Gnadenfrist für FC Rot-Weiß Erfurt -Trainer Thomas Brdaric

Erfurt  Warum dem Trainer des FC Rot-Weiß Erfurt auch nach seiner dritten gelben Karte keine Konsequenzen drohen.

Im Spiel gegen Nordhausen sieht Thomas Brdaric Gelb. Eine Sperre droht ihm aber nicht.

Im Spiel gegen Nordhausen sieht Thomas Brdaric Gelb. Eine Sperre droht ihm aber nicht.

Foto: Frank Steinhorst

Als der Referee beim Auswärtsspiel in Babelsberg (1:1) plötzlich vor ihm stand und ihm die Gelbe Karte unter die Nase hielt, verstand Thomas Brdaric die Welt nicht mehr. „Ich habe das Gefühl, dass die Schiedsrichter sehr schnell zu dieser Maßnahme greifen, ohne mit uns zu reden. Dadurch wird das Verhältnis zwischen beiden Seiten nicht besser“, sagt der Trainer des Fußball-Regionalligisten FC Rot-Weiß Erfurt, der in dieser Saison in den elf Punktspielen schon drei Gelbe Karten gesehen hat.

Seit dieser Serie können die Trainer wie auch die Spieler mit Karten sanktioniert werden. Aber nicht nur Rot oder Gelb-Rot drohen nun. Nach der vierten Gelben ist eine Spielsperre vorgesehen. Das bedeutet, dass ab 30 Minuten vor dem Spiel ein striktes Kommunikationsverbot greift. Ob nun telefonisch oder über Dritte. Jene neue Regelung gilt bislang allerdings nur in der 1. und 2. Bundesliga sowie in der 3. Fußball-Liga.

Verwarnungen gelten als Gnadenfrist

Thomas Brdaric steht also keineswegs kurz vor einer Sperre, darf die Verwarnungen dennoch als Gnadenfrist betrachten. Udo Penßler-Beyer als Chef des Schiedsrichterausschusses des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV) rechnet nämlich fest damit, dass jene Novellierung in der kommenden Serie auch in der vierten Liga greift. „Wir wollten solch eine Regelung nicht mitten in der Saison durchsetzen“, sagt der Sportfunktionär. Über einen entsprechenden Beschluss müsse das NOFV-Präsidium entscheiden. Mit der Einführung der Gelben Karte für Trainer setzten die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) für die 3. Liga eine Regeländerung des International Football Association Board (IFAB) um. Der Erfurter Trainer sieht den Fußball dadurch seinen Emotionen beraubt. „Wer das eingeführt hat, ist wirklich nie in der Lage gewesen, mit einem Trainer mitzufühlen. Aber ich bin eben im Moment des Spiels der Mittelpunkt des Vereins“, sagt der Ex-Nationalspieler, der in dieser Saison vor dem Babelsberg-Spiel bereits gegen den ZFC Meuselwitz (1:2) und beim 0:1 in Nordhausen verwarnt wurde.

Gerade die Gelbe Karte in Nordhausen war aus seiner Sicht völlig unberechtigt. „Wir lagen damals zurück. Ich habe dem Schiedsrichter ohne irgendein beleidigendes Wort erklärt, dass aufgrund der vielen Unterbrechungen für mich nur drei Minuten Nachspielzeit einfach zu wenig sind. Sofort wurde ich ohne ein vorheriges Vorkommnis verwarnt. Das kann ich nicht verstehen“, sagt der RWE-Trainer. Brdaric nimmt dagegen die Schiedsrichter in die Pflicht. Zwar gebe es in der 1. und 2. Liga den Videobeweis, der eine falsche Entscheidung korrigieren könne. In der Regionalliga allerdings werde eine krasse Fehlentscheidung durch den Spielleiter nicht sanktioniert. „Oft haben die Schiedsrichter kein Gefühl für die Situation“, sagt Brdaric: „Vielleicht ist es ja angebracht, einfach mal mit dem Trainer zu reden.“

Auf ein Miteinander auf dem Platz gesetzt

Genau das jedoch unterstützt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) durchaus. DFB-Lehrwart Lutz Wagner setzt auch künftig auf ein Miteinander auf dem Platz. „Die Möglichkeit einer mündlichen Ermahnung, die deeskalierend wirkt, bleibt bestehen. Wir setzen also weiterhin auf Kommunikation und auf ein gelebtes Miteinander auf und neben dem Platz“, erklärte der ehemalige Fifa-Schiedsrichter vor wenigen Wochen in einem Interview auf dfb.de.

Eine Spielsperre für einen Trainer nimmt manchmal skurrile Züge an. Sandro Schwarz vom FSV Mainz 05 hatte gegen Wolfsburg als erster Bundesliga-Trainer überhaupt Gelb-Rot gesehen und musste nun in Paderborn ein Spiel aussetzen. Zu Hause geblieben ist er freilich nicht. Er verfolgte das Spiel vor Ort – im Mannschaftsbus.

Thomas Brdaric ist sich durchaus bewusst, dass auch er in der Regionalliga vom Schiedsrichter sofort auf die Tribüne geschickt werden kann. „Wenn tatsächlich jemand Grenzen überschreitet, ist es auch in Ordnung, wenn solche Konsequenzen gezogen werden.“

Nur seine vierte Gelbe Karte – und die wird gewiss bei noch 23 ausstehenden Spielen kommen – bleibt für ihn aktuell noch folgenlos. Aber die Gnadenfrist endet in der Regionalliga wohl mit dem Saisonende.

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