JAZZ lebt… Ein tierisches Tribute-Konzert im Zughafen

Am Freitag gastierten mit den „Jazz Animals“ ein virtuoses Spitzenensemble im Kulturbahnhof, das überragend an die großen Erfolge des Jazz Labels Blue Note erinnerte

„Ich bin dankbar, mit der besten Gruppe, die ich seit Jahren gehört habe, auf Tour zu sein. Mein Herz ist zutiefst gerührt.“, erklärte Golson vor seinem eigenen Auftritt.

„Ich bin dankbar, mit der besten Gruppe, die ich seit Jahren gehört habe, auf Tour zu sein. Mein Herz ist zutiefst gerührt.“, erklärte Golson vor seinem eigenen Auftritt.

Foto: Michael Kremer / Michael Kremer | SnapArt

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„Blue Note haben den Jazz wie kein anderes Label geformt. Von 1955-66 sind über 400 stilprägende Alben entstanden.“, begrüßte Pianist Axel Zwingenberger die Gäste im nahezu ausverkauften Zughafen am Freitagabend.

Mit einem kurzem Boogie-Woogie-Entrée entführte der in Wort wie Musik beflissene Piano-Mann und Mitglied der siebenköpfigen Blue-Note-„Jubiläumsband“ das Publikum auf eine Zeitreise in das Amerika der goldenen 50er und 60er Jahre.

Die Inszenierung der künstlerischen Reminiszenz hätte nicht trefflicher sein können. Im schummrigen Licht des von Heizstrahlern erwärmten Zughafens orchestrierten Industriecharme, musikalische Ausnahmetalente und ein begeistertes Auditorium in perfekter Harmonie. Die von Kurator Siggi Loch – Gründer des Jazz Labels ACT und früherer Warner-Music-Europachef – und Star-Saxophonist Émile Parisien ins Leben gerufene Projektband „Jazz Animals“ honorierte das Lebenswerk des 80-jährigen Jubilars Blue Note Records gebührend und nachhaltig.

Blues, Boogie, Bebop, Hardbop…– die Jazz Animals überzeugten in Erfurt mit einer Spiel- und Interpretationsfreude, die sinnbildlich für Jazz stehen sollte. Zeitgleich bewahrten die Jazz-Tiere die Klangfarben der epochalen Hitwelle der 50er und 60er Jahre und überzeugten mit authentisch-dynamischer Inszenierung der Ohrwürmer von „Summertime“, „Blue Train“, „A Night in Tunisia“ und “Blues March“.

Das Potpourri der Meilensteine voller „emotionaler Kraft“, wie es Zwingenberger formulierte, wurde vom Auditorium nahezu aufgesogen. Besonderer Gast des Abends und Starmusiker der insgesamt 10-Städte-Tournee der Tribute-Band war unbestritten Benny Golson, der als Dienstältester die wahren Hymnen des letzten Jazz-Jahrhunderts auf seinem Saxophon noch mitprägen durfte.

„Es ist eine unglaubliche Ehre, mit Benny Golson zusammen auftreten zu dürfen. Und eine Verpflichtung für jeden von uns, bei einem solchen Abend, einfach nur das Beste zu geben.“, erklärten die Bandmitglieder Theo Croker (Trompete), Yaron Hermann (Klavier), Gerald Cleaver (Schlagzeug) und Émile Parisen (Saxophon) einstimmig. Der Auftritt des 90-jährigen Saxophonisten Golson gegen Ende des Tribute-Konzertes riss schließlich auch die letzten Zuschauer von ihren Stühlen.

Hatten seit dem zweiten Song bereits alle Füße den nötigen „Swing“ und die Hände aufgrund des anhaltenden Dauerapplauses vielleicht schon die eine oder andere Blase, zauberte Hardpop-Legende Golson zum Abschluss den Gipfel der Jazz-Ästhetik aufs Parkett.

„Ich bin dankbar, mit der besten Gruppe, die ich seit Jahren gehört habe, auf Tour zu sein. Mein Herz ist zutiefst gerührt.“, erklärte Golson vor seinem eigenen Auftritt und lauschte selbst back- wie onstage transzendiert den Klängen seiner musikalischen Wegbegleiter. Der Abend „emotionaler Kraft“ endete unter Standing Ovations gegen 22 Uhr. Ob es ein Wiedersehen in 2020 gibt? Das steht in den Jazz-Sternen, nur eines ist sicher: Künstler wie Zuschauer wünschen sich das „tierisch.

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