„Jazz in the City“ in Erfurt: Völlig neue Interpretation des Jazz

Erfurt  Vincent-Peirani-Quintett begeistert bei neuer Veranstaltungsreihe der Mediengruppe Thüringen „Jazz in the City“ in Erfurt.

Leise bis rockige Klänge und eine völlig neue Interpretation des Jazz: Vincent Peirani bildete am Freitag den gelungenen Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe „Jazz in the City“. Frankreichs „Jahrhunderttalent“ überzeugte in einer lauen Sommernacht mit überragender Virtuosität und einem perfekt eingespielten Musiker-Quintett. Begeisterte Jubelrufe aus den Zuschauerreihen brachen auch unter dem plötzlich einsetzenden Regen nicht ab.

Die Idee der Mediengruppe Thüringen, Jazz-Größen aus Europa für die Erfurter Bühne zu verpflichten, mochte zunächst kühn erscheinen, fiel aber bei Publikum wie Künstler auf fruchtbaren Boden. „Jazz hat extrem viele Facetten. Und Jazz kann jeden mitreißen. Alt wie jung. Wir müssen es nur schaffen, dass die Menschen uns hören und erleben können. Und dafür braucht es eigentlich nicht viel. Uns für die Musik, und dazu: die Neugierde des Publikums“, erklärte Bandleader Vincent Peirani sein persönliches Verständnis von Jazz vor Beginn des Auftritts. Tatsächlich erschienen am Freitag viele Hunderte Neugierige zum ersten Konzert des „Jazz in the City“: Enthusiasten und jene Wagemutigen, die es noch werden sollten. Bereits nach dem zweiten Lied der fünf Musiker riss das euphorische Tosen und Pfeifen aus dem Publikum nicht mehr ab. Selbst der nach 50 Minuten Konzertdauer einsetzende Regen ließ die Neugierigen swingend auf ihren Plätzen verweilen, teils mit Regenschirmen und im Poncho, doch nicht minder euphorisch.

Die musikalische Freitags-Soirée im romantisch erleuchteten Kaisersaalgarten bewies, dass moderner Jazz nicht kategorisierbar ist. Das französische Potpourri aus leichter Nachtmusik, romantischer Anmutung, schnellen Rhythmuswechseln und rockigen Interpretationen bis hin zu funkigen oder harmonischen Elektro-Ausflügen entwich möglichen Schubladen.

Nicht vergleichbar und herausragend zeigte sich an diesem Abend auch Bandmitglied und Saxophonist Émile Parisien, den das Publikum zu Recht mit anhaltendem Applaus durch den Abend trug. „Es gibt nur drei Musiker, die das Saxofon so beherrschen wie Émile“, kommentierte Jazz-Kenner und früherer Warner-Music-Europachef, Siggi Loch, die Darbietung Parisiens. „Und zwei von ihnen sind tot.“ Eine Meinung, die wohl alle Anwesenden des Abends so teilen werden. Wer Émile Parisien noch nicht live hören konnte, erhält dazu am 15. November noch einmal Gelegenheit. Da gastiert er mit seiner Gruppe, den Jazz Animals, im Erfurter Zughafen.

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