Genuss statt Rekord

Erfurt  Der Erfurt-Marathon versteht sich als Kleinod. Er soll nicht wachsen, sich aber weiteentwickeln. Startplätze vergeben

Zu den Läufern, die vor einem Jahr beim Jubiläum des Erfurt-Marathons gestartet sind, zählten Uwe Schmidt (vorn rechts) und Andreas Riedel (links). Archiv-

Zu den Läufern, die vor einem Jahr beim Jubiläum des Erfurt-Marathons gestartet sind, zählten Uwe Schmidt (vorn rechts) und Andreas Riedel (links). Archiv-

Foto: Frank Steinhorst

Rekordzeiten und Rekordfelder, das sind nicht unbedingt die Ambitionen der Macher des Erfurt-Marathons. Ihr Lauf soll sich weiterentwickeln, in der Wahrnehmung an Bedeutung gewinnen und sich doch in überschaubaren Bahnen bewegen, das schwebt den Organisatoren der Kleinkunstbrigade Annakram vor. So viel steht fest: Ihr Lauf ist auf einem guten Weg dorthin, auf einem grünen au­ßerdem. Seit Mittwoch sind bereits alle Startplätze für die nunmehr sechste Auflage am 24. August vergeben. So schnell wie noch nie zuvor.

Auf 200 Plätze haben Initiator Sigurd Reißener und seine Mitstreiter das Feld limitiert, das sich in gut einem Monat von der Kanustation am Nettelbeckufer auf die Runde über Gispersleben, das Stadtzentrum, den Steiger nach Wandersleben und zurück begibt. „Wir wollen kein Massenereignis organisieren“, sagt er. Die Schwerpunkte liegen für ihn und seine Mitorganisatoren an anderer Stelle. Qualität, ein familiäres Miteinander, viel Kulturelles und das alles, um noch andere Vereine und Institutionen zu unterstützen – so lauten die Schlagworte, mit de­nen der Erfurt-Marathon von sich reden machen soll.

Dass genau 30 Tage und acht Stunden vorm Start alle Plätze belegt gewesen sind, sieht Reißener umso mehr als schönes Signal. Genauso wie den Punkt, dass das Rennen viele Läufer aus Erfurt und der Umgebung angesprochen hat. Rund ein Drittel der Teilnehmer Ende August kommen aus der Region.

Route weicht von den Läufen bisher leicht ab

Sie werden dabei sein, wenn der Erfurt-Marathon sechs wird. Auf dem Kurs bekommt der Lauf einen grüneren Anstrich. Medaillen gewohnt aus Ton, die Bänder dazu aus Bio-Leinen, ein Bestellangebot von T-Shirts nach Fair-Trade-Kriterien, alkoholfreie Gratis-Getränke für alle Teilnehmer, die eigene Trinkgefäße mitbringen und nutzen – einige Maßnahmen unterstreichen bei der sechsten Auflage das Bestreben, den Lauf ökologisch zu gestalten.

Ganz auf Einweg-Becher aber können die Organisatoren nach Abwägen nicht verzichten. Zum einen, weil sich laut Sigurd Reißener die favorisierten Ersatz-Becher nur unter bestimmten Bedingungen so zersetzten, wie sie sollten. Und zum anderen, weil noch Einweg-Becher im Bestand seien. Diese wegzuwerfen, um neue zu kaufen, betrachtet er nicht unbedingt als umweltfreundlichere Alternative.

Ungeachtet dessen greifen die Annakram‘ler auf das zurück, was in den vergangenen Jahren den eigenen Reiz des Erfurt-Marathons ausgemacht hat. So ist die Strecke ein Mix aus Fuß-, Feld- und Waldwegen. Auf der haben sich Mitglieder des Vereins „Musik macht schlau“ angekündigt, die Läufer auf ihre Art zu unterstützen. Als Dank. Denn zehn Euro pro Startplatz wandern in diesem Jahr in deren Vereinskasse. Infolge der vielen städtischen Baumaßnahmen im Zuge der Bundesgartenschau 2021 weicht die Route von den bisherigen leicht ab. „Und es gibt zwei, drei Passagen, an denen man warten und die Ampel drücken muss“, kündigt Sigurd Reißener an. „Es wird also schwierig, einen Rekord zu laufen“, fügt er an. Aber das ist gar nicht die Intention. Nicht die seine, nicht die seiner zahlreichen Mitstreiter. Ein Genusslauf soll der Erfurt-Marathon sein, den Anspruch formulieren sie für sich. Nach dem Motto: klein, aber fein.

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