"Goldener Spatz" präsentiert Kinder- und Jugendfilme in Erfurt

Der Vogel mit dem Basecap ist in Erfurt eingeflogen und im Kinosessel weich gelandet. Bis Freitag zeigt das vor wenigen Tagen in Gera gestartete Kindermedienfestival "Goldener Spatz" in den Erfurter Cinestar-Kinos bemerkenswerte Kinder- und Jugendfilme.

Nach der 700. Folge von "Schloss Einstein", die zum Festival im Cinestar gezeigt wurde, gaben die Darsteller Sabrina Wollweber (Feli) und Ferdinand Dölz (Bruno) Autogramme.  Foto: Marco Kneise

Nach der 700. Folge von "Schloss Einstein", die zum Festival im Cinestar gezeigt wurde, gaben die Darsteller Sabrina Wollweber (Feli) und Ferdinand Dölz (Bruno) Autogramme. Foto: Marco Kneise

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Erfurt. Vm achtminütigen Trick- bis zum abendfüllenden Spielfilm, von der "Sendung mit dem Elefanten" für alle ab vier bis zum Neonazi-Drama "Kriegerin", das im April bei der Gala zum Deutschen Filmpreis mit drei Lolas ausgezeichnet wurde.

Gestern bekamen die Kinder- und Fachjurys unter anderem den Achtminüter "Zing" von Kyra Buschor und Cynthia Collins zu sehen. Der Titel gibt lautmalerisch das Geräusch einer Sense wieder: Sensenmann Grimm ist in seinem düsteren Arbeitszimmer damit beschäftigt, im Akkord Lebensfäden zu durchtrennen, bis ihm eine Kleinigkeit dazwischenkommt. Die Kleinigkeit maunzt, ist vierbeinig und hat, wie alle Katzen, neun Leben - was Mr. Grimm dazu veranlasst, ausnahmsweise Fünfe gerade sein zu lassen.

"Zing" kann sich nicht recht entscheiden, ob er es mit den düsteren Trickfilmen eines Tim Burton aufnehmen oder doch lieber puppchenhaft süß sein will. Trotzdem bedachten die Jurys und das Publikum den Film mit herzlichem Applaus.

Noch viel mehr gab es für die österreichisch-rumänisch-deutsche Koproduktion "Blutsbrüder teilen alles", die beim "Goldenen Spatzen" als Welturaufführung zu sehen war. Der Film spielt 1944 im österreichischen Hallein. Der 13-jährige Ferry soll per Kinderlandverschickung vor den ständigen Bombenangriffen in Sicherheit gebracht werden. Sein bester Freund Alex schmuggelt sich mit ihm in den Zug nach Böhmen. In einem tschechischen Kurort avanciert Alex mit seiner glockenreinen Sopranstimme zum rasch besten Sänger des Knabenchors. Doch er gerät in Lebensgefahr – denn die Gestapo findet heraus, dass er jüdischer Abstammung ist.

Der Film - mit Stars wie Susanne Lothar, Udo Samel, Rolf Zacher - ist ein spektakuläres Stück Jugendkino: mit Brandanschlägen und Schießereien, mit Spionen und Nazi-Schergen. Und mit den ersten erotischen Erlebnissen zweier Jungs, die sich in dieselbe nicht mehr ganz jugendfrische Edel-Kurtisane verlieben.

Manche Dialoge passen nicht recht in die 40er-Jahre, mancher Handlungsstrang kommt zu kurz; trotzdem ist der Film von Wolfram Paulus durchweg spannend, dramatisch, stellenweise auch komisch. Die Kinder im Publikum hatten viele Fragen an den Regisseur und die Hauptdarsteller. Es sei ihm gar nicht so schwer gefallen, sich in einen Jungen aus den 40er-Jahren hineinzudenken, erzählt Johannes Nussbaum (14), der den Alex spielt: "Ich glaube, die Leute haben früher ganz ähnlich getickt. " Und was war die schönste Szene? Die mit dem Kuss? "Nee", sagt Lorenz Willkomm (16), im Film der Ferry: "Eine Frau zu küssen, die 20 oder 30 Jahre älter ist - das war echt hart."

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