Hitze-Diskussion bei Minusgraden

Krämpfervorstadt  Senioren tauschten Meinungen zu FH-Forschungsprojekt über Extremsommer aus

Kontrastprogramm vor dem Bürgerhaus: Die terrakottafarbenen Liegestühle setzten am Freitag einen Farbtupfer in den Schnee. Mona Lengeling und Robert Muhs (vorn) sowie Guido Spohr, Lena Großmann, Marie-Luise Baldin und Marie-Luise Will (v. l.) gönnten sich diesen Gag

Kontrastprogramm vor dem Bürgerhaus: Die terrakottafarbenen Liegestühle setzten am Freitag einen Farbtupfer in den Schnee. Mona Lengeling und Robert Muhs (vorn) sowie Guido Spohr, Lena Großmann, Marie-Luise Baldin und Marie-Luise Will (v. l.) gönnten sich diesen Gag

Foto: Heidrun Lehmann

Eine Tüte Puffbohnen – bestens geeignet als Schattenspender auf Balkon oder Terrasse – einen „Hitze-Knigge“ und weiteres Informationsmaterial fanden die Seniorinnen und Senioren am Freitag auf ihren Plätzen vor, nachdem sie sich ihren Weg zum Bürgerhaus durch eine leichte Schneedecke gebahnt hatten. Einige der Gäste waren bereits zwei Tage zuvor an gleicher Stelle der Einladung von Dozenten und Studenten des Instituts für Stadtforschung, Planung und Kommunikation der Fachhochschule Erfurt (FH) zum ersten Dialog unter dem Thema „Hitzeanpassung auf Leipziger- und Hanseplatz“ gefolgt.

Die Ergebnisse der Studie HeatResilientCity aus dem Extremsommer 2018 einschließlich einer Bewohner-Umfrage (gut 200 Anwohner aus der Oststadt nahmen teil), die in den zurückliegenden Monaten wissenschaftlich aufbereitet worden waren, sollten präsentiert und zur Diskussion gestellt werden. Laut Marie-Luise Baldin ging es am Freitag insbesondere um „Seniorinnen und Senioren – Aktiv trotz Hitzebelastung“, da die betagteren Herrschaften meist noch mehr unter extremen Temperaturen als Jüngere litten. Zudem leitet das Forschungsprojekt Empfehlungen an die Kommunen zu möglichen Hitze dämpfenden Maßnahmen ab, so die Dozentin. Sieben Kooperationspartner, darunter das Leibnitz-Institut für ökologische Raumentwicklung sowie die Stadt und die Technische Universität Dresden wirken am Projekt „Hitzeangepasste Stadt“ mit.

Eine frühere Landschaftsarchitektin brachte ihre Erfahrungen in die Diskussion ein. So beobachte sie, wie noch immer städtische Frischluftschneisen durch Bausünden verloren gingen. Christina Fette, Quartiersmanagerin am Ringelberg, die nach ihren Worten einen fiktiven Rucksack voller Ideen von Senioren mitgebracht habe, will sich in einem besonderen Vorhaben für genügend schattige „Generationenplätze“ einsetzen, um der Vereinsamung entgegen zu wirken. Denn extreme Hitze trage dazu bei, dass sich Alleinstehende noch weiter vom gesellschaftlichen Leben zurückzögen als sonst.

Die Stadtverwaltung Erfurt als hiesiger Partner des bis September 2020 reichenden Forschungsprojekts, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, vertritt Guido Spohr aus dem Umwelt- und Naturschutzamt.

Wie der Diplomingenieur informierte, wurde im Sommer 2018 eine Website auf www.erfurt.de eingestellt, auf der Nutzer unter dem Schlagwort „Hitze“ Tipps zum Schutz vor extremer Wärme und Strahlung am Arbeitsplatz und in der Freizeit erhielten. Ab April, spätestens Mai sei diese Internetseite wiederum abrufbar.

Der städtische Koordinator für das Forschungsprojekt Heat-ResilientCity nannte aus der Diskussion am Mittwoch die Forderung der Bewohner nach mehr Grün, vor allem am Hanse- und am Leipziger Platz, Schatten spendende Bäume an Bänken, Nachdenken über Beschattungsmöglichkeiten an Ampeln, die zu langer Wartezeit zwingen oder das Einrichten weiterer Trinkbrunnen, die bisher nur in der Altstadt zu finden seien.