Mitten in Erfurt: Abgeschnitten von Telefon, Internet und Fernsehen

Erfurt.  In den Neubauten in der Neuerbe hatten etwa 70 Mieter über eine Woche lang keine mediale Verbindung zur Außenwelt.

Das Neubauprojekt Neuerbe in Erfurt.

Das Neubauprojekt Neuerbe in Erfurt.

Foto: Marco Schmidt

Am Montag, dem 2. November, wurde es in der Neuerbe 1 bis 4 plötzlich zappenduster. Fernsehen –Fehlanzeige. Internet – tot. Telefon – stumm. „Medial waren wir plötzlich komplett abgeschnitten“, sagt Ralf Hüttner, der in einem der Neubauten, die im Vorjahr fertig wurden, eine Wohnung gemietet hat. Besonders bitter für ihn, weil Hüttner im Homeoffice seine Firma führen muss. Der selbstständige Kaufmann handelt mit Möbeln für Krankenhäuser und Altenheime. Besser gesagt, er handelte.

Viele Mieter im Homeoffice wohl Ursache der Störung

Denn acht Tage lang ging gar nichts. Auch bei den etwa 70 anderen Mietern, die ebenfalls im Homeoffice arbeiten mussten oder bei Studenten, die online studieren, herrschte totale Funkstille. Anrufe beim Vermieter, der GWH Frankfurt, der künftig auch die Wohnungen im Posthof vermietet, liefen ins Leere.

Bereits bei ersten baulichen Mängeln in den etwa 70 Wohneinheiten nach Einzug seien die von ebenjenem Hausmeister zwar aufgenommen, aber nicht behoben worden. Schon im Juli habe man z.B. schriftlich bemängelt, dass die Platten auf der Terrasse mangelhaft verlegt seien und die Spalten immer größer würden. Bis jetzt habe sich nichts getan. Der Hausmeister habe lediglich Fotos gemacht. Mit der Folge, dass die Verschiebungen der Platten immer größer würden und nun Unfallgefahr bestehe.

Als Konsequenz habe Hüttner am 9. November schriftlich der GWH die Einzugsermächtigung für die Miete widerrufen. Vor einigen Wochen habe es außerdem auch einen abendlichen Stromausfall gegeben, erinnert sich Ralf Hüttner. Beim Anruf der Nachtnotrufes habe man ihm bedeutet, er solle sich mit seinem örtlichen Stromanbieter in Verbindung setzen. Der ganze Ärger werde auf dem Rücken der Mieter ausgetragen, so Ralf Hüttner. Hilfesuchend wandte sich der 61-Jährige an die Zeitungsredaktion.

In der hessischen Wohnungsgenossenschaft fühlte sich offenbar keiner zuständig für die mediale Havarie. Ein eingesetzter Hausmeister aus Bad Hersfeld, der einmal wöchentlich auftaucht, vertröstete wenig tröstlich.„Es kann sich noch ein paar Tage bis Wochen hinziehen“, hat er mir am Telefon gesagt, empörte sich Mieter Hüttner. Das passe ins Bild, sagt er.

Auf unsere Anfrage per E-Mail wurde am 10. November geantwortet. Der Neubau habe aktuell kein Netz, da eine Kabelnetzstörung seitens Kabel Deutschland/Vodafone vorliege, teilte Ozan Halici, Abteilungsleiter Unternehmenskommunikation/Marketing bei GWH, mit.

Bauliche Mängel soll Generalunternehmer beheben

Der hausinterne Kabeldienstleister Immomedianet wisse seit 4. November 2020 von der Störung und habe sie am gleichen Tag an Vodafone weitergemeldet. Am Montag sei dann ein Techniker vor Ort gewesen und habe ein Leistungsproblem diagnostiziert, das wahrscheinlich im Zusammenhang mit der erhöhten Nutzung durch das Homeoffice zustande komme, so Ozan Halici. Zwar sei ein Eingangssignal da, dies sei aber zu schwach, sodass ein Verstärker installiert werden müsse. Der Techniker wolle im Laufe des Dienstags (7. November) noch einmal anrücken und den benötigten Verstärker installieren. Was dann wohl auch passiert ist.

Einige Tage später, am 12. November, antwortet die GWH durch eine Frau Angelika Schalle-Weindok auf die Reklamation der Terrassenschäden, es handle sich um „technische Sachfragen“ und Hüttners mögen sich damit doch an den Hausmeister wenden.

Am gleichen Tag schreibt GWH-Sprecher Halici: „Die Behauptung des Stromausfalls konnte nach Rücksprache mit anderen Mietern nicht bestätigt werden. Die Vorgehensweise der Kollegen bei einem Stromausfall auf den örtlichen Stromanbieter zu verweisen ist absolut korrekt, da wir als Vermieter technisch keine Stromprobleme lösen können“.

Und zum Thema Reklamation: „Bauliche Mängel im Neubau stehen auf einer Mängelliste und werden seitens des Generalunternehmers sukzessive abgearbeitet. Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen müssen wir dem Unternehmen für die Behebung aller Mängel zunächst eine gewisse Zeit einräumen, bevor wir als Vermieter aktiv werden“.

Ralf Hüttner ist nun wie die anderen Mieter auch wieder am medialen Netz angeschlossen. Dennoch ist er stocksauer. „Die Art und Weise des Umgangs mit den betroffenen Mietern ist aus meiner Sicht unzumutbar“, macht er seinem Unmut Luft. Das lasse für die Zukunft nichts Gutes erwarten.

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