„Lasst den Rasenmäher aus“

Erfurt  Matthias Hartmann betreut ein Projekt zur Hummelforschung. Er sammelt die Tiere, bestimmt sie und steht Bürgern mit Tipps zur Seite

Mal im Glas, mal im Umschlag: Die Hummeln werden auf verschiedenste Art im Museum abgegeben. Matthias Hartmann bestimmt sie dann. 

Mal im Glas, mal im Umschlag: Die Hummeln werden auf verschiedenste Art im Museum abgegeben. Matthias Hartmann bestimmt sie dann. 

Foto: Anja Derowski

Jeden Morgen, wenn Museumschef Matthias Hartmann das Foyer betritt, ist sein erster Gang der zum Empfang. Und jeden Tag, haben die Mitarbeiter etwas für ihn. Mal in einem Umschlag, mal im Glas, im Joghurtbecher, in einer Streichholzschachtel oder in einer Dose.

Der Inhalt: tote Hummeln.

Das mag komisch klingen, doch trägt es zum Erhalt oder gar wieder zur Verbreitung der Hummeln bei. Im dritten Jahr nun ruft Matthias Hartmann Erfurter auf, tote Hummeln zu sammeln und dem Naturkundemuseum zukommen zu lassen. Jede einzelne schaut er an und bestimmt sie, manchmal auch mit Hilfe des Mikroskopes. In diesem Jahr konnte er sechs Arten bestimmen, eine mehr als im vergangenen Jahr. „Das ist dennoch dürftig. Wenn wir Glück haben, finde ich noch eine siebente Art“, sagt der Insektenexperte. „Dann hätten wir knapp die Hälfte von den Arten, die noch vor 100 Jahren lebten.“

Seit Jahren geht der Bestand zurück, „es ist Zeit, etwas gegen das Hummelsterben zu tun“, heißt es in einem Flyer des Naturkundemuseums und des Landschaftspflegevereins „Rabe“. Es gebe, erklärt Matthias Hartmann, nur noch wenige Plätze in Erfurt, wo Hummeln gut überleben könnten. „Selbst die privaten Gärten werden klar gemacht, abgemäht.“ Ein wichtiger Tipp, den der Experte gern und oft gibt: „Leute, lasst den Rasenmäher aus.“ Das wäre die größte Hilfe, dem Hummeln- und überhaupt Insektensterben entgegen zu wirken.

Oft würden Bürger anrufen und fragen, was sie tun könnten. Er rät dann auch, Thymian, Lavendel, Minze und Taubnessel anzupflanzen. Auch Ränder an Wegen, Grünstreifen an Mauern und Straßen könnten dazu beitragen, den Insekten wieder mehr Lebensraum zu bieten. „Nistkästen für Hummeln sind eher ineffektiv, Steinhaufen, Mauselöcher und morsche oder hohle Stämme dagegen sehr hilfreich“, sagt Matthias Hartmann.

Am häufigsten kommt in Erfurt die dunkle Erdhummel vor, am zweithäufigsten die helle Erdhummel, gefolgt von der Stein- und Gartenhummel. Das Wildbienen- und hummelreichste Gebiet der Landeshauptstadt ist der Rote Berg. Vor allem durch den Zoo gibt es zahlreiche Flächen, auf denen die Insekten gut leben können. „Die Hälfte aller bekannten Wildbienenarten lebt auf einer Wiese hinter dem Elefantengehege“, erzählt Matthias Hartmann.

Er bittet die Erfurter, weiterhin tote Hummeln zu sammeln und im Naturkundemuseum abzugeben. Auf einem Zettel sollten das Funddatum, der Fundort und die Angaben des Finders stehen.

Während der Öffnungszeiten – Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr – können die Tiere im Naturkundemuseum abgegeben werden.

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