Hunderte Demonstranten protestieren mit Trommeln und Pfeifen in Erfurt

Kathleen Kröger
| Lesedauer: 4 Minuten
Mit Trommeln und Fahnen zogen die Protestanten durch die Schlösserstraße Richtung Domplatz.

Mit Trommeln und Fahnen zogen die Protestanten durch die Schlösserstraße Richtung Domplatz.

Foto: Kathleen Kröger

Erfurt.  Die Demonstration in Erfurt wich am Montagabend durch das Oktoberfest von seiner bisherigen Route ab. Einige der Protestanten beschimpfen Bodo Ramelow als „Volksverräter“.

Auch am ersten Oktoberfest-Montag versammelten sich zwischen 500 und 750 Erfurtern zu einer Demonstration durch die Innenstadt. Der Start verzögerte sich durch einen Verkehrsunfall auf dem Fischmarkt, sodass der Tross erst gegen 19.30 Uhr am Anger starten konnte.

Keine Chance für Redebeiträge durch lautes Oktoberfest

Von Trommeln und Pfeifen begleitet, wurden Fahnen und Banner geschwenkt, darunter die des Freistaats Thüringen, aber auch die Russische. Die Route erfuhr durch das Oktoberfest auf dem Domplatz eine Änderung. Nachdem es zunächst auf dem Fischmarkt eine nicht abgesprochene Kundgebung gab, hatte man sich dazu entschieden, am Domplatz auf den üblichen Halt mit Redebeiträgen zu verzichten, da man durch die Lautstärke des Volksfestes ohnehin keine Aufmerksamkeit bekäme.

Erfurter fühlen sich von Protestierenden gestört

Einige Passanten sprachen die absichernden Polizeibeamten an, worum es bei der Demonstration ginge, da sich dies nicht so leicht anhand der anfangs eingeworfenen und akustisch nur schwer zu verstehenden Schlagworte und Wendungen „Friedensvertrag mit den Alliierten“, „Besatzungsrecht“, „Ami go home“, aber auch „Friedensbewegung“ und „Inflation“ nicht recht einordnen lasse.

„Es ist eine Demonstration gegen alles“, meinten dann zwei junge Frauen, die dem Treiben in der Marktstraße zuschauten. Wieder andere monierten in Lederhose und Karo-Hemd „Können die das nicht woanders machen? Jetzt komme ich nicht zum Festzelt“. Was sie ärgerte: Die Straßenbahn fuhr bis 20 Uhr nicht bis zum Domplatz und auf den Gehwegen war durch die bis zu 750 Protestierenden (Zahl von der Polizei geschätzt) teilweise kein Durchkommen.

Beschimpfungen in beide Richtungen

Kurz vor dem Festplatz wurden die Pfiffe und Trommelschläge etwas lauter, was vor allem die Gäste an den Tischen der Restaurants sichtbar störte. „Wir wollten doch nur essen gehen“, meinte eine Dame am Tisch eines Italieners, während eine andere im Vorbeigehen „Mein erster Tag in Erfurt und dann gleich sowas!“, mehr zu sich selbst als zur Menschenmenge sagte.

Nach einer etwas leiseren Tour über den Herrmannsplatz wurden die Rufe und Rhythmusschläge in der Neuwerkstraße schließlich wieder lauter. Am zuvor als Rede-Ort angekündigten Hirschgarten rief der mittlerweile in ihrer Zahl leicht verminderten Gruppe von einem Balkon der Ausruf „Kriegstreiber!“ entgegen. Vor der Staatskanzlei wiederum schallte ein „Bodo ans Fenster!“ und „Du Volksverräter!“ seitens der Protestierenden in Richtung des Regierungsgebäudes, in dem in keinem der Fenster mehr ein Licht zu sehen war.

Demonstranten wollten sich nicht provozieren lassen

Statt der üblicherweise vorgetragenen zehn Forderungen, die neben der Abschaffung der Impfpflicht auch die Absetzung der Thüringer Regierung nennt, fiel die Ansprache diesmal verhältnismäßig kurz aus. Willy Brandt wurde zitiert. Einer der Banner-Träger hatte zusätzlich einen Satz Otto von Bismarcks auf seinem Pullover.

Im Vergleich zu den Vorwochen waren augenscheinlich auch mehr jüngere Menschen unter 30 Jahren im Zug mit dabei. „Immer mehr schließen sich an! Wir werden immer mehr!“ rief letztendlich der Hauptredner, bevor sich die mittlerweile um die 400 verbliebenen Protestierenden auf den Weg zum Anger machten, um dort den Abend mit Halleluja-Chören und dem gemeinsamen Singen der deutschen Nationalhymne abzuschließen.

Die Polizei meldete am Montagabend, dass es zu keinen relevanten Zwischenfällen gekommen war.