Händler aus Erfurt zeigen wenig Offenheit bei Barrierefreiheit

Erfurt  Erfurt. Wie viele Erfurter und Touristen waren am Samstag auch Markus Walloschek und David Gothe in der Erfurter Marktstraße unterwegs. Dabei fielen sie nicht nur wegen ihrer Rollstühle auf.

Diese Mobile Alu-Rampe für Rollstuhlfahrer wurde vor einem Geschäft auf dem Erfurter Fischmarkt getestet. Foto: Iris Pelny

Diese Mobile Alu-Rampe für Rollstuhlfahrer wurde vor einem Geschäft auf dem Erfurter Fischmarkt getestet. Foto: Iris Pelny

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Wie viele Erfurter und Touristen waren am Samstag auch Markus Walloschek und David Gothe in der Erfurter Marktstraße unterwegs. Dabei fielen sie nicht nur wegen ihrer Rollstühle auf. Oft trennte sie genau eine oder zwei Stufen vom Einkauf. Dafür hatten sie eine leichte Alu-Rampe dabei.

Ein Test: Beim Wiener Feinbäcker an der Ecke zum Fischmarkt ging es los. Zwei Stufen hoch? Keiner kam helfen oder fragen. Abwehrend hieß es: zu viel Kundschaft, zu wenig Personal für ein Kurzgespräch oder Blick auf die Rampe.

Zwei Stufen entscheiden, wer dabei sein kann

„Diese stellt der Berliner Verein Sozialhelden sogar kostenlos zur Verfügung, hat dafür Spenden eingeworben“, sagt Markus Walloschek. Es ist seine zweite Stadtrunde in Sachen Rampe, unterstützt von der Piratenpartei, für die Markus Walloschek vor einem Jahr auch für den Stadtrat kandidierte. „Ich bekam über 1000 Stimmern im ersten Anlauf, aber für einen Sitz gereicht hat es trotzdem nicht.“ Für die Piraten engagiert sich Markus Walloschek derzeit als berufener Bürger im Sozialausschuss, ist für die Bunte Fraktion im Behindertenbeirat stimmberechtigt, bringt sich in der AG barrierefreies Erfurt ein.

Barrierefrei? Bei der ersten Rampen-Tour ging es über den Anger, durch die Meienbergstraße und über die Krämerbrücke. „Der Anger hat auch viele alte Häuser wie die Marktstraße“, sagt Markus Walloschek – trotzdem sind dort fast alle öffentlichen Zugänge inzwischen schon barrierefrei, zumindest für seinen großen Elektrorollstuhl, der eine kleine Stufe mit Schwung überrollt. Bei dieser ersten Runde gab es „viel Aufgeschlossenheit, aber von den zehn Kontakten hat kein einziger eine Rampe bestellt“, hat Markus Walloschek in Berlin nachgefragt.

Zum Abschluss der Woche rund um den europaweiten Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung folgte am 9. Mai eine zweite Stadttour zur Barrierefreiheit. Denn die Aktion Mensch hatte diesmal das Thema Begegnung gewählt. Wie soll man sich aber in Cafés und Restaurant begegnen, wenn Rollstuhlfahrer draußen bleiben müssen? Und was kann man machen bei alten Häusern ohne Behindertengerechten Zugang? Die mobile Rampe ist eine Antwort. Piraten-Stadtrat Peter Städter klappt sie auf, Markus und Davide rollen darüber, suchen das Gespräch mit den jeweiligen Geschäftsinhabern oder Mitarbeitern. Im Fruchtgummi-Paradies am Fischmarkt klappt das problemlos und eine Familie mit Kinderwagen ist mit begeistert. „Das würde auch uns helfen.“

Gehwege mitunter schmal und lebhaft genutzt

Bei Cosmetik-Live ist vor dem Muttertag auch gut Betrieb, trotzdem dürfen die Männer die Rampe kurz vorstellen – und wie man sie bestellt.

Überrascht stellt der Testtrupp fest: Buch-Stapp, Zucker & Zimt, auch die Kunsthandlung und der asiatische Uhren- und Schmuckladen sind für sie ohne Rampe erreichbar. Allerdings ist der Gehwegbereich davor extrem schmal und wird von Radfahrern, Fußgängern und der Stadtbahn lebhaft genutzt, da ist für die Rolli-Fahrer kein Platz zum ruhigen Rangieren bis vor die Eingänge.

Positive Überraschung im „Güldenen Rade“: Das historische Gasthaus ist gut zugänglich. Im Eingangstor steht an der Seite bereits eine hauseigene Rampe, „zumeist für Lieferanten“, räumt die Bedienung ein. Mit einem Hinweisschild wäre sie auch für Rollifahrer nutzbar. „Und es gibt hier eine Behindertentoilette mit Zufahrt über den Biergarten“, weiß Markus.

Er macht noch weitere Touren am Samstag. In der Runde über die Krämerbrücke diesmal mit erstem Erfolg: Der Thüringer Spezialitätenladen bestellte online eine Rampe bei den „Sozialhelden“. „Auch hoffen wir, dass das Café Rommel in der Johannesstraße nachzieht“, sagt der unermüdliche Pirat und sammelte außerdem online Unterschiften für ein Teilhabegesetz auf Bundesebene.

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