Kunsthaus Erfurt nimmt die Spur zum Bauhaus auf

Altstadt  Sechs Künstler, sieben Werke: Augenzwinkernd und farbgewaltig

„Tracing Bauhaus“ im Kunsthaus Erfurt: Adrian Palkos bringt im Untergeschoss eine Zeichenmaschine zum Einsatz.

„Tracing Bauhaus“ im Kunsthaus Erfurt: Adrian Palkos bringt im Untergeschoss eine Zeichenmaschine zum Einsatz.

Foto: Frank Karmeyer

2019 lässt Thüringen im Bauhaus-Jubiläums-Jahr an vielen Orten in rot-gelb-blauem Licht erstrahlen. Das Quasi-Markenzeichen-Farbentrio findet sich natürlich auch in der Ausstellung „Tracing Bauhaus“ wieder, die am heutigen Freitag im Kunsthaus in der Michaelisstraße eröffnet wird. Kuratiert von Andrea Karle, bieten sieben Werke von sechs Künstlern dort eine ganz persönliche Reaktion auf die in Weimar gegründete Kunstschule.

Tracing, das steht für „Spur aufnehmen“ oder „zurückverfolgen“. Das geschieht in diesem Fall in Fotografien, Skulptur, Installation und Malerei, die jeweils die Bauhausfarben zum Thema haben.

Christian Rothe, der Weimarer Fotograf und Grafiker, empfängt die Kunsthausbesucher mit einem humorvollen Blick auf das Bauhaus-Jubiläumsjahr. Er hat zufällig entdeckte Motive fotografiert: Mülltonnen in den Bauhausfarben, Wasser auf dem Asphalt, Luftballontiere und die Farbigkeit einer Badezimmergarnitur in Rot-Blau-Gelb.

Schirin Kretschmann hat blaue Farbpigmente zwischen zwei Glasscheiben konserviert: entstanden sind abstrakte Formen im Grenzbereich zur Malerei. Hinzu gesellt sich eine Videoarbeit der Künstlerin: Sie hat das von Wasser überströmte Fliesenmosaik eines Pariser Brunnens gefilmt. Gezeigt wird das Ergebnis als Projektion, gebrochen an einer Raumkante.

Batteriebetrieben tanzen Stifte über das Plakat

Großformatig hat sich die Leipziger Fotografin Margret Hoppe dem Bauhaus genähert. Ihr Bild „Couvent de Saint-Marie de La Tourette I“ ist in einem von Le Corbusier entworfenen Benediktiner Kloster im französischen Éveux entstanden, erläutert Kuratorin Andrea Karle. Obwohl fotografiert, wirkt das farbgewaltige Foto wie gemalt. Das aus Oberlichtern einfallende Licht wirkt auf dem Bild wie komponiert.

Thomas Prochnow aus Gera hat das Zwischengeschoss des Kunsthauses gestaltet – in reinem Schwarz an der Wand und mit einer weißen und winkligen Konstruktion in der Raummitte, die gestern noch auf ihre Vollendung wartete.

Fläche, Linie und Rhythmus – und vor allem Kreise – verbindet Adrian Palkos mit seiner Zeichenmaschine im Untergeschoss: batteriebetrieben lässt er drei Stifte in den Bauhausfarben ihre Kreise ziehen auf einem „Form follows function“-Plakat. Rachel Smith, die in Bristol lebende Absolventin der Bauhaus-Universität Weimar, hat einen Bilderkennungs-Algorithmus von Google hinterfragt, verfremdet und die künstliche Intelligenz in einem Bilder-Duo eingefangen.

Begleitet wird die Ausstellung von einem Vortrag über „Max Gebhard. Bauhaus Konzepte und Antifaschistische Aktion“ (19. September, 19 Uhr), dem Tag der offenen Kulturräume (21. September, 14 bis 18 Uhr) und der Veröffentlichung des Katalogs zur Ausstellung am 10. Oktober, 19 Uhr.

Eröffnung heute, 20 Uhr, Michaelisstraße 34; zu sehen bis zum 18. Oktober

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