„Liebe ist eine einzige Baustelle“

Erfurt.  Ein Sommernachtstraum, fernab einer Sommerkomödie, ist ab kommender Woche in der Schotte zu erleben.

Uta Wanitschke und Matthias Thieme inszenieren aktuell „Ein Sommernachtstraum" von William Shakespeare an der Erfurter Schotte. 

Uta Wanitschke und Matthias Thieme inszenieren aktuell „Ein Sommernachtstraum" von William Shakespeare an der Erfurter Schotte. 

Foto: Frank Karmeyer

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Das „Ach“ in der Nacht, zwischen dem N und dem T, ist besonders betont im Plakat zum „Sommernachtstraum“, der am Freitag, 13. Dezember, inszeniert von Uta Wanitschke und Matthias Thieme, seine Premiere in der Schotte erleben wird. Ein „Ach“ der Verwunderung könne es sein, ein sehnsuchtsvolles Seufzen in dem Shakespeare-Stück voller Liebesszenen. Nur ein „Ach“ aus „Ach, schon wieder“ wollen die beiden Regisseure zu verhindern wissen.

22 Jugendliche sind beteiligt, viele darunter erstmals auf der großen Bühne, und wollen ein lustiges und unterhaltsames Stück zeigen, das sich von oft gesehenen leichten Sommerkomödien abheben soll. Die Nacht, das Kühle und Unheimliche will das Regie-Duo betonen, sich ganz hingeben dem andauernden Beziehungsstress im ewig-nervenden Hin und Her der Paare und der permanenten Beziehungsarbeit, die es zu leisten gilt. Wobei natürlich nicht auf die lustigen Handwerkerszenen verzichtet wird und den großen Zauber, der vom Shakespeare-Stück ausgeht. „Es wird einen schönen Wechsel zwischen melancholischen Bildern und temporeichen Verwandlungen geben“, verspricht Matthias Thieme dem Publikum.

Einen König indes gibt es nicht in dieser Schotte-Inszenierung, dafür einen gestrengen Vater, dessen Frau und Exfrau, mit allem daraus folgenden Unstimmigkeiten und Folgen fürs zerrüttete Familienleben. Alles spielt an einem Ort, an dem rein gar nichts funktioniert: auf der Baustelle des Eigenheims, das gerade renoviert wird. Und mangels Alternative müssen die Handwerker ein Stück zur geplanten Party bieten.

„Liebe ist doch eine einzige Baustelle“, sagt Matthias Thieme, darum gehe es im Stück. Beziehungen oft kurz und bisweilen gar per SMS beendet – auch davon handelt der Schotte-Sommernachtstraum, ergänzt Uta Wanitschke. So reich an Abwechslung, so sparsam beim Bühnenbild ist der Sommernachtstraum. Hier gibt es nichts, was das Spiel der jungen Darsteller unterstützt. Zwei Wände, auf die Bilder projiziert werden (Videos von Julian Mosbach), eine Leiter und eine Tür sind nebst einem Bett schon genug. Wobei die Tür erst einmal eine ganz normale ist. Wer aber ehrlich liebt und sie durchschreitet, der betritt eine Zauberwelt, in der es nicht nur Schmetterlinge im Bauch sondern auch merkwürdige Gnome in dunkel-glitzernder Umgebung gibt.

Vier Geschichtsstränge verweben sich im Sommernachtstraum auf unterhaltsame Weise, verwirren zunächst. Am Ende dann, soviel sei verraten, gibt es natürlich ein Happy End. Dann nämlich, wenn echte Liebe sich auch daran nicht stört, dass der Partner ein Esel ist.

„Ein Sommernachtstraum“, Premiere am Freitag, 13. Dezember, 20 Uhr in der Schotte, Schottenstraße 7. Alle Vorstellungen bis Jahresende sind bereits ausverkauft, mit etwas Glück gibt es reservierte aber nicht abgeholte Karten an der Abendkasse.

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