Freizeitsport bekommt in Erfurt mehr Gewicht

Erfurt.  10.000 Erfurter entscheiden mit, wie sich die Sport-Infrastruktur in Erfurt entwickeln soll. In den nächsten Tagen bekommen sie Post.

Auch Freizeitjogger soll der neue Sportentwicklungsplan berücksichtigen.

Auch Freizeitjogger soll der neue Sportentwicklungsplan berücksichtigen.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Ist das schon Sport oder ist das noch aktive Erholung? Diese Frage soll im neuen Sportentwicklungsplan eine untergeordnete Rolle spielen. „Wir wollen den Sport in seiner Gänze betrachten“, beschreibt Markus Cizek, 2. Werkleiter des Sportbetriebes, den neuen Ansatz.

Statt wie bisher nur den Sanierungs- und Neubaubedarf kommunaler Sportanlagen zu untersuchen, soll auch der Freizeitsport abseits der Stadien und Turnhallen berücksichtigt werden. Ob Jogger oder Radler, Skater oder Walker – ihre Gewohnheiten und Wünsche sollen sich genauso wiederfinden wie die Erwartungen der Sportvereine.

„Als ich Kind war, gab es kaum mittelalterliche Menschen, die viel Sport getrieben haben“, sagt Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD). Heute setzten sich sehr viele Leute seiner Generation regelmäßig aufs Rad oder joggten durch den Steiger. „Das Sportverhalten hat sich geändert“, meint Bausewein.

Grundlage für die neue Strategie soll eine repräsentative Umfrage unter 10.000 Erfurtern bilden, die von der Fachhochschule (FH) für Management und Sport aus Potsdam durchgeführt wird. Die Fragebögen werden in diesen Tagen verschickt. Eine zweite Umfrage richtet sich speziell an die 281 Sportvereine der Stadt.

Der Anteil des Individualsports liegt bei 60 Prozent

„Im Bundesschnitt macht der Individualsport 60 Prozent der sportlichen Aktivitäten aus“, sagt Michael Barsuhn, der Projektleiter der Potsdamer FH. Der Rest sei je zur Hälfte auf den Vereinssport und kommerzielle Angebote wie Fitnessstudios verteilt.

Die zufällig, aber nach Altersgruppen und Wohngebieten repräsentativ ausgewählten Umfrage-Teilnehmer sollen Fragen etwa zu ihren Lieblingssportarten, zu den Orten, an denen sie Sport treiben oder zu ihrer Motivation beantworten. „Wir fragen auch nach Inaktivitätsgründen“, sagt Barsuhn. Die Rolle des Sports für die Gesundheit spiele ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Beantwortung werde etwa 10 bis 15 Minuten dauern.

Die Umfrage läuft bis 5. Oktober. Sie soll bis Februar ausgewertet werden und die Daten für eine zweite Phase der Bürgerbeteiligung liefern, die im April und Mai in Form von Workshops stattfindet. Der Stadtrats-Beschluss zum neuen Sportentwicklungsplan, der Prioritäten in der Sportstättenentwicklung bis 2030 festlegt und Handlungsempfehlungen gibt, soll in einem Jahr erfolgen.

Kombination aus Spielfeld, Jogging-Parcours und Rollator-Bahn

Projektleiter Barsuhn vermutet nach den Erfahrungen anderer Städte, dass die Umfrage auch für Erfurt den demografischen Wandel, alternative Sport- und Bewegungsräume und ein verändertes Sportverhalten sichtbar machen wird. Konsequenzen könnten zum Beispiel flexiblere Sportanlagen sein, die traditionelle Spielfelder und Laufbahnen mit einem Jogging-Parcours und Radwegen, aber auch mit Rollator-Bahnen verbinden.

Ansätze für solche Multifunktionalität gibt es bereits in Erfurt, meint Sportdezernent Steffen Linnert (SPD) und verweist auf das Sportzentrum an der Essener Straße, das gerade saniert wird. Oberbürgermeister Bausewein erinnert an die Nördliche Geraaue, die im Rahmen der Buga-Vorbereitung mit Freizeitsport-Feldern und einem Skatepark ausgestattet wird. „Viele Leute nehmen die noch gar nicht als Sportanlagen wahr“, sagt Bausewein.

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