Frauen erkunden per Tandem Männerdomänen der Berufswelt

Erfurt  Mentoring-Programm für Studentinnen an der Fachhochschule Erfurt sorgt für erste Erfahrungen und ebnet Wege

Bilden ein Tandem im Mentoringprojekt an der FH Erfurt: Katrin Katzung und Jette Hickethier. Foto: Lydia Werner

Bilden ein Tandem im Mentoringprojekt an der FH Erfurt: Katrin Katzung und Jette Hickethier. Foto: Lydia Werner

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Zwei Frauen bilden ein Tandem. Für elf solcher Tandems begann jetzt das Programm „MINT-Mentoring für Studium, Beruf und Karriere“ an der Fachhochschule Erfurt. MINT steht für die Fachbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – für die technischen Bereiche, in denen Männer an den Hochschulen und in der Berufswelt dominieren.

Für zehn Monate steht jeder der beteiligten elf Studierenden eine Frau aus Studium oder Praxis zur Seite. Finanziert werden die Workshops aus Bundesmitteln. Die Beteiligten aus Studium oder Praxis sind ehrenamtlich dabei.

Eine Mentorin, die mitten im Berufsleben steht, wünschte sich Jette Hickethier, die im dritten Semester Bauingenieurwesen studiert. So komplettiert Katrin Katzung dieses Tandem. Die Diplomingenieurin ist Geschäftsführerin eines Weimarer Ingenieurbüros. „Eine Frau muss auf der Baustelle nicht auftreten wie ein Mann“, sagt sie und empfiehlt: „Natürlich bleiben“. Und dann gebe es noch ein paar Tricks und Kniffe, wie man sich als Frau in einer Männerdomäne durchsetzen kann. Ihre Umschreibung für das, was das Tandem sein soll: „Das Buch, welches das Leben schreibt und in der Schule nicht gelehrt wird.“ Argumentationstraining ist nur eine Möglichkeit. „Jette muss sagen, was sie möchte. Ich stelle mich drauf ein.“

Als Mentorinnen kommen auch Studentinnen in Frage, sie müssen jedoch schon ihren Master begonnen haben. Für Jette Hickethier war klar, sie will an praktischen Erfahrungen teilhaben. „Mit dem Studium komme ich zurecht. Ich mache mir eher Gedanken, wie das später klappt, wenn ich im Beruf stehe. Oder wie sich Familie und Beruf vereinbaren lassen.“ Sie verspricht sich auch erste Kontakte zur Praxis.

In technischen Bereichen unterrepräsentiert

Ein Tandem muss zueinander passen. Koordinatorin Katrin Zirkel war positiv überrascht, dass es beim Kombinieren der Frauen-Paare auch ohne Speed-Dating keinerlei Schwierigkeiten gab, und sie war froh, keine Absage erteilen zu müssen. Elf Studentinnen wollten in das Programm aufgenommen werden, maximal zwölf Plätze hätten belegt werden können.

Frauen werden nach Ansicht von Katrin Katzung heutzutage viel mehr verunsichert. „Zu DDR-Zeiten haben Frauen technische Berufe erlernt oder Technik studiert, ohne groß darüber nachzudenken, ob das ein männertypischer Bereich ist“, sagt sie. Ein Stück sicherer werden die Studentinnen nach den zehn Monaten sein. Eine Professorin hat das der Koordinatorin Katrin Zirkel nach dem ersten Durchgang des Programms bestätigt. Wenn der zweite Durchgang endet, bleibt noch Zeit für eine Auswertung. Ob es ein ähnliches Programm aber auch künftig geben wird, kann sie noch nicht sagen.

Den Studentinnen eigene Erfahrungen einfach überzustülpen, kommt für Katrin Katzung, die auch in anderen Projekten ehrenamtlich aktiv ist, nicht in Frage. „Wir pieksen nur. Sonst geht das schief“, ist sie überzeugt.

Das Programm selbst setzt auch Grenzen. „Die Mentorin agiert nicht als Psychologin, nicht als Professorin und gibt auch keine Nachhilfe“, hält Katrin Zirkel fest. In den sogenannten MINT-Fächern sind Frauen unterrepräsentiert. Das ist auch an der FH Erfurt so. Lediglich zwanzig Prozent Studierende in den technischen Bachelorstudiengängen sind weiblich, auf dem Weg zum Master sind es gar nur noch zehn Prozent.

Dem will das Programm etwas entgegensetzen. Mit den Workshops, mit einem Netzwerkabend – aber das Herzstück ist das Tandem. Vorgeschlagen wird, dass sich die beiden Frauen alle vier bis sechs Wochen treffen. Allerdings bleibt ihnen die Ausgestaltung dieser Partnerschaft selbst überlassen. Und manchmal hat eine Mentorin auch gleich mehrere Studentinnen im Schlepptau, wenn sie ihnen beispielsweise eine Baustelle zeigt.

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