„In Sömmerda macht‘s immer Spaß“

Interview der Woche Die Spielertrainer Andreas Trommer (Motor Gispersleben) und Johannes Pölzing (HSV Sömmerda) sprachen vor dem Derby in der Handball-Landesliga über Vorzeichen, Saisonziele und die Schwierigkeit ihrer Doppelfunktion

Die Favoriten ärgern: Gisperslebens Spielertrainer Andreas Trommer hat eine eingespielte Mannschaft um sich versammelt, die überraschen will.

Die Favoriten ärgern: Gisperslebens Spielertrainer Andreas Trommer hat eine eingespielte Mannschaft um sich versammelt, die überraschen will.

Foto: Norbert Hielscher

Der Saisonstart in die neue, eingleisige Handball-Landesliga hätte unterschiedlicher nicht sein können. Gispersleben gewann 32:20 gegen Merkers, Sömmerda verlor 17:33 in Schnellmannshausen. Wie sehen Sie die Vorzeichen für das Derby am Samstag?

Ehrlich gesagt kann ich es schwer einschätzen. Wir wissen nicht, wie Sömmerda aktuell spielt. Unser Start war gut, und sie hatten in Schnellmannshausen eine wirklich undankbare Aufgabe für den Start.

Die Vorzeichen vor dem ersten Spiel waren schlecht. Sieben Spieler haben gefehlt, und dann muss man auswärts beim amtierenden Staffelsieger bestehen. Dennoch hätten wir uns mehr gegen die Niederlage stemmen müssen. Auch Gispersleben ist uns sicher einen Schritt voraus und am Samstag der Favorit, aber wir haben diesmal bessere Chancen.

Sömmerda war in den letzten Jahren eine Heimmacht und auswärts eher schwach. Welche Rolle spielt es, dass das Derby in der Sömmerdaer Einsteinhalle steigt?

Keine. Wir fahren gern nach Sömmerda. Man darf mit Harz spielen und es kommen immer einige Zuschauer – dort macht‘s immer Spaß. Wir fahren mit einem positiven Gefühl hin und wollen gewinnen.

Wir haben zwei Gesichter. Daheim reißen wir alles nieder, haben in der vergangenen Saison alle Punktspiele gewonnen und hatten selbst Oberligist Jena im Pokal ordentlich Probleme bereitet. Auswärts hat es leider nicht so geklappt. Aber in unserem engen „Wohnzimmer“ mit den euphorischen Fans im Nacken könnte es ein Tanz auf Augenhöhe werden.

Können Sie personell aus dem Vollen schöpfen?

Nicht ganz. Wegen Urlaub und Arbeit fehlen uns im Rückraum zwei, drei Leute. Aber wir können das kompensieren.

Unser bester Rückraumschütze Felix Lenke ist leider noch gesperrt. Das trifft uns natürlich. Aber in der Breite werden wir besser besetzt sein als beim Auftaktspiel.

Was hat sich generell im Sommer am Kader geändert?

Wir konnten mit Benedikt Kreisel einen starken Mann für die Mittelposition hinzugewinnen. Er hatte als Spielmacher großen Anteil daran, dass sein alter Verein SG Handball Ilmenau in der letzten Saison unsere Landesligastaffel gewonnen hat. Zudem kommt mit Christoph Frost ein starker Linksaußen zurück, der in der Vorsaison verletzt gefehlt hat. Verlassen hat uns niemand.

Aus unserer zweiten Mannschaft sind Timm Witzenhause und Marco Mucha aufgerückt. Beide verstärken uns, sind aber als Koch beziehungsweise Polizist nicht immer verfügbar.

Wie lautet Ihr Saisonziel?

Wir wollen nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Ich denke aber, dass auch nach oben einiges möglich ist. In der diesmal sehr langen Saison könnte unser breiter Kader mit gutem Rückraum, doppelt besetzten Außen und drei Kreisläufern gerade in der Rückrunde ein wichtiger Faktor werden. Die Trainingsbeteiligung ist gut, unsere Spielanlage hat sich verbessert. Wir müssen uns aber vor allem auswärts steigern, um uns gut in der Liga zu etablieren.

Unsere Heimstärke muss uns zum Klassenerhalt führen. Für die meisten Spieler unserer jungen Mannschaft ist es die allererste Saison in der Landesliga. Der Sprung von der Verbandsliga wäre ohnehin groß gewesen. Durch die Eingleisigkeit ist das Niveau der Gegner noch einmal deutlich besser. Der Buschfunk sagt, dass es vier oder fünf Absteiger geben wird (laut Durchführungsbestimmungen sind es fünf, Anm. d. Red.). Es wird schwierig für uns, so viele Gegner hinter uns zu lassen, aber nicht unmöglich.

Was trauen Sie dem nächsten Gegner und dem anderen Rivalen aus der Region, dem Thüringer HC Erfurt-Bad Langensalza, zu?

Sömmerda ist eine Wundertüte. Sie hatten jetzt als Aufsteiger einen schweren Einstieg, spielen aber generell eigentlich einen ganz guten Ball. Der THC wird ganz vorn dabei sein. Er hat die andere Staffel mehrfach gewonnen und eine Truppe, die schon ewig zusammen und entsprechend eingespielt ist. Wir haben dort im Testspiel letztes Jahr eine Klatsche kassiert, aber wir sind besser geworden und können sie, denke ich, gerade zuhause ärgern.

Gispersleben traue ich – vor allem, wenn Andy Trommer und „Atze“ Ahrens fit bleiben – einen guten Mittelfeldplatz zu. Beim THC fällt mir eine Prognose schwer, da ich die Mannschaft nicht kenne. Prinzipiell sind aber beides keine echten Derbys für uns. Mit Gispersleben ging es in der Vergangenheit meistens fast freundschaftlich zu. Das war gegen Artern ganz anders, das waren immer richtig hitzige Schlachten.

Wie beurteilen Sie die Stärke der neuen, eingleisigen Landesliga?

Da unter anderem die ersten fünf der beiden Staffeln der Vorsaison vertreten sind, wird es generell ein besseres Niveau sein. Ich denke, es wird viele enge Spiele mit wenigen Ausreißern nach unten und vielen Heimsiegen geben. Von zwei sicheren Punkten wird man gegen niemanden ausgehen können.

Die zweigleisige Landesliga wäre für uns besser gewesen, um hineinzukommen. Allein wegen der Anzahl der Spiele: In der Verbandsliga hatten wir zwölf Spiele, in der eingleisigen Landesliga auf einen Schlag 26. Für unseren Kader, der nicht riesig ist, könnte das gegen diese starke Konkurrenz schon eine echte Belastungsprobe werden. Dennoch wollten wir den Aufstieg wahrnehmen und uns dieser Herausforderung stellen.

Ist es schwierig, als Spielertrainer ein guter Trainer zu sein?

Beim Spiel sollte man es auf mehreren Schultern verteilen. Ohne meinen zweiten Spielertrainer Marc Schalles würde ich es nicht machen. Einer von uns muss immer draußen sitzen und den objektiven Blick wahren, das ist wichtig. Beim Training ist es als Spielertrainer einfacher, man gibt selbst die Intensität vor.

Ich glaube, dass ich ein relativ guter Trainer bin. Die Mannschaft hat sich gut entwickelt und nimmt meinen Spielstil an, hat in meinem zweiten Jahr als Trainer den Aufstieg geschafft. Der Spagat als Spielertrainer ist allerdings schwierig. Deshalb fokussiere ich mich seit der letzten Saison auf den Trainerjob und stehe nur noch auf der Platte, wenn Not am Mann ist, wie in Schnellmannshausen. Die Umgewöhnung war für die Mannschaft nicht einfach, denn während ich als Spieler einer zum Pferdestehlen war, fordere ich als Trainer sehr viel von den Jungs, so ein bisschen wie Felix Magath. Das liegt wohl daran, dass ich Fitnesstrainer bin.

HSV Sömmerda 05 – TSV Motor Gispersleben, Samstag, 17 Uhr, Sporthalle Einsteinschule.

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