Marion Walsmann gibt Kreisvorsitz der Erfurter CDU ab

Erfurt.  25 Jahre lang hat Marion Walsmann die Erfurter CDU geleitet und gelenkt. Nun will die 56-Jährige nicht erneut für den Kreisvorsitz kandidieren.

Die Thüringer CDU-Abgeordnete im Europaparlament, Marion Walsmann, wird nach 25 Jahren als Chefin des CDU-Kreisverbandes nicht mehr für dieses Amt kandidieren.

Die Thüringer CDU-Abgeordnete im Europaparlament, Marion Walsmann, wird nach 25 Jahren als Chefin des CDU-Kreisverbandes nicht mehr für dieses Amt kandidieren.

Foto: Sascha Fromm

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25 Jahre lang hat Marion Walsmann die Erfurter CDU durch Höhen und Tiefen manövriert. Nun will die 56-Jährige zur Gesamtmitgliederversammlung im Januar nicht erneut für den Kreisvorsitz kandidieren, um sich voll und ganz auf ihr Mandat im Europaparlament konzentrieren zu können. Ihrem Team wünscht sie für die Nachfolgesuche am 18. Januar eine „neue Handschrift und einen klaren Kompass“. Für den Erneuerungsprozess der CDU sollten junge Menschen die Chance bekommen, sich in dieser verantwortungsvollen Aufgabe zu beweisen.

Den Kreisvorsitz zu bekleiden, sei „mehr als nur Posten und Einfluss zu sichern“, für die Funktion bedürfe es an Weitblick und Erfahrung sowie des Könnens, zwischen Alt und Jung und diversen Meinungen zu vermitteln. 25 Jahre lang hat sich die gebürtige Erfurterin in dieser Disziplin geübt und ihren Verein zusammengehalten. Jetzt rumort es wie immer bei anstehenden Vorstandswahlen – im Hintergrund. Schon vor einem halben Jahr gab es den ganz offen vorgetragenen Angriff der Jungen Union, sie als Kreisvorsitzende ablösen zu wollen. „Es reicht nicht, auf meinen Platz zu kommen: Man muss ihn auch ausfüllen können!“, sagt sie gewohnt kämpferisch, ohne sich nun in das zu erwartende Duell zu begeben.

Ob sie mit ihrer Verzichtserklärung einer Abwahl zuvor kommt? Walsmann winkt ab: „Es gibt immer Leute, die überzeugt sind, ein anderer Weg sei der Bessere“, sagt sie. Ihre Entscheidung, im Januar nicht erneut zu kandidieren, habe sie jedenfalls ganz allein und für sich getroffen, dann im Kreise der Familie beraten und nun in die Öffentlichkeit gebracht.

Kaum geschehen, habe es die ersten Anrufe einiger Überraschter gegeben, sie möge doch weitermachen. „Wir brauchen Sie“, hätten ihr Parteimitglieder beteuert. Gebraucht werde sie nun aber im Europaparlament, in dem sie als einzige Thüringerin das ganze Land vertrete: 44 Sitzungswochen in Brüssel, Fahrtzeiten mit der Bahn von sechs bis sieben Stunden auch nach Straßburg – da bliebe wenig Zeit, um bei den Erfurtern vor Ort zu sein, sich hier einzumischen als „Lokalpatriotin“ und „Anwältin der Bürger“, als die sie sich versteht. Jetzt müsse sie für die Stahlwerker in Unterwellenborn genauso ansprechbar sein wie für die Gewerbetreibenden in Hermsdorf – da passt der Kreisvorsitz nicht mehr dazwischen und zu ihren Ansprüchen an sich selbst, argumentiert sie. Diese Erkenntnis sei in den vergangenen Wochen in ihr gewachsen.

Die Leidenschaft für die Politik, bleibe ja erhalten. Man müsse auch Beschimpfungen aushalten können in der Politik, nicht bei jedem Sturm gleich einknicken. „Man kann nicht Everybodys Darling sein“, sagt sie, wenn man stets eine Haltung konkret mache – für Ordnung und Sicherheit, für Rechtsstaatlichkeit und gegen eine größere Schere zwischen Arm und Reich zum Beispiel. Dinge, für die sie sich auch im Ehrenamt engagiert. Respekt und Anerkennung habe sie in ihrer Arbeit erfahren, sich beides hart erarbeiten müssen. „Ich bin meiner Familie dankbar, die das alles mitgetragen hat“, sagt die Mutter zweier Kinder.

Und sie hat Geschichte geschrieben: Als jüngstes Mitglied der letzten Volkskammer, als Teilnehmerin der Stasi-Auflösung am 4. Dezember 1989 in Erfurt, als Mitglied am Runden Tisch, als Initiatorin diverser Bürgerbegehren sowie Adventssingen und Teilnehmerin tausender erster Spatenstiche. Als Justizministerin unter Dieter Althaus und Finanzministerin unter Christine Lieberknecht, schließlich als Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie der Staatskanzlei. 2018 schließlich war sie OB-Kandidatin und trat gegen Andreas Bausewein (SPD) an. Sie unterlag in der Stichwahl.

Hinwerfen, das habe sie eigentlich nur einmal gewollt: 2014 habe es diesen „kleinen Moment“ gegeben, als sie als Chefin der Thüringer Staatskanzlei entlassen wurde und einen Wahlkreis neu zu erobern hatte. Der Wahlerfolg gab ihr recht, weitergemacht zu haben. Einen Kandidatenvorschlag für ihre Nachfolge habe sie nicht, diese würde direkt und nicht von Delegierten in der Januar-Versammlung bestimmt und das sei gut so. Ihre Stimme werde sie künftig weiterhin in ihrem, dem Ortsverband Geratal erheben.

Mit Mantel und Kostüm-Jacke in leuchtendem Rot, längst zum Markenzeichen gereift, will die Erfurterin auch in Brüssel und Straßburg künftig bei weitem nicht nur modische Akzente setzen: 70 Prozent was dort entschieden würde, werde kommunal umgesetzt, sagt sie. In Erfurt will sie das Feld nun anderen überlassen. Eine erneute Kandidatur für den Stadtrat oder gar als Oberbürgermeisterin für Erfurt schließt sie aus. Derzeit jedenfalls.

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