Exponate des Grauens im Erfurter Zoo

Erfurt  Das Hauptzollamt präsentierte am Samstag verbotene Mitbringsel, für die geschützte Tierarten sterben mussten

20 Luchse mussten für diese Jacke ihr Leben lassen.

20 Luchse mussten für diese Jacke ihr Leben lassen.

Foto: Michael Keller

Jasmin Seyfarth ist entsetzt. Diese auf den ersten Blick sehr attraktive Pelzjacke hat eine blutige Vorgeschichte. Sie besteht aus Pfoten des Luchses. Geschätzt 20 dieser streng geschützten Tiere mussten für das Kleidungsstück ihr Leben lassen. „Um Gottes Willen“, so die Reaktion der 13-Jährigen aus Gräfenroda. Sie würde so etwas, genau wie ihre Mutter Kathleen, weder kaufen noch sich etwas von dem, was da am Samstag in Höhe des alten Elefantenhauses im Erfurter Zoo ausgebreitet war, in die Wohnung stellen.

2018 fand man 71.000 verbotene Exemplare

Ausgebreitet hatten Jessica Weigand und Guido Wollenhaupt vom Erfurter Hauptzollamt all das, was ihre Dienststelle seit Jahr und Tag so immer wieder aus Touristengepäck oder Postsendungen herausfischt. Der Zollaktionstag soll die Menschen sensibilisieren. Sensibilisieren dafür, nichts aus fremden Ländern mitzubringen, von dem man nicht sicher sein könne, dass damit gegen den Artenschutz verstoßen werde.

Es sei „ein immer wieder aktuelles Thema mit gleichbleibender Tendenz“, sagt Zollamtmann Wollenhaupt. 2018 seien bundesweit 71.000 verbotene Exemplare bei stichprobenartigen Kontrollen – dementsprechend hoch dürfte die Dunkelziffer liegen – gefunden worden. Lebende oder tote Tiere, Pflanzen, zu allerlei Tinnef und Tand verarbeitete Lebewesen. Hauptsächlich aus Afrika oder Ländern mit tropischen Meeren, beispielsweise Ägypten, Bali, Thailand. Von dort gern mitgeschleppt: Muscheln, Korallen.

Woher soll man aber wissen, ob diese herrliche, am Strand gefundene Muschel, geschützt und damit ihre Mitnahme verboten ist? „Im Zweifel besser liegen lassen“, sagt Wollenhaupt. Ganz besonders laut müssen die Alarmglocken bei Korallen aller Art schrillen. Hände weg, sonst kann es richtig teuer werden.

Die Zollkollegen unterscheiden zwei Gruppen. Die unbedarften Touristen, die sich arglos alles aufschwatzen lassen und mitbringen und die gewerblichen Schmuggler, die auch vor lebenden Tieren nicht Halt machen. Die Touristenklasse ist die naturgemäß größte, die aber immer wieder auffliegt. Vor allem an den Flughäfen Frankfurt und München fallen oft die gruseligsten Sachen an. Zum Beispiel eine streng geschützte Meeresschildkröte, Elefantenstoßzähne verkitscht beschnitzt, Schlangenhäute, Krokotaschen, ausgestopfte Tiere. Allesamt verboten.

Zollamtmann Wollenhaupt hat das klassische Beispiel zur Hand. Man kauft ohne Nachzudenken das Fell eines Bergzebras in Afrika. Dort zu haben je nach Größe zwischen 180 und 360 Euro. Fliegt man damit am Zoll auf, wird es eingezogen. Und dann hagelt es ein saftiges Bußgeld bis in den vierstelligen Bereich. Am Ende: Außer Spesen nichts gewesen.

Erfurts Flughafen könnte auch betroffen sein, schließlich landen hier z.B. Flüge aus Ägypten. „Erfurt ist kein Einfallstor für verbotene Mitbringsel“, so die Beobachtungen des Zöllners. In den 1990er Jahren, als man hier noch ein Zollfahndungsamt hatte, kamen jedoch einige üble Exemplare zum Vorschein. Eben jene Jacke aus Luchspfoten, an der Blut klebt.

Bei den Zoogästen fand die Zollpräsentation viel Interesse. Auf die Frage seiner kleinen Tochter, was das da auf den Tischen wohl sei, sagte der Papa: „Die stellen aus, was böse Menschen mitgebracht haben“.

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