Guten Morgen, Erfurt: Und ich stand mitten drin!

Hartmut Schwarz über die Lücken im Infektionsschutz

Hartmut Schwarz

Hartmut Schwarz

Foto: H.Schwarz

Ganz mutig entschied ich mich für die Straßenbahn, um mein frisch besohltes Auto aus der Werkstatt zu holen. Mit Maskenpflicht und Abstandsregelung dürfte der öffentlichen Nahverkehr ja sicher sein. Ich habe es schnell bereut. In dem Moment, als die erste Bahn in die Haltestelle rollte. Denn bei der klemmte plötzlich eine Tür, sie ließ sich nicht mehr richtig schließen. Zum Glück nicht meine Linie, dachte ich. Aber das Glück hielt sich in Grenzen. Nach der Ansage, dass die Fahrgäste aussteigen müssen, stand ich plötzlich mittendrin. Die Türen öffneten sich, die Menschen quetschten sich auf die Haltestelle, rissen sich den Mundschutz vom Gesicht. Korrekt, was die Regeln betrifft, unverantwortlich für den Virusschutz. Wenig später quoll die Menge in „meine Bahn“. Mein Tinnitus nahm Fahrt auf, nachdem neben mir ein älterer Herr laute Hinweise gab „Schutzmaskääää!“, sobald er jemanden ohne erspähte. Unbeeindruckt dagegen der Kerl rechts neben mir. Fast eben so laut brabbelte er in einer mir nicht geläufigen Sprache ins Handy. In das Kreischen des Tinnitus mischte sich in meinem Kopf die Stimme von Jim Morrison „This is the end, beautiful friend ...“ Schweiß perlte von meiner Stirn. So funktioniert das nicht mit dem Infektionsschutz in Erfurt. Den nächsten Reifenwechsel muss ich anders organisieren!