Medienanstalt will nur mit Parität die Defensionskaserne sanieren

Erfurt. Die TLM will mit der Immobilie den Standort Erfurt sichern. Der Erfurter Stadtrat soll morgen erneut abstimmen.

Die Spitze der TLM: Direktor Jochen Fasco, Versammlungsvorsitzender Johannes Haak und Vize-Direktorin Kirsten Kramer (von links). Foto: Holger Wetzel

Die Spitze der TLM: Direktor Jochen Fasco, Versammlungsvorsitzender Johannes Haak und Vize-Direktorin Kirsten Kramer (von links). Foto: Holger Wetzel

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Für die Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) kommt ein Umzug in die Defensionskaserne auf dem Petersberg nur mit dem Partner Parität in Frage. Das betonte gestern der Direktor der TLM, Jochen Fas­co. Dem Angebot des um die Kaserne konkurrierenden Vereins Kulturquartier, die Kaserne gemeinsam und ohne die Parität zu entwickeln, erteilte er eine Absage: Der Verein habe keine nachweisbare Finanzierung.

Das Interesse der TLM am Umzug und an der Investition sei weiterhin vorhanden, betonte der Direktor. Denn die aus den Haushalts-Rundfunkgebühren finanzierte Medienanstalt, die mit rund 30 Festangestellten seit knapp zehn Jahren an der Steigerstraße eingemietet ist, möchte gern Eigentum erwerben. Damit sollen die Kosten langfristig gesenkt und der Standort Erfurt gestärkt werden.

Strategisch wird der Eigentumserwerb auch als Reaktion auf wiederkehrende Gerüchte angesehen, nach denen die Medienanstalten mehrerer Bundesländer aus Spargründen fusionieren sollen. Aktuell gebe es keine solchen Überlegungen, sagt Fasco. Doch in Fusionsverhandlungen wäre Eigentum ein starkes Argument in einer möglichen Standortdiskussion.

Gespräch mit Stadt brachte kein Ergebnis

Die Defensionskaserne steht morgen erneut auf der Tagesordnung des Stadtrates. Bereits zum dritten Mal sollen die Stadträte dabei über eine unveränderte Vorlage der Verwaltung abstimmen. Sie sieht vor, dass Parität und TLM die Kaserne von der LEG erwerben, sie sanieren und nutzen. Ein kleiner Teil des Gebäudes, den die Stadt verbindlich anmieten soll, ist für kulturelle Nutzungen gedacht.

Wiederholt vertagte der Stadtrat das Thema und beauftragte zuletzt die Verwaltung, mit allen Interessenten eine gemeinsame Nutzung zu erörtern. Ein Gespräch fand auch statt. Danach ließ sich Stadtentwicklungs-Dezernent Uwe Spangenberg (SPD) die jeweils erforderlichen Mindest-Flächen von Parität, TLM und Kulturquartier übermitteln. Doch blieben diese Verhandlungen fruchtlos. Die Verwaltung setzt weiter nur auf das Modell von Parität und TLM.

Höchstes TLM-Gremium muss noch zustimmen

In diesem Modell sieht sich die TLM als der kleine Partner. Sie ist bereit, einen Teil des benötigten Eigenkapitals beizusteuern und auch mit einer Kreditaufnahme an der Finanzierung mitzuwirken.

Allerdings müsste zuvor noch die TLM-Versammlung als Hauptgremium das Vorhaben beschließen. Das ausstehende Votum wird von den Kritikern des Modells als eine Lücke in der Finanzierung angesehen.

"Für einen Beschluss benötigen wir aber die verbindliche Unterstützung durch die Stadt", sagte die TLM-Vize-Direktorin Kirsten Kramer. "Man kann nicht den zweiten Schritt vor dem ersten verlangen", ergänzte Fasco. Nicht einmal eine optimistische Prognose zu einem Versammlungs-Beschluss ließ sich der Direktor entlocken. Es wäre vermessen, dem Gremium vorzugreifen, erklärte er.

Ein weiteres Fragezeichen könnte sich hinter dem Platzbedarf auftun. Nach den Paritäts-Plänen soll die TLM ein gutes Drittel des Gebäudes nutzen. Das reicht aus jetziger Sicht geradeso - für eine Zusammenlegung mehrerer Landesmedienanstalten wäre der TLM-Anteil der Kaserne aber wohl zu klein.

Dennoch: "Die Defensionskaserne ist unsere einzige realistische Chance, Eigentum zu erwerben", sagt Fasco. Möglich machten dies die Fördermittel für die Sanierung, die derzeit niedrigen Zinsen und nicht zuletzt der starke Partner Parität.

Auch deshalb scheide eine Partnerschaft mit dem Kulturquartier aus, sagte Fasco: Das geplante Sanierungsniveau bewege sich bei dem Verein auf einer unteren Stufe. "Und wir brauchen ein Gebäude, das funktioniert", betonte Fasco.

Über den Parität-Chef Reinhard Müller, der auch im Vorstand der TLM sitzt, kam der Kontakt zustande. "Da Bürger-Radios und andere Mitgliedsorganisationen der Parität unsere Partner sind, ergeben sich auch Synergie-Effekte", sagt Johannes Haak, der ehrenamtliche Versammlungsvorsitzende.

"Jeder Tag, der vergeht, erschwert das Projekt" sagt Fasco. Und wenn es nicht klappen sollte? "Dann war es einen Versuch wert", meint der Direktor.