Ingerslebener wollen Schänke wieder zum Dorfzentrum machen

Ingersleben.  Neuer Förderverein will historischen Saalanbau retten und hofft auf Entgegenkommen der bayrischen Regierung.

Sie Arbeiten an einem Konzept für das Ingerslebener Dorfzentrum: Der Vorstand des neu gegründeten Fördervereins David John, Christiane Niedling und Michael Göring (von links).

Sie Arbeiten an einem Konzept für das Ingerslebener Dorfzentrum: Der Vorstand des neu gegründeten Fördervereins David John, Christiane Niedling und Michael Göring (von links).

Foto: Hartmut Schwarz

„Den Abriss zu verhindern war unser wichtigstes Ziel“, fasst Pfarrer Michael Göring die Gründe zusammen, warum sich in Ingersleben ein neuer Verein gegründet hat, der Förderverein Dorfzentrum Ingersleben. Wobei mit „Dorfzentrum“ für den Saal der Schänke in die Zukunft geschaut wurde. Der einstige Mittelpunkt des Dorfes (der seit ewigen Zeiten mit „ä“ geschrieben wird) soll wieder mit Leben gefüllt werden. Am 22. November vergangenen Jahres machten 20 Ingerslebener dieses Vorhaben mit der Vereinsgründung amtlich. Inzwischen steht der Verein im Vereinsregister, gibt es eine Kontoverbindung. Und er ist auf 33 Mitglieder angewachsen.

Der Entschluss, in einem Verein für den Erhalt des Saal-Anbaus zu kämpfen, sei nicht nur aus einer Bierlaune heraus geschehen, vor allem wegen der Ungewissheit, wie die neuen Eigentümer mit der denkmalgeschützten Immobilie umgehen werden. Denn die Eigentums-Entwicklung ist kompliziert.

Die Geschichte der Schänke reicht bis ins 16. Jahrhundert

Die Schänke selbst gehört seit einer Ewigkeit zum Ort. Bis ins 16. Jahrhundert lassen sich ihre Spuren zurück verfolgen. Bevor sie 1911 ihren Saal-Anbau erhielt, war dieser im Obergeschoss der heutigen Gaststätte untergebracht. Damals wurde er dem Bedarf nicht mehr gerecht. Durch den Anbau wurde der Gemeinde ein Veranstaltungsraum beschert, der in der Region einzigartig war. Mit Bühne und oberen umlaufenden Rängen entwickelte er sich schnell zu einem beliebten Ort für Veranstaltungen, in die es auch die Bewohner der umliegenden Orte zog. 1981 hat der damalige Eigentümer die „Schänke“ an die Gemeinde verkauft, sie aber als Konsum-Gaststätte als Familienbetrieb weiter bewirtschaftet.

Und dieser Eigentumswechsel sorgte nach der Wende für eine Entwicklung, die im Ort keiner gewollt hat. Trotz Protest der Gemeinde wurde sie von der Bundesvermögensverwaltung versteigert. Den Zuschlag erhielt ein Interessent aus Bayern, der sich danach sehr unbeliebt machte. Er forderte, dass die Gemeinde ausstehende Miete nachzahlt – 200.000 D-Mark. Nur mit Mühen wurde erreicht, dass diese Forderung halbiert wurde. Investitionen des Eigentümers gab es dagegen kaum. Der Saal konnte immer weniger genutzt werden. Bereits 1998 erschwerten die defekten Dielen die Nutzung. Später wurden die Ränge gesperrt, danach der komplette Saal. Der mangelhafte Brandschutz zeigte sich als das größte Problem.

2015 ist der Eigentümer verstorben, die Erben schlugen das Erbe aus, womit die Immobilie im vergangenen Jahr in den Besitz des Freistaates Bayern überging. Als frisch gegründeter Verein habe man deshalb zuerst mit der bayerischen Landesfinanzdirektion Kontakt aufgenommen – und war positiv überrascht. Denn dort wurde begrüßt, dass sich ein Verein für die Schänke gegründet hatte.

Gewölbekeller wurde als unbedingt erhaltenswert betrachtet

Dem Verein wurde eine „Betretungserlaubnis“ erteilt, damit er ein grobes Gutachten der Schäden erstellen lassen kann. Vor Jahren habe es schon einmal eine Begehung durch Fachleute gegeben, die bestätigten, dass sich der Saal mit „vertretbarem Aufwand“ sanieren lasse. Besonders der Gewölbekeller wurde damals bestaunt – und als unbedingt erhaltenswert betrachtet.

Offen sei jetzt, wie die Eigentumsverhältnisse erneut geändert werden können – zugunsten des Vereins. Man befürchtet, das in Bayern auf eine Entscheidung gedrängt wird. Denn mit jedem Monat erhöhen sich für die Bayern die Kosten. Jetzt schon schuldet die Bayerische Landesfinanzdirektion der Gemeinde etwa 7000 Euro. Aufgelaufene Grundsteuern und Vorleistungen für Notsicherungen.

Die Landgemeinde könnte jetzt auf eine Versteigerung drängen, damit die Rechnung beglichen werden kann. Der Verein müsste dann als Bieter auftreten.

Für Michael Göring ist es ein kompliziertes und in seinen Augen unnötiges Prozedere. Er wünscht sich den einfachen Weg. So, wie es nach der Wende oft gehandhabt wurde, sollte der Besitz durch einen symbolischen Betrag gewechselt werden – inklusive Schuldenerlass.

Auf diese Lösung arbeitet der Verein jetzt hin. „Wir wollen zeigen, dass wir es mit der Sache ernst meinen“, unterstreicht Vereins-Vorstand David John. Deshalb wird aktuell an einem Konzept gearbeitet mit dem es auf die Suche nach Unterstützung und Sponsoren gehen soll, mit dem die Entscheidung in Bayern vielleicht beeinflusst werden kann.

Geplant ist, den Saal zu einem Dorfzentrum zu machen, das der gesamten Landgemeinde offen stehen soll, verriet Vereinsvorsitzende Christiane Niedling. Für Veranstaltungen der Vereine und der Gemeinden, für kulturelle Höhepunkte und zuerst für die Weihnachtsfeier der Senioren. Wunsch sei es, bis zum Advent den Saal eingeschränkt nutzbar zu machen. Dass es insgesamt eine langwierige Sache werden wird, darüber ist man sich bewusst. Aber nur so könne es funktionieren – das gegenüberliegende Rittergut sei das beste Beispiel dafür. Einen ersten Sponsor habe man mit der Erfurter Messe bereits gefunden. Die Bestuhlung des Saales ist bereits gesichert – mit 200 ausgemusterten Stühlen aus dem Kongresszentrum.

Überhaupt sieht der Verein das Dorfzentrum, den Schenksplatz (heute Ernst-Haeckel-Platz) mit Schänke, Rittergut und Pfarrhaus als schützenswertes Ensemble, das irgendwann mit dem einst dazu gehörenden Brunnen komplettiert werden soll. Die originalen Teile dafür liegen eingelagert parat. In kleinen Schritten, soll es diesem Ziel entgegen gehen. Der nächste kleine Schritt sei eine Internetseite für den Verein. Bis dahin kann der Kontakt per E-Mail gesucht werden.

Foerderverein_Dorfzentrum_Ingersleben@gmx.de