Nicht alle Gastronomen in Erfurt dürfen wieder öffnen

Erfurt.  Heute öffnen Restaurants wieder – aber nicht alle. Manchen Stätten werden Größe und Vorschriften zum Verhängnis.

Kellner Rashad Behbudov vom Ristorante „La Piazzetta“ am Erfurter Wenigemarkt bereitet die Wiedereröffnung vor

Kellner Rashad Behbudov vom Ristorante „La Piazzetta“ am Erfurter Wenigemarkt bereitet die Wiedereröffnung vor

Foto: Marco Schmidt

Heute darf es wieder losgehen mit der Gastronomie. Am 9. Mai hatte die Landesregierung grünes Licht gegeben, was vielen Gastronomen und Hoteliers eine Zentnerlast von den Schultern nahm. Aber eben nicht allen. Ein Umfrage in der Stadt erbrachte recht unterschiedliche Ergebnisse.

Im italienischen Restaurant „La Piazetta“ am Wenigemarkt ist alles für den Neustart vorbereitet. Fast alles. Vier der zehn Mitarbeiter fehlen. Sie sitzen in Italien fest und können nicht ausreisen. Geschäftsführer Filippo Giorgi muss improvisieren.

Die Speisekarte wird im Umfang reduziert und die Öffnungszeit auf 12 bis 21 Uhr verkürzt. Sieben Tage die Woche bleibt das Restaurant aber trotzdem geöffnet. Das Personal ist eingewiesen, tritt mit Atemschutzmaske auf. „Wir haben das Hygienekonzept genau so umgesetzt, wie es uns schriftlich vorgegeben wurde“, versichert Giorgi. Die Zahl der Tische wurde reduziert. Waren es früher 96 Plätze im Außenbereich, sind es nun nur noch 45. Drinnen schrumpft die Platzzahl von 80 auf 25. Es wird schon funktionieren, ist der Italiener optimistisch, auch wenn der Abholservice, den man schon länger angeboten hatte, nicht so gut gelaufen sei.

Thomas Schäfer, der Wirt vom Andreaskavalier, hatte vor drei Wochen eine zündende Idee – „Mauerbier“. Er verkauft an der Kreuzung in der Nordhäuser Straße von seinem Biergarten aus Getränke und Speisen, die die Gäste dann in gebührendem Abstand verzehren können. „Lief gut“, sagt der Wirt, der das Platzangebot im kuschligen Gastraum auf 12, auf der Terrasse auf 15 reduziert hat. Und es wird wohl auch weiter gut laufen, ist er sicher. Seine Stammgäste würden schon drängeln. Entlassen musste Schäfer glücklicherweise keinen seiner fünf Festangestellten. Alle kommen nun aus der Kurzarbeit zurück. Gestern Abend hat er seine Schäfchen nochmal für eine spezielle Schulung zusammengeholt. „Schließlich müssen alle fit in den Regeln sein“, sagt Schäfer. „Ich tue alles, damit nichts eskaliert“, sagt er. Dafür hat er auch gern den großen Aufwand in Kauf genommen. Schließlich hat er in den vergangenen Wochen viel Geld verloren, auch wenn der Abholservice und das „Mauerbier“ Schlimmeres verhindert hätten.

„Alle öffnen, wir nicht“, sagt Doreen Casula und klingt ein bisschen traurig. Das „StefaDos“, Erfurts kulinarischer gar nicht mehr geheimer Geheimtipp am Mainzerhofplatz, bleibt zu. Das klitzekleine sardische Restaurant ist offenbar zu klitzeklein. „Die Lockerung bringt uns nichts. Bei den Auflagen können wir nicht wirtschaftlich arbeiten. Selbst wenn die Hälfte der Plätze wegfiele, könnten wir die Abstandsregel nicht einhalten“, sagt Restaurantchefin Doreen Casula. Ihr Mann Stefano, den Restaurantkritiker Matthias Kaiser mal als „Doradenbändiger“ bezeichnet hat, kocht trotzdem.

„Wir bleiben bei StefaDos to go“, sagt seine Frau. Man kann sich etwas holen und an die vier Tische auf dem Platz vor der Gaststätte zum Verzehr setzen. Die Stammgäste schrecke das bisher jedenfalls nicht ab.

Auch beim Zumnorde-Restaurant in der Grafengasse steht man heute vor verschlossenen Türen. „Wir öffnen nicht“, sagt Chefin Cornelia Zumnorde. Die Verordnung des Landes werde erstmal genau studiert und auf Umsetzbarkeit geprüft. Das Konzept müsse sehr gut vorbereitet werden, auch für den Fall, dass man kontrolliert werde. Etwas mehr Vorlauf wäre gut gewesen. Das Ordern der Ware sei nicht das Problem, aber die Umsetzung der strengen Hygieneregeln sei eine Herausforderung. 34 Mitarbeiter seien in Kurzarbeit. 22 davon gehören zum Restaurant, das in den großen Gourmetbibeln Gault Millau und Michelin mit hoher Bewertung glänzt. Regulär gibt es 60 bis 75 Plätze. Wenn irgendwann geöffnet werde, müsse die Hälfte reichen, sagt die Chefin. Und Karte wie Öffnungszeiten würden reduziert. Das „Lunch to go“ für Außerhaus behalte man aber bei. Das sei gut gelaufen.