Guten Morgen, Erfurt: Beim nächsten Mal kreativ

Michael Keller über Gedanken während eines provozierenden Klima-Staus.

Michael Keller

Michael Keller

Foto: TA

Letzter Freitag, Hauptverkehrszeit. 600 „Fridays for Future“-Anhänger haben einen tollen Plan.

Die Stadt lahmlegen, den Schmidtstedter Knoten blockieren. Ergebnis: Nichts ging mehr über eine Stunde. Stau, Stau, Stau. In jede Richtung. Fazit: Aufmerksamkeit bekommen, aber das Anliegen konterkariert. Wenn man für eine Strecke, für die man sonst elf Kilometer braucht, plötzlich 28 in Kauf nehmen, man Umwege fahren muss, weil Termine drücken, wenn hunderte oder gar tausende Autos Unmengen an Sprit verballern, die Luft verpesten, wenn Nerven strapaziert werden und einige zu gefährlichen Übersprungshandlungen neigen, was hat man da gewonnen? Dem Klima ist dieser Superstau nicht zu Gute gekommen.

Liebe Demonstrierende, um nicht falsch verstanden zu werden: Das Anliegen von „Fridays for Future“ ist berechtigt. Wenn sich aber der Protest gegen die Verschandelung des Planeten darin erschöpft, genau das zu provozieren, was man nicht haben möchte, dann verkehrt sich das ehrenwerte Ziel ins Gegenteil und ist kritikwürdig. Um es mit einem alten Spruch sinngemäß auf den Punkt zu bringen: Man kann nicht für Tierschutz plädieren und Schmetterlinge pressen. Sollte euch, liebe Demonstrierende, nichts Besseres einfallen? Ihr wollt die Leute mitnehmen und nicht gegen euch aufbringen. Dann überlegt das nächste Mal, ob es keine kreativere Lösung gibt. Eine, die Eindruck macht. Statt Dreck.