Mitgliederschwund der Kirchen hält sich noch in Grenzen

Das Bekanntwerden immer neuer Missbrauchsfälle hat in Thüringen bislang nicht zu vermehrten Kirchenaustritten geführt. Die schwindende Zahl der Gemeindemitglieder hat vielmehr demografische Ursachen. Auch die Kirchensteuer wird als Austrittsgrund genannt.

Die Kirchenaustritte in Deutschland halten sich nach dem Bekanntwerden von Missbrauchsfällen an Kindern in Grenzen. Foto: ddp

Die Kirchenaustritte in Deutschland halten sich nach dem Bekanntwerden von Missbrauchsfällen an Kindern in Grenzen. Foto: ddp

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Erfurt. Evangelische und katholische Kirche verlieren in Thüringen weiter ein bis zwei Prozent ihrer Mitglieder pro Jahr - deutlich weniger als noch 1991/92, als es im Freistaat fast 40.000 Austritte gab. 2010 wird sich der Schwund wohl nicht verstärken - trotz hunderter Fälle von Kindesmissbrauch durch katholische Priester. "In den Gemeinden wird heftig diskutiert", sagt Peter Weidemann, Sprecher des Bistums Erfurt. Doch eine Abkehr von der Kirche oder gar vom Glauben sei keine Alternative. Hauptursache für die Austritte sei vielmehr die vermeintlich zu hohe Kirchensteuer.

Diese ist auch laut der seit März vergangenen Jahres zuständigen Standesämter Austrittsgrund Nummer eins. In Erfurt und Jena kehrten in den vergangenen zwölf Monaten 342 bzw. 233 Gläubige der Kirche den Rücken – kaum mehr als in den Jahren zuvor. Die katholische Hochbug Heiligenstadt hat seit Bekanntwerden der Skandale nur sechs Austritte zu verzeichnen, Leinefelde keinen einzigen.

Dass die Zahl der Thüringer Katholiken seit 1990 von rund 250.000 auf unter 180.000 gesunken ist, liegt laut Statistischem Landesamt vor allem an Todesfällen und Abwanderung. Lediglich 15.000 Gläubige gingen in diesem Zeitraum durch Austritte verloren. Die Zahl der Thüringer Protestanten ist von über 850.000 im Jahr 1991 auf nunmehr 531.000 gefallen.