Teure Knöllchen beim Erfurter Basketball: Privater Parkplatzbetreiber sperrt sich gegen Gespräche

Erfurt  „Ich habe keinen Bock zu reden, ich ziehe mein Ding durch“, sagt der private Parkplatzbetreiber an der Riethsporthalle.

Dieser Privatparkplatz vor der Riethsporthalle sorgte zuletzt bei den Basketball-Besuchern für viel Verdruss. Sie bekamen am Sonntag ein Knöllchen.

Dieser Privatparkplatz vor der Riethsporthalle sorgte zuletzt bei den Basketball-Besuchern für viel Verdruss. Sie bekamen am Sonntag ein Knöllchen.

Foto: Marco Schmidt

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Inzwischen dürfte bei den meisten Basketball-Fans der erste Ärger verraucht und das letzte Knöllchen über 24,90 Euro bezahlt sein. Aus der Welt ist der Ärger mit dem privaten Parkplatzbetreiber neben der Riethsporthalle aber noch lange nicht. Das Thema beschäftigt inzwischen auch die Stadtverwaltung, die nach Auswegen sucht.

Zur Erinnerung: Am 11. August, einem Sonntag, absolvierten die Basketball Löwen Erfurt um 16 Uhr ihr erstes Testspiel für die neuen Saison gegen die Mannschaft von Science City Jena. Das wurde zur Freude der Fans gewonnen. Die Freude währte nicht lange. Als diejenigen, die ihr Auto vor der Rewe-Kaufhalle geparkt hatten, gegen 18.30 Uhr zu ihrem Fahrzeug kamen, fanden sie ein Knöllchen über eben jene 24,90 Euro am Scheibenwischer. Von einer Werner Baubetreuungsgesellschaft in Leinefelde (wir berichteten). „Was soll das, hier ist am Sonntag keinerlei Publikumsverkehr, wen stört das“, so der allgemeine Frust-Tenor.

Eine Nachfrage bei Rewe, Rossmann und Ernstings Family brachte keine Aufklärung. Man erklärte, dafür nicht zuständig zu sein. Das sei wohl Sache des Vermieters, eben jener Leinfelder Firma. Der habe man zwar beteuert, am Sonntag nichts gegen Parker zu haben. Aber das sei wohl nicht erhört worden.

„Ich muss mich dazu nicht äußern“, poltert der Geschäftsführer der Baubetreuungs GmbH, Hubert Werner, ins Telefon. Er müsse immer den Dreck wegräumen, argumentiert er dann. Werner betreibt nach eigenem Bekunden seit zehn Jahren die drei Märkte nebst Parkplatz. Als er das alles gebaut habe, habe er auch die Stadt gefragt, wohin die Besucher der Riethhalle mit ihren Autos sollen. Habe aber wohl keinen interessiert. Nun greife er durch. Er habe einen Mitarbeiter engagiert, der am Sonntag all jenen, die keine Parkscheibe ins Auto legten, ein Knöllchen verpasst. Um sicher zu gehen, dass nicht länger als 1,5 Stunden geparkt werde, so Werner. Das sei auch den Basketballern vor ihrem Spiel durch einen Herrn Panzer so mitgeteilt worden. Auf alle Vorschläge, die Situation zu entspannen, reagiert er schroff. „Ich habe keinen Bock drauf, zu reden, ich will auch nicht darüber nachdenken, ich ziehe mein Ding durch“, sagt er. Und legt auf.

24,90 Euro für zwei Stunden Sportgenuss

Selbst die Alternative, Parkgebühren an solchen Spieltagen zu kassieren, hat Werner zuvor kommentarlos abgelehnt. Der streitbare Unternehmer, der sich gern mit der Kommune anlegt, wenn es um seine Interessen geht, wie z.B. bei einem Projekt in Jena, braucht sich nun eigentlich nur noch die Heimspielpläne der Basketball Löwen, der SWE-Volleyballdamen und nun auch noch der THC-Damen zurechtzulegen, um zu kassieren.

„Die blanke Abzocke“ sagt Wolfgang Heyder, Manager bei den Basketball Löwen. In seinem Verein gebe es keinen Herrn Panzer, man sei keinesfalls vorgewarnt worden, bestreitet er Werners Aussage. Heyder versteht nicht, was das soll. Es sei doch bereits eine ganze Saison gut gelaufen. Am Sonntag, wenn man in der Regel seine Heimspiele habe, störe es doch niemanden. Weil da alle Geschäfte geschlossen seien und man keine Käufer bei der Parkplatzsuche behindere. Das sei ihm auf Nachfrage, z.B. im Rewe-Supermarkt, so bestätigt worden.

Wenn man nun anders verfahren wolle, hätte es eine Vorwarnung für den Anfang getan, so Heyder. Sich komplett gegen eine Lösung zu verwehren sei ein Unding. Da müsse eine Lösung her. Und wenn es die sei, die Werner in dem Telefonat noch ins Spiel gebracht hatte: Die Stadt solle den Schulhof des Albert-Schweitzer-Gymnasiums bei Heimspielen einfach zum Parkplatz umfunktionieren.

„Ich mache mir Sorgen, nicht nur für unsere Mannschaft, auch um die anderen, die in der Riethsporthalle spielen“, sagt Michael Panse, Vereinspräsident der SWE-Volleyballerinnen. Da müsse sich die Stadt wirklich Gedanken machen. Auch, um zu verhindern, dass gefrustete Sporteventbesucher bei den Heimspielen mit ihren Autos in die Umgegend ausweichen.

Die Stadt hat sich Gedanken gemacht, In dieser Woche habe er mit seinen Beigeordneten-Kollegen Alexander Hilge und Steffen Linnert beraten, welche Lösungsmöglichkeiten es für das Parkplatzproblem gebe, versichert Andreas Horn. Geprüft werden sollen die Flächenverhältnisse, freie Kapazitäten im Umfeld, z.B. im Parkhaus der Vilnius-Passage. Oder eben der Schulhof des Gymnasiums. Da müsse aber die Zufahrt unter die Lupe genommen werden. Zivilrechtlich habe man gegen Herrn Werner leider keine Handhabe.

Besuchern der Spiele in der Riethsporthalle ist daher am ehesten zu empfehlen, sonntags zu den Spielen das Fahrrad zu nehmen. Oder zu zahlen. 24,90 Euro für zwei Stunden Sportgenuss. Besser: Sportverdruss.

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