„Es hilft mir, dass ich kein Riese bin“

Erfurts Treppenlaufsieger Patrick Letsch sprach mit uns über Herausforderungen, spezielles Training und seinen WM-Titel

325 Stufen mussten beim Erfurter Treppenlauf bewältigt werden – Patrick Letsch (ASV Erfurt, kleines Bild) tat das in 1:41 Minuten am schnellsten.Fotos: Monique Meisel

Foto: Monique Meisel

Als Mittel- und Langstreckenläufer sind Sie in Thüringen eine bekannte Größe. Nun haben Sie die Neuauflage des Erfurter Treppenlaufs gewonnen. Was reizt Sie an der Hatz die Stufen hinauf?

Es ist eine spezielle Herausforderung, ganz anders als die Zehn-Kilometer- und Halbmarathon-Distanzen, die ich sonst laufe. Beim Treppenlauf ist der Puls gleich sehr weit oben und die Ermüdung tritt schnell ein. Die Versuchung, zu gehen, ist groß. Ihr zu widerstehen, ist das Ziel.

Ein Ziel, das Sie immer wieder sehr gut verwirklichen. Sie sind schließlich sogar Weltmeister.

Na ja, genau genommen Weltmeister der Berufsgruppen. Ich arbeite beim Zoll, und 2009 fanden die „World Police and Fire Games“, eine Art Olympische Spiele für Polizei, Justizvollzug, Zoll und Feuerwehr, in Vancouver statt. Sie dienten dazu, ein Jahr vor den richtigen Olympischen Spielen die Logistik vor Ort zu testen. Vancouver fand ich spannend, und so habe ich auf eigenen Kosten im Crosslauf, Halbmarathon und Treppenlauf mitgemacht – und letzteren gegen 217 Konkurrenten über 34 Etagen gewonnen.

Was prädestiniert Sie für den Treppenlauf?

Es hilft mir, dass ich kein Riese bin. Ich bin nur 1,70 Meter groß und ziemlich leicht, laufe entsprechend mit einer hohen Frequenz. Ex-Leichtathlet Stefan Eberhardt hat über 1500 Meter zum Beispiel eine sagenhafte Bestzeit von 3:33 Minuten – eine Zeit, die ich niemals schaffen würde. Doch beim Treppenlauf habe ich ihn besiegt, weil ich dafür körperlich die besseren Voraussetzungen habe.

Wie trainieren Sie das?

Ich streue regelmäßig Bergansprints in meine Laufeinheiten ein. Etwa auf der Tannenwäldchentreppe im Steiger, der Himmelsleiter in Hochheim oder in einem Gebäude in der Körnerstraße, wo mich der Hausmeister immer reinlässt. Dort konnte ich auch das „Rechtsdrehen“ trainieren, damit mir beim Treppenlauf im Radisson nicht schlecht wird. Das Ganze sind dann Intervalleinheiten, zum Beispiel achtmal nacheinander die Tannenwäldchentreppe hoch.

Insofern hat es Sie sicher gefreut, dass der Verein „Gute Laune Sport“ den Erfurter Treppenlauf nach acht Jahren Pause wieder eingeführt hat?

Klar. Es war eine gelungene Veranstaltung, sportlich anspruchsvoll und mit guter Laune – so, wie es der Verein will. Im nächsten Jahr sind vielleicht auch Eisschnellläufer Felix Maly und Triathlet Richard Feuer da, die diesmal absagen mussten. Dann wird es mit dem Sieg schwer für mich.

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Einige regionale Läufe, aber auch das Jedermannrennen im Rahmen der Deutschlandtour.

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