Erste Esoterikmesse in Erfurt / 61 Aussteller lockten mit Engeln und Co.

Magischen Schutz vor Ungemach, Handlesen, Blicke in die Zukunft, auch ins angebliche Weltuntergangsjahr 2012, Geistheilung oder bodenständig einfach nur Wellness Schamanen, Heiler, Weissager an den Messeständen suggerierten eine Rundumversorgung für Körper und Seele. 3600 Besucher kamen.

Esoterik: In der Thüringenhalle luden 61 Aussteller zur Esoterikmesse nach Erfurt ein. Sie war die erste dieser Art in der Landeshauptstadt. Foto: Jens König

Esoterik: In der Thüringenhalle luden 61 Aussteller zur Esoterikmesse nach Erfurt ein. Sie war die erste dieser Art in der Landeshauptstadt. Foto: Jens König

Foto: zgt

Erfurt. Für Sylvia Häse war es die Premiere in Erfurt. Seit drei Jahren organisiert die Frau aus Mecklenburg-Vorpommern in Ostdeutschland Esoterik- und Naturheiltage. "Bei den Menschen kommt es gut an. Ich bin keine Esoterikerin. Jeder muss für sich selbst entscheiden, was er glaubt und was er tut", sagt sie. Und wofür er zahlt, denn Aura-Sehen, Geistheilung, Amulette, Kontakte ins Jenseits und Hosentaschen-Engel etc. kosten Geld. Selbsternannte Heiler, Gurus und Schamanen wollen von ihren Diensten am problembeladenen Menschen, der mitunter jenseits der Schulmedizin und Psychotherapie Hilfe sucht, leben.

Unter den 61 Ausstellern aus ganz Deutschland befand sich eine stattliche Zahl Erfurter, u.a. Andreas Mewes und Sybilla Kaim, die Planung von Feng Shui-Konzepten bieten, Farbspielerin Elke Friedrich und Heilerin Heidrun Harz. In der Stadt existiere eine Esoterik-Szene, meint Sylvia Häse, deshalb organisierte sie die Messe. "Nächstes Jahr kommen wir wieder." Einige Angebote bezeichnet sie als bodenständig: Kräutersalben, Steine, Klangschalen und Kreuzkümmel beispielsweise. An Jenseitskontakte und frühere Leben glaubt sie nicht. Gegen ethische Regeln hat aus ihrer Sicht noch kein Aussteller verstoßen, "das würde ich strikt ablehnen", sagt Sylvia Häse.

Manch’ Sektenbeauftragtem hingegen sind Esoteriker ein Dorn im Auge. Ursula Caberta aus Hamburg fordert seit Jahren ein Gesetz für religiösen Verbraucherschutz. "Recht amüsant" fanden zwei ältere Damen, die zwischen den Ständen flanierten, das Angebot in der Thüringenhalle. Über regen Zuspruch freute sich Christian Meinke aus Nienhagen – seine geistigen Kräfte zu Beckenschiefstandskorrektur und Raucherentwöhnung waren sehr gefragt. Auch die Irisund Pulsdiagnosen einer promovierten Medizinerin aus China standen hoch im Kurs. Ab und an tönten die Trommeln von Heilerin Tokana alias Bianka Meyer. "Das Leben hat mich zu einer Schamanin gemacht", erklärte sie.

Ob mit Bachblüten, Ritual-Sets oder Literatur für alle Lebenslagen, wer den obskurantischen Basar am Wochenende verließ, hatte bezahlt – mit irdischen Münzen.

Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.