Leben in der Stadt der Zukunft - Erfurter Wohngebiet soll zum Freilichtlabor werden

Erfurt  Forscher und Industrie wollen in Erfurt die Stadt der Zukunft testen. Vorausgesetzt, sie gewinnen eine Ausschreibung des Bundeswirtschaftsministeriums .

So könnte die Paketzustellung in einigen Jahren aussehen. Ob sich dieser Roboter, der gestern in Erfurt gezeigt wurde, durchsetzt, soll in Erfurt getestet werden.

So könnte die Paketzustellung in einigen Jahren aussehen. Ob sich dieser Roboter, der gestern in Erfurt gezeigt wurde, durchsetzt, soll in Erfurt getestet werden.

Foto: Kai Mudra

Ein Labor unter freiem Himmel – dazu soll sich ein Erfurt Stadtteil in den kommenden Jahren entwickeln. Wissenschaftler und Firmen wollen gemeinsam mit Anwohnern, Gewerbetreibenden und Unternehmen sowie der Stadt und den Stadtwerken testen, wie „zukunftsfähige, intelligente und umfassend nachhaltige Städte“ funktionieren könnten.

Wie müsste öffentlicher Nahverkehr organisiert werden? Wo ist es sinnvoll, Mobilitätsstationen einzurichten, um beispielsweise Fahrräder, E-Scooter, Lastenräder zu vermieten? Welche Bezahlmodelle und Mietmodalitäten wären für die Menschen oder die Gewerbetreibenden attraktiv? Einwegmiete per Smartphone, Monatsverträge oder beispielsweise Kilometerpauschalen? Alles Fragen eines sehr kleinen Ausschnitts des gedachten Experimentierfeldes.

Energiegewinnung neu denken

Könnte eine solche Mobilitätsstation auch mit Paketboxen kombiniert werden? Maximilien Wunsch von der Bauhaus-Universität Weimar lässt gestern auf einem Rundgang durch das Brühl genannte Quartier erkennen, wie vielschichtig das Projekt ist. Bei Mobilität werde auch über Elektrofahrzeuge geredet. Fragen der Energiegewinnung – vor allem CO2-frei – oder der Stromversorgung bekommen nachhaltige Bedeutung. Denn Batterien von Elektroautos könnten im Netz auch als Speicher genutzt werden.

Das heißt aber, Stromnetze müssten ganz anders gemanagt werden, auch weil in den Wohngebieten selbst immer mehr Strom erzeugt werden wird.

Die Vorstellungen der Wissenschaftler des Projekts sind an vielen Punkten sehr konkret. Ob aber die Menschen in einer Stadt wie Erfurt das, was die Experten sich so ausdenken, künftig auch nutzen, soll das Brühl als Freiluftlabor in den nächsten Jahren zeigen. Denn nur dann steigt auch die Industrie ein.

Künstliche Intelligenz im Mittelpunkt

Ein Konsortium unter Leitung der Bauhaus-Universität Weimar und des Fraunhofer-Instituts Ilmenau möchte mit dem „Bauhaus-MobilityLab Erfurt“ einige dieser Zukunftsfragen zum Leben in der Stadt untersuchen. Das Konsortium bewirbt sich beim Innovationswettbewerb künstliche Intelligenz des Bundeswirtschaftsministeriums um eine mehrjährige Förderung. Denn nachhaltige Lösungen auf den Gebieten Energie, Mobilität und Logistik sollen mithilfe Künstlicher Intelligenz gefunden und umgesetzt werden.

Die Thüringer Wissenschaftler schafften es mit bundesweiter Unterstützung weiterer Forschungseinrichtungen und aus der Industrie bis in den Endausscheid der letzten 35 Bewerber. Ende des Monats müssen sie ihre Unterlagen für die Schlussrunde vorlegen. „Danach heißt es hoffen“, meinte gestern Martin Käßler vom Fraunhofer-Institut in Ilmenau.

Gera als Modellprojekt „Smart City“

Unterstützung für das „Bauhaus.MobilityLab“ kommt auch vom Land. Wirtschaftsstaatssekretärin Valentina Kerst informierte sich gestern auf einem Treffen der Wissenschaftler und Industrievertreter in Erfurt über das Vorhaben. Denkbar sei beispielsweise das Bereitstellen von Daten für die Forscher oder Hilfe beim Regeln rechtlicher Fragen, um für innovative Mobilitätslösungen Ausnahmegenehmigungen zu erhalten, sagte sie.

Erst vor einigen Tagen wurde Gera als Modellprojekt „Smart City“ ausgewählt. Der Bund fördert mit Millionen die Digitalisierung der Verwaltung, auch um das Stellen von Anträgen für die Menschen zu erleichtern.

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