Kunstauktion und Benefizkonzert

Die evangelische Reglergemeinde in Erfurt wartet mit Aktionen zur Finanzierung des Umbaus ihres Gemeindehauses auf.

Vor der Baustelle des Regler-Gemeindehauses in Erfurt: Kantor Johannes Häußler, Major Tobias Wunderle und Pfarrerin Gabriele Lipski (v. l.).

Vor der Baustelle des Regler-Gemeindehauses in Erfurt: Kantor Johannes Häußler, Major Tobias Wunderle und Pfarrerin Gabriele Lipski (v. l.).

Foto: Heidrun Lehmann

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Erfurt. Namen weltweit gefragter Künstler werden am Samstag, 7. Dezember, durch das Seitenschiff der evangelischen Reglerkirche in Erfurt schwirren. Die Gemeindeglieder um Pfarrerin Gabriele Lipski bereiteten ein für ein Gotteshaus außergewöhnliches Ereignis vor: eine Kunstauktion zugunsten der Sanierung des Gemeindehauses am Juri-Gagarin-Ring.

Der Leipziger Auktionator Michael Ulbricht bringt rund 60 Werke nach Erfurt mit – Gemälde, Zeichnungen und Grafiken – darunter von Max Klinger, Gerhard Marcks, Wolfgang Mattheuer, dem Kirchenmaler Marc Chagall und Werner Tübke. Auch an die italienische Frührenaissance angelehnte Originalradierungen wie „Der Sommer“ oder „Paris“ des in Erfurt geborenen Malers, Zeichners und Grafikers Michael Triegel, sollen unter den Hammer kommen.

Unter dem Motto „Mitbieten und Gutes tun“ reist der frühere Lehrer seit einigen Jahren mit seinen Benefizaktionen durch die Lande. Die wertvollen Werke von Kunstfreunden oder von Künstlern selbst können sich möglicherweise als Weihnachtsgeschenk erweisen oder den Bestand von Sammlern erweitern. Laut Gabriele Lipski kommen „generöse“ 15 Prozent des ersteigerten Erlöses der Reglergemeinde zugute.

Die Gemälde, Zeichnung und Grafiken (Gebote zwischen 50 und 2000 Euro) können am Samstag ab 11 Uhr in der Reglerkirche besichtigt werden. Ab 14 Uhr locken zur Einstimmung Glühwein und Gebäck. Die musikalische Umrahmung gestalten Regler-Kantor Johannes Häußler an der Orgel und Trompeter Reiner Bosecker, bevor ab 16 Uhr der für seinen Humor bekannte Michael Ulbricht den Auktionshammer schwingt.

Wenige Tage später, am 12. Dezember, wartet das Gotteshaus in der Bahnhofstraße mit einem weiteren Höhepunkt auf: 50 Damen und Herren des Bundeswehr-Luftwaffen-Musikkorps Erfurt lassen sich ab 19 Uhr vom Dirigat von Dr. Tobias Wunderle leiten. In dem erstmals von der Gemeinde organisierten Benefiz-Konzert erklingen in großer Besetzung, als sinfonisches Blasorchester, weihnachtliche Melodien. Der Orchesterleiter im Range eines Majors nennt als Beispiele Kees Vlaks „Winterland“, Philippe Rombis „I’m Dreaming of Home“ und Webbers „Jesus Christ Superstar“. Zudem könnten sich die Besucher auf Hauptfeldwebel André Lehmann freuen, der die Zuhörer als Solist mit der Piccoloflöte begeistert.

Dr. Tobias Wunderle, seit mehr als einem Jahr Leiter des Luftwaffen-Musikkorps, erwähnte im Vorab-Gespräch im Regler-Gemeindehaus, dass sich seine Mitstreiter als Sympathieträger des Militärs, gewissermaßen als Soldaten zum Anfassen fühlen. Er verwies darauf, dass es weitgehend unbekannt sei, dass auch im Rahmen der Bundeswehr ein Musik-Studium möglich ist, so wie er es absolvierte.

Pfarrerin Lipski griff diesen Gedanken auf, indem sie jene Musik als schönste Form des Militärdienstes bezeichnete und in die deutsche Friedensmission einordnete.

Zuvor ging die Theologin auf das Anliegen der beiden Benefizaktionen ein. Wie sie im Kreise von Major Wunderle, Oberstleutnant Michael Weckbach als Leiter der Informationsarbeit und der Redakteurin aus der Abteilung Informationsarbeit beim Landeskommando Thüringen, Katrin Saalbach, wissen ließ, gehe es bei dem Umbau des Gemeindehaus um eine Gesamtsumme von 1,2 Millionen Euro, die über einen Kredit von der evangelischen Kirchengemeinde gestemmt werden müssten.

Allein im ersten Abschnitt wurden bereits 650 000 Euro verbaut. Dazu gehörten die Dacheindeckung, Entkernungsarbeiten und – bis auf den noch barrierefrei zu gestaltenden Eingangsbereich – die Fassade. Laut Gabriele Lipski war eine Sanierung des aus den 1920-er Jahren stammenden Gebäudes mit seiner soliden Grundsubstanz lange fällig.

Künftig sollen Erdgeschoss und erste Etage, in der später auch das Büro zu finden sein wird, der Gemeinde für ihr reiches Spektrum an Aufgaben zur Verfügung stehen. Ein Fahrstuhl gehört dann selbstredend dazu. Ob Mutter-, Baby- und Seniorenkreis, Kinder- und Jugendarbeit, Bibelkreise, niederschwellige Angebote wie „Quatschen und Essen“, Räume für Regler-Singschar, Instrumental- und Flötenkreis sowie für die Arbeit des Konvents der Augustinermönche gilt es neu zu gestalten. In einem weiteren Bauabschnitt soll der Saal im Erdgeschoss erweitert werden.

Trotz einer sehr spendenfreudigen Gemeinde und eines aktiven Fördervereins reichten die bisherigen Anstrengungen nicht aus, um die Generalsanierung zu vollenden. Daher auch so ungewöhnliche Vorhaben wie besagte Kunstauktion, ergänzte Pfarrerin Gabriele Lipski.

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