Feuerwehr probte in Hochheim den Ernstfall

Hochheim  ine neun Kilometer lange Tour durch den Ortsteil Hochheim macht auf einige Engstellen aufmerksam.

Zu schmal ist die verbleibende Spur auf der Straße: Selbst das Mittlere Löschfahrzeug MLF kommt am Dornrain nur über den Bürgersteig an geparkten Autos vorbei. Foto: Lydia Werner

Zu schmal ist die verbleibende Spur auf der Straße: Selbst das Mittlere Löschfahrzeug MLF kommt am Dornrain nur über den Bürgersteig an geparkten Autos vorbei. Foto: Lydia Werner

Foto: Lydia Werner

Das erste Knöllchen war schon fällig, ehe die Feuerwehrbefahrung mit dem Mittleren Löschfahrzeug (MLF) in Hochheim überhaupt begann. Ein roter Chevrolet stand komplett auf dem Bürgersteig der Buswendeschleife in der Winzerstraße und erhielt einen Gruß vom Stadtordnungsdienst hinter den Scheibenwischer gesteckt. Die Buswendeschleife war Startpunkt der Feuerwehrbefahrung am Dienstagabend.

Doch Strafzettel zu verteilen, war nicht Sinn und Zweck der Veranstaltung. Die Befahrung sollte vielmehr aufzeigen, an welcher Stelle es im Notfall klemmt, die Feuerwehr mit ihren großen Fahrzeugen nicht durchkommt und wertvolle Zeit verliert. „Wir verteilen auch Knöllchen, aber wir klingeln Autobesitzer heraus und führen Gespräche mit Anwohnern“ erklärte Andreas Kelterborn vom Bürgeramt. Er und sein Kollege und Michael Weidemann koordinierten die Aktion. „Die Menschen zu sensibilisieren und das Parkverhalten zu verbessern, ist das Ziel“, sagte Kelterborn. „Schließlich geht es im Einsatz um Menschenleben und jede Minute zählt“, betont er.

Wie bei anderen Feuerwehrbefahrungen waren neben der Feuerwehr und dem Stadtordnungsdienst auch Polizei, Verkehrsamt und Erfurter Verkehrsbetriebe mit von der Partie. Denn Busfahrer treffen auch häufig auf knifflig zu bewältigende zugeparkte Engstellen. Ordnungsdezernent Andreas Horn machte sich ebenfalls ein Bild.

Schon nach den ersten Metern ist in der Winzerstraße auf einer Nebenfahrbahn am Hang kein richtiges Durchkommen für das gar nicht so große Löschfahrzeug. Wie angekündigt, schwärmen die Akteure aus und erklären Anwohnern, was gerade passiert. Außerdem messen sie Abstände und ermitteln Halter, wenn das Auto sofort weggefahren werden soll. Was den meisten Parkenden nicht bekannt ist: 3,05 Meter muss die verbleibende Straßenbreite bis zur Kante des Gehwegs mindestens ausmachen. Manchmal ist das mit Spiegel anklappen gerade noch erfüllt. Für deutlich weniger zu befahrende Breite gibt es auch dort ein Knöllchen, wo Parken von der Sache her nicht verboten ist.

Ein Anwohner macht auf die lockeren etwa quadratmetergroßen Betonplatten aufmerksam. Wenn Fahrzeuge über den Geweg ausweichen, gehen nicht nur Bordsteine kaputt. „Die kippelnden Platten sind gefährlich“, sagt René Kröner. Der Polizist ist Kontaktbereichsbeamter – kurz Kobb – auf dem Herrenberg. „Für den Südosten gibt es keinen, deshalb bin ich in Hochheim mit unterwegs“, sagt er und eilt zum nächsten Gespräch. Die meisten Menschen reagieren verständnisvoll, auch in den folgenden Straßen. Deutlicher muss der Polizist nur einmal an einem zugeparkten Wendehammer werden.

Eng wird es unter anderem im Flurweg, Hangweg und Scharbergweg. „Wo sollen wir denn mit den Autos hin?“, fragt ein Mann und sagt später: „Klar, wenn‘s brennt, wollen alle, dass schnell geholfen wird.“ Parkplatznot erleben die Männer und Frauen vom Stadtordnungsdienst auch anderswo. Das kann aber kein Argument sein, Einsatzfahrzeuge zu behindern.

Im Grünen Weg erleben die „Befahrer“ etwas, was sie so noch nicht gesehen haben. Jemand parkt in einer Einfahrt und steht dabei mit dem halben Auto auf der Fahrbahn. Kleine Autos können sich gerade durchquetschen. Der Fahrer ist in der Nähe und einsichtig. Am Rand entdecken die städtischen Angestellten einen kleinen Pkw-Anhänger, dessen Standrad schon in den Boden eingewachsen ist, vom Grün und Spinnweben drumherum gar nicht erst zu reden. Der Besitzer wird Post bekommen. Anhänger dürften nur 14 Tage lang öffentlich geparkt werden.

In der Kapellenstraße fehlen an einer Stelle nur ein paar Zentimeter. „Wäre der Spiegel noch eingeklappt, würde das durchgehen“, erläutert Kelterborn. Parken ist schließlich erlaubt. In der Straße Dornrain ein Stück weiter ist das Parken am rechten Rand ein Dauerproblem. Das Löschfahrzeug kommt nur mit dem Ausweichen auf den Gehweg vorwärts. Schlecht, denn es gibt zwei Kindergärten hier.

Braunkärschweg und Am Bache werden auch gern bis zu den Ecken zugeparkt. Verstärkte Kontrollen werden vereinbart, denn da muss auch die Hochheimer Feuerwehr durch, deren neues Gerätehaus gerade entsteht. In der Wagd­straße wäre wegen der Linienbusse ein Parkverbot hilfreich. Das erlaubte Parken in der Winzerstraße macht für Busse und andere Fahrzeuge stadteinwärts vor einer Linkskurve den Blick auf Gegenverkehr unmöglich. Während die Kolonne dort hält, zeigt Polizist Kröner, dass er das gute alte Regeln von Hand draufhat.

Im Leuchtenburgweg ragt Grün von Bäumen zu weit in den Straßenraum. Ein Problem hat die Hochheimer Feuerwehr vor ihrem Ausweichquartier an der Südseite der Messe. Wenn Messe ist, kommen die Fahrzeuge kaum aus dem Grundstück heraus. Die Feuerwehrleute wünschen sich ein Halteverbot bis 2020, wenn hoffentlich der Umzug ins neue Gerätehaus ansteht.

Etwa neun Kilometer sind nach zweieinhalb Stunden zurückgelegt. Es hat viele Gespräche gegeben. Folgen werden „anlassbezogene Kontrollen“ der Leute vom Ordnungsamt. Der Beigeordnete Andreas Horn kündigt an, dass es künftig häufiger Feuerwehrbefahrungen in Erfurter Stadtvierteln und Ortsteime geben wird.

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