dem Ehrengast Bodo Ramelow, seines Zeichens Thüringer Ministerpräsident. Die Zutaten, die erhofft schmackhaften: Die Basketball-Löwen Erfurt und die zu genießenden Ulmer von der Orange Academy in der Pro B.

Leicht versalzen lautete am Ende die einhellige Bewertung. Denn die Löwen vermochten es beim 72:75 (41:39) nicht, die Kirsche auf die finale Torte zu setzen. Erneut nicht. Denn schon in ihrer Auftaktsaison hatten sie sich an den Ulmer Gerichten den Magen – und da noch deftig – verdorben.

Da half eben auch nicht die markante Unterstützung von höchster politischer Stelle. Nun ja, er soll – um im Bild zu bleiben – nicht kochen, sondern eben zu unser aller Nutzen regieren.

Die Frage, ob er denn schon mal Basketball gespielt habe, verneinte Bodo Ramelow – betonte glaubhaft: „Ich bin aber von diesem Spiel begeistert. Dazu zähle ich auch das der Rollstuhl-Basketballer aus Elxleben. Einfach toll, was beide Teams mit ihren begrenzten finanziellen Möglichkeiten leisten.“ Und er bekräftigte noch einmal, sich für den Bau einer großen Ballspielhalle einzusetzen. Eine Machbarkeitsstudie sei bereits auf den Weg gebracht.

Indes: Die Löwen dankte es ihm und den wieder vielen Fans an diesem Abend nur bedingt. In einer schnellen, packenden und stets engen Partie besaßen die Gäste, erstmals von BBL-Legende Anton Gavel trainiert, sichtbare Vorteile. Im Passspiel, auf Grund ihres Plus an Größe und Robustheit in den Defensiv-Rebounds, überhaupt in der Befähigung, die zumeist richtigen Entscheidungen zu treffen, hatten sie den längeren Atem. Auch weil den Erfurtern vor allem im letzten Viertel offensichtlich die Kräfte ausgingen. Das nutzte vor allem ihr am Korb durchsetzungsfähiger Topscorer Christoph Philipps (21 Zähler).

Neuzugang Barrie und Franklin überzeugen

Gut, es war erst der Saisonauftakt. Der aber zeigte klar auf, dass ein Testspiel wie das gegen das höherklassige Science City Jena keinerlei Wertevergleich zu einer Pflichtpartie zulässt. Um Punkte geht es ganz anders zur Sache. Und da mussten die Löwen einigen Tribut zollen.

Beide Mannschaften operierten mit einer ähnlichen Spielanlage: nach Ballbesitz blitzschnell Richtung gegnerischer Korb und den Abschluss suchen.

Da wogte die Partie lange hin und her. Mit von beiden Trainern nicht gewollten Berg-und-Tal-Fahrten. Den Auftakt ins Auf und Ab machten die Ulmer, deren Akteure im Schnitt noch einen Tick jünger als die der Erfurter sind, mit einem 16:4-Lauf. Da aber waren die Löwen noch so selbstbewusst, sich davon nicht beeindrucken zu lassen. Fast alle, auch die sich als durchaus gleichwertig erweisenden Wechselspieler, punkteten. Sie schlugen unter ohrenbetäubendem Beifall ihrer Fans und des inzwischen mit einem Löwen-Trikot und dem Geburtsjahr 56 darauf bekleideten Ministerpräsidenten mit einem 14:0-Run zum Halbzeitstand von 41:39 zurück. Auch nach dem dritten Viertel blieb die Löwen-Hoffnung auf einen Starterfolg bei einer knappen 59:56-Führung intakt. Am Ende war Zugang Alhassan Barrie mit 22 Punkten Topscorer der Partie. Aber auch Oldie Robert Franklin (19 Zähler) opferte sich in allen basketballerischen Lebenslagen für sein Team auf.

Unverkennbar aber auch, dass Regisseur Oliver Pahnke wahrlich keinen Sahnetag erwischt hatte. Nach anfänglichen Fehlwürfen wurde er seinem Kerngeschäft, das Löwen-Spiel zu lenken und in Prekärphasen zu beruhigen, überhaupt nicht mehr gerecht. Das hatte zur Folge, dass im Schlussviertel alle ohne Sinn und Verstand mit dem Kopf durch die Ulmer Wand und untauglich zum Erfolg zu dribbeln versuchten.

Dennoch besaßen die Erfurter 9,7 Sekunden vor Schluss doch noch die klitzekleine Chance, die Ulmer beim Einwurf sofort zu foulen, um sie an die Freiwurflinie zu zwingen und auf deren Fehlversuche zu hoffen. Das Foul indes kam viel zu spät. Lucas Wobsts erfolgreicher Dreier folgerichtig um eine Sekunde ebenso, um zumindest die Verlängerung zu erzwingen.

Löwen-Coach Florian Gut erklärte: „Der Ulmer, der in dieser Situation den Ball bekommen sollte, ist ein zu sicherer Freiwerfer. Ich wollte erst foulen lassen, wenn der Ball bei einem unsicheren Freiwerfer ist.“ Da war es aber eben den Tick zu spät.

Sei‘s drum: Die Enttäuschung saß tief. Kein Löwe wollte reden.

Bodo Ramelow indes fand tröstenden Worte: „Trotz der knappen Niederlage habe ich ein Spiel gesehen, das Tempo und auch Klasse atmete. Ich hab‘ es ja schon zuvor gesagt: Basketball ist und bleibt ein sehenswerter Sport.“

Den Löwen wird‘s nur bescheiden auf die Beine helfen. Des Trainers Seelenmassage ist die Woche über gefragt, ehe es am Samstag zum Pro-B-Neuling nach Speyer geht.

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