Wirt der Kaiserlinde in Zimmernsupra: „Ich zieh’ das jetzt durch!“

Zimmernsupra.  Mit Pizza und Pasta hat sich Michael Hess eine Nische geschaffen. Seit sieben Jahren bewirtschaftet er in Zimmernsupra die „Kaiserlinde“.

Nachdem seine Geschäftspartner ausgestiegen sind, führt Michael Hess in Zimmernsupra das Gasthaus „Zur Kaiserlinde“ seit Oktober 2013 in Personalunion.

Nachdem seine Geschäftspartner ausgestiegen sind, führt Michael Hess in Zimmernsupra das Gasthaus „Zur Kaiserlinde“ seit Oktober 2013 in Personalunion.

Foto: Hartmut Schwarz

Kneiper auf dem Land zu werden, gehörte ursprünglich nicht zu den Berufswünschen von Michael Hess. Als Gastwirt der „Kaiserlinde“ von Zimmernsupra hat er sich in den vergangenen sieben Jahren die Gastlichkeit aber zu eigen gemacht – trotz vieler Stolpersteine, die er in diesen Jahren überwinden musste, trotz Corona und zwangsläufiger Schließung der Gaststätte, bleibt er dabei und vertraut auf sein eigenes Konzept und Standvermögen.

Für drei Wirte war das Einzugsgebiet zu klein

Der gebürtige Erfurter hat ursprünglich Groß- und Außenhandelskaufmann gelernt und danach bis 2004 Tischlerbedarf für das Handwerk gemanagt. Nach einem Jahr Arbeitslosigkeit und unzähligen ins Leere laufenden Bewerbungen, fasste er den Entschluss, als Promoter in die Selbstständigkeit zu wechseln, auf eigenen Füßen zu stehen. Auch, weil ihm bei seinem alten Beruf, der Umgang mit Menschen gefehlt hat.

Wieder sah er sich nach einigen Jahren gezwungen, nach einem neuen Broterwerb Ausschau zu halten, als sich abzeichnete, dass die Promotion zusehends ins Internet wechselte. Vor allem bei seinem größten Kunden, einer großen Handelskette für Unterhaltungselektronik. Gemeinsam mit zwei Kollegen wechselte er in eine vollkommen andere Richtung – die sich 2012 anbot, als für das „Gasthaus zur Kaiserlinde“ in Zimmernsupra ein Betreiber gesucht wurde.

Das Konzept für die Gastronomie war schnell gefunden. Einer der drei Gründer war Pizzabäcker, weshalb sich dazu entschlossen wurde, eine „Osteria“ zu eröffnen. Auch wegen des Alleinstellungswertes, erklärt Michael Hess, um nicht das gleiche Angebot auf der Karte zu haben, wie die umliegenden Landgasthöfe.

Hurra-Rufe hätte es im Ort deswegen zwar nicht gegeben, aber für „gutbürgerliche Küche“ hätte einfach die Kundschaft gefehlt. Dies zeigte sich wenig später – für drei Wirte war das Einzugsgebiet zu klein. Es wurde sich neu orientiert.

Zwei der drei Betreiber zogen sich aus der „Osteria“ zurück – Michael Hess blieb. Zuviel Herzblut wurde nach seiner Ansicht bereits investiert. „Ich zieh’ das jetzt durch!“, entschloss er für sich – und führte den Betrieb im Alleingang weiter. Seit dem 1. Oktober 2013 und bis heute.

Zahlreiche Landgasthöfe in der Nachbarschaft haben inzwischen die Segel gestrichen. Pizza und Pasta wird immer noch bestellt. Hauptsächlich wird sie abgeholt, während der Öffnungszeit der Gaststätte. Die ist den Zimmernsupraern somit erhalten geblieben. Auch Dank der günstigen Pacht-Konditionen der Gemeinde. Für die hält er das Gasthaus auch bei besonderen Feierlichkeiten offen, wie zum Weihnachtsmarkt (der in diesem Jahr erstmals ausfällt) – auch wenn der Glühwein-Umsatz an diesem Tag ausschließlich an die Feuerwehr geht.

Bis Pachtvertrag ausläuft, will er als „Kaiserlinden“-Wirt weitermachen

Obwohl sich mit dem Umsatz keine großen Sprünge machen ließen, er reicht für den Lebensunterhalt des Betreibers und für die Betriebskosten. Während der Corona-Krise hat Michael Hess darauf verzichtet, um Unterstützung zu bitten. Das „Italienische Prinzip“, Pizza außer Haus, habe die Verluste in Grenzen gehalten. Und wo es kein Personal gibt, muss auch keins in Kurzarbeit geschickt werden.

Die zweite Welle werde er auch überstehen, ist er sich sicher. Solange es die Corona-Auflagen zulassen kann zu den gewohnten Zeiten Pizza und Pasta auch weiterhin bestellt und abgeholt werden. Zumindest in der Küche werde weiter das Licht brennen. Bis der Pachtvertrag 2023 ausläuft, möchte er als Kaiserlinden-Wirt weitermachen. Und danach? Pläne habe er noch keine, es komme auf das Angebot der Gemeinde, auf die Pläne des kommenden Gemeinderates, an.