Mit „Gold statt braun“ wurde in Erfurt an den Tag der Befreiung am 8. Mai gedacht

Erfurt.  Zum Tag der Befreiung fanden die „Goldenen Aktionstage“ breite Unterstützung. Das Engagement der vielen Beteiligten soll fortgeschrieben werden.

Unter dem Motto "Gold statt braun" wurde in Erfurt an den Tag der Befreiung, 8. Mai, gedacht. Unter anderem wurden Blumen am Denkmal des unbekannten Wehrmachtsdeserteurs niedergelegt.

Unter dem Motto "Gold statt braun" wurde in Erfurt an den Tag der Befreiung, 8. Mai, gedacht. Unter anderem wurden Blumen am Denkmal des unbekannten Wehrmachtsdeserteurs niedergelegt.

Foto: CHRISTOPHER SCHMID

Unter dem Motto „Gold statt braun“ waren es am Ende 120 Stellen und Orte, die in der Stadt am Freitag, 8., und Samstag, 9. Mai golden geschmückt waren. Noch immer überwältigt davon, dass sich am 8. Mai so viele Menschen an den „Goldenen Aktionstagen“ beteiligt haben, sind die Organisatoren Stefanie Müller-Durand (Ständige Kulturvertretung), Monique Förster (Kunsthaus Erfurt) und Dirk Teschner (Die Vielen). Sie wollen gemeinsam mit Erfurter Kulturakteuren die nächsten Tage zur Auswertung nutzen, das Engagement der beteiligten Menschen aufnehmen und das Thema „8. Mai“ als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus weiter diskutiert wissen.

Es sei am 8. Mai darum gegangen, den Tag voller Demut zu begehen und die aktuellen rechtsradikalen Angriffe auf die Kulturfreiheit zu thematisieren. Die Corona-Krise und deren teils fatale Folgen für die Kulturszene seien allenfalls am Rande der Aktionen ein Thema gewesen, stellen die Organisatoren fest. Anlass der Aktionen sei nicht der Virus, sondern allein der 75. Jahrestag der Befreiung gewesen.

Die Initiative habe so viele Unterstützer gefunden, wie kaum eine zuvor: Von Städtischen Museen, über Galerien, Läden, politischen Trägern bis zur Jüdischen Landesgemeinde Thüringen reichten die Interventionen im öffentlichen Raum, überall tauchten die goldenen Rettungsdecken auf. In der Vorbereitung und am 8. Mai selbst sei es stets sowohl um die menschenrechtsverletzenden und freiheitsraubenden Verbrechen der Nationalsozialisten gegangen, als auch um die Forderungen nach künstlerischer Freiheit, kultureller Vielfalt und Solidarität mit allen Menschen in Not.

Die Initiative „Die Vielen“, das Kunsthaus Erfurt und die Ständige Kulturvertretung sehen in den glänzenden Aktionstagen einen Versuch, zeitgemäß an die Verbrechen zu erinnern und zeitgleich für die sich verstärkenden, rechten Tendenzen in Politik und Gesellschaft zu sensibilisieren. „Kunst und Kultur sind Werteträger unserer Gesellschaft, sie sind der Ort an dem Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges (kritisch) verhandelt wird“, sagen die Organisatoren. Und sie seien zugleich die ersten betroffenen Orte, die Eingriffe und Einschnitte befürchten müssen. „Es ist bereits Realität, dass antidemokratische, antisemitische und ausgrenzende Politiker Anträge in die städtischen Parlamente einbringen, die Kürzungen im sozialen und kulturellen Bereichen vorsehen oder das gar ganze Kultureinrichtungen in Frage gestellt werden, weil sie ihrem völkischen oder nationalkulturellen Kulturbegriff nicht entsprechen“, lautet die Warnung der „Goldenen Aktionstage“, die am 8. Mai diesen großen Widerhall gefunden haben.