Kindergarten-Neubau soll zur Herzenssache der Stadt werden

Gebesee.  Nach zwei Monaten im Amt hat sich Roland Koch, der neue Bürgermeister von Gebesee, eine Prioritätenliste erstellt

Für Kita-Leiterin Antje Hucke und Bürgermeister Roland  Koch steht fest, dass es Zeit wird, dass die Fröbel-Kindertagesstätte in einen Neubau umzieht. Das derzeit genutzte Gebäude wurde 1908 erbaut, hat seine Grenzen erreicht.

Für Kita-Leiterin Antje Hucke und Bürgermeister Roland Koch steht fest, dass es Zeit wird, dass die Fröbel-Kindertagesstätte in einen Neubau umzieht. Das derzeit genutzte Gebäude wurde 1908 erbaut, hat seine Grenzen erreicht.

Foto: Hartmut Schwarz

Für Roland Koch stehen die Prioritäten fest. Auf den ersten Blick. Der frisch ins Amt gewählte neue Bürgermeister von Gebesee, hat sich den Kindergarten zur Herzenssache gemacht. Nach fast zwei Monaten im Amt hat er sich einen Überblick verschafft. Gemeinsam mit dem Bauausschuss war er per Rad in der Stadt unterwegs, hat sich geplante Investitionen vor Augen führen lassen – und noch wichtigere entdeckt. Für Roland Koch steht fest: Die Stadt braucht einen neuen Kindergarten! Koch: „Ein neuer Kindergarten muss Herzenssache für alle Gebeseer sein, schließlich geht es hier um unsere Zukunft!“

Das derzeit dafür genutzte Gebäude habe seine Grenzen an allen Ecken erreicht. Schon seit einiger Zeit, so erfuhr er, wurde vom Stadtrat eine Erweiterung der Einrichtung diskutiert. Das Gebäude wurde um 1908 gebaut – ursprünglich als Badehaus für die Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es als Auffanglager für Kinder genutzt – mit der Gründung der DDR in einen Kindergarten umgebaut. Seitdem wird das Gebäude immer wieder saniert und umgebaut. Ganz nach Bedarf und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln.

Inzwischen sind es 108 Kinder, von denen die Räume genutzt werden. Räume, die längst an ihre Grenzen gestoßen sind. Alle Kuschelecken und Bewegungszonen mussten gestrichen werden, erklärt Kita-Leiterin Antje Hucke – für zusätzliche Gruppenräume, die den aktuellen Anforderungen entsprechen. Jetzt allerdings sei das Ende der Fahnenstange erreicht. Jetzt lässt sich nichts mehr erweitern. Vom Stadtrat wurde deswegen die Möglichkeit auf den Tisch gebracht, die Flächen im hinteren Bereich zu erwerben und dort einen Anbau zu errichten.

Diese Idee stand solange im Raum, bis vom Bauamt des Landratsamtes ein Strich durch die Rechnung gemacht würde. Der Anbau würde nicht genehmigt werden, weil dieser von der Feuerwehr im Notfall dann nur schwer zu erreichen sei. Stattdessen wurde ein Neubau auf grüner Wiese vorgeschlagen. Ein Vorschlag der gerne angenommen wird. Geeignetes gemeindeeigenes Bauland sei bereits gesichtet worden. Laut Koch soll der Neubau in einer ruhigen Lage liegen, gut erreichbar sein und letztendlich über 140 Plätze verfügen.

Auch soll es dann ausreichend Parkplätze geben. Derzeit käme es regelmäßig zu Staus zu den Bring- und Hol-Zeiten. Dazu komme, dass die 16 im Kindergarten Beschäftigten zu Großteil von außerhalb kommen, selbst einen Stellplatz für ihr Auto benötigen. Künftig werden es noch mehr. Nach dem Umzug des Kindergartens sollen in dem alten Gebäude gemeindeeigene Sozialwohnungen entstehen. Derartiger Wohnraum steht nach der Rad-Tour ebenfalls mit auf der Liste von Roland Koch. Beim Besuch des ehemaligen, von der Stadt zum Wohnhaus umgebauten Konsums, erkannte er sofortigen Handlungsbedarf. Hier wurde offensichtlich lange nichts investiert, schlussfolgert der neue Bürgermeister und kündigte an, dass sich sehr kurzfristig etwas ändern werde.

Der notwendige Neubau eines Kindergartens stünde auch in unmittelbarem Zusammen hang mit dem geplanten Wohngebiet, das hinter der Rewe an den Siedlungsweg gebaut werden soll. Dort sollen 27 Bauplätze entstehen für Häuser in denen mit Sicherheit auch kleine Kinder zuhause sein werden. Bereits seit zwei Jahren wird dieses Wohngebiet geplant. Jetzt sollen die Erschließungskosten ermittelt, die Finanzierung auf den Weg gebracht werden. Geplant sei, das Projekt an einen Generalunternehmer zu übertragen. Demnächst wird dies Thema im Stadtrat sein.

Auf einer Seite auf dem Schreibtisch des Bürgermeisters stapeln sich die Projekte, die im Stadtrat vor seiner Zeit angestoßen wurde – auf der anderen die Dinge, die nach seiner Ansicht bislang zu kurz kamen. In den ersten Wochen war er oft auch am Sonntag damit beschäftigt die Unterlagen der Stadt zu sichten. Arbeit für sich hat er darin genug gefunden. Das Spektrum reicht von einem Aufzugseinbau im Rathaus, um die VG-Verwaltung in der ersten Etage barrierefrei zu machen, bis zu einer Sammelstelle für Grünabfälle, um die illegalen Entsorgungen zu beenden. Auch eine Website will er für die Stadt in Auftrag geben – in Potsdam hat er dafür ein Azubi-Programm gesichtet, durch das die Kosten übernommen werden.

Angesichts der durch die Corona-Krise geschrumpften Gewerbesteuern, gelte es zu sparen wo es möglich ist. Deshalb werde die Stadt auch nicht die Gewässerpflege für die Bornklinge finanzieren. Für Gewässer Zweiter Ordnung sei die Stadt nicht zuständig, sondern der Gewässerunterhaltsverband Gera/Gramme, dem das Land für derartige Arbeiten die finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt hat. Derzeit ist der Wasserlauf verwildert und verwachsen, einem Starkregen nicht mehr gewachsen. Eine entsprechende Aufforderung sei schon auf dem Weg...

Roland Koch wird sich aber in Geduld üben müssen. Der Unternehmer im Ruhestand war es gewohnt schnelle Entscheidungen zu treffen. Jetzt ist er auf den Amtsweg angewiesen. Aber er will ihn gehen für Gebesee. Im Ort selbst ist er längst keine unbekannte Größe mehr. Auch zwei Versammlungen der VG-Bürgermeister hat er schon besucht. Gewünscht hätte er sich, dass sein Vorgänger ihn etwas eingewiesen hätte. Es blieb lediglich dabei, dass die Schlüssel hinterlegt wurden. Leicht wurde es ihm nicht gemacht.