Freibad-Abriss in Vieselbach ist beschlossene Sache

Vieselbach.  Vieselbacher Brauerei-Teiche werden zum Erholungsgebiet

Manfred Langguth (links), der erste „Nachwende-Bürgermeister“ und Christian Poloczek-Becher, der heutige Ortsteilbürgermeister Vieselbachs, blicken gemeinsam über den Beckenrand des verfallenen Freibades hinaus –  in eine nicht all zu ferne Zukunft mit Bootsteich und Festwiese.

Manfred Langguth (links), der erste „Nachwende-Bürgermeister“ und Christian Poloczek-Becher, der heutige Ortsteilbürgermeister Vieselbachs, blicken gemeinsam über den Beckenrand des verfallenen Freibades hinaus – in eine nicht all zu ferne Zukunft mit Bootsteich und Festwiese.

Foto: Hartmut Schwarz

In zwei Jahren hätte man in Vieselbach ein Jubiläum feiern können. Dann wäre es 110 Jahre her, dass unterhalb der Brauhausteiche das Freibad eröffnet wurde. Am 12. Juli 1913 ist eine erste Bauabnahme dokumentiert, nach der noch einige Mängel beseitigt werden mussten. Im April 1914 wurde danach der neben dem Bad noch frei laufende Vieselbach kanalisiert, bis zum Rathaus in robuste Betonelemente verpackt. Und im Juli 1914 wurde dann die endgültige Fertigstellung des Freibades gefeiert – mit der Eröffnung des innerhalb eines Jahres angebauten Wannen- und Brausebades.

Nur noch wenige blaue Flecken deuten heute bei einem Überflug mit Google Earth an, wo das Bad einst zu finden war. Derzeit wird im Freibad eindrucksvoll vor Augen geführt, wie die Natur sich zurück holt, was ihr einst genommen wurde. Im drei Meter tiefen Bereich des Sprungturms, wächst mannshohes Schilfgras, im flacheren Becken stehen u.a. Birken mit schon beachtlichem Durchmesser.

Auf Google Earth ist das Freibadinzwischen kaum noch zu erkennen

Bis 2000 wurde es in jedem Sommer noch bevölkert, erinnert sich Manfred Langguth, der als erster frei gewählter Bürgermeister nach der Wende kurzzeitig der Gemeinde vorstand. Als Heimatkundler hat er seitdem nur passiv die Entwicklung verfolgt. Alljährlich gab es im Bad viel zu reparieren. Zwischenzeitlich wurden bei einer umfassenden Sanierung 35000 Mark investiert. Irgendwann verschlechterte sich dann die Qualität des aus dem Brauereibrunnen eingeleiteten Wassers. Ein Jahr lang wurde die Saison danach mit Trinkwasser gerettet, danach rechnete sich der Aufwand wirtschaftlich nicht mehr. Das Bad wurde geschlossen – und der Natur überlassen.

Demnächst werden auch diese letzten Überreste verschwinden, denn der Abriss sei laut Ortsteilbürgermeiser Christian Poloczek-Becher beschlossene Sache. Im kommenden Jahr, falls es wegen Corona nicht klappen sollte, spätestens 2022, werden die letzten blauen Flecke verschwinden.

Die Finanzierung sei über Ausgleichmittel des GVZ gesichert – es geht um etwa 500.000 Euro. Das Geld sei für das Projekt „eingefroren“, falls sich die Umsetzung verzögern sollte, die in mehreren Bauabschnitten geplant sei. Die Fläche soll entkernt werden, einschließlich des kanalisierten Vieselbachs, der neben dem Bad verläuft. Vom unteren Brauhausteich bis zum Mühlplatz soll er wieder frei gelegt werden.

Ein Freibad-Jubiläum wird es nicht mehr geben. Es ist längst Geschichte. Denn der Verlust des Freibades als Freizeiteinrichtung, geht einher mit der Schaffung neuer Angebote, rund um die beiden Brauhausteiche. Erholung wird es künftig nicht mehr im, sondern hauptsächlich am und auf dem Wasser geben. Einen Teich möchte man mit einer kleinen Boots-Anlegestation ausstatten, es soll künftig zum Gondeln einladen. Eine Schwimminsel für Enten ist geplant und die Vieselbacher Angler wollen wieder für Leben im Gewässer sorgen.

Ausgleichmittel des GVZ stehenfür die Finanzierung bereit

Der Bürgerverein habe dafür schon die Vorarbeiten erledigt. Unzählige Arbeitsstunden wurden investiert, um den ersten der beiden Teiche wieder frei zu legen. Inzwischen gibt es wieder einen begehbaren Weg der bis zur einstigen Liegewiese führt. Dort soll künftig das Festzelt für die Kirmes stehen, erläutert Christian Poloczek-Becher. Denn der derzeitige Platz wird demnächst für die Container gebraucht, in denen während des Schulneubaus zwischenzeitlich der Unterricht stattfinden soll.

Es werde sich aber auch um die Ruine der an das künftige „Erholungsgebiet“ angrenzende Brauerei bemüht. Diese wurde als Immobilien-Wertanlage vor Jahren ersteigert. Die Eigentümerin sei inzwischen verstorben und die Erbengemeinschaft zeigt ebenfalls kein Interesse zu investieren, weiß der Ortsteilbürgermeister. Man lasse aber nichts unversucht, will möglichst bald die beteiligten Parteien an für eine Entscheidungen an einen Tisch bringen. Denn für den Standort gäbe es gäbe es interessierte Investoren. Geplant sei, die Villa zum Wohnhaus auszubauen und die Fabrikgebäude für altersgerechtes Wohnen.

Die Überbleibsel der Deinhardt-Brauerei werden damit perfekt in das Naherholungskonzept passen.