Mönchskutte blieb auf Kuba

Erfurt  Damian Link gehört zur ersten Stammbesetzung des neu zu gründenden Konvents „St. Martin von Tours“ der Augustiner

Bruder Damian Link band sich zunächst mit einem zeitlichen Gelübde für ein Jahr an die augustinische Gemeinschaft unter dem Dach der evangelischen Reglerkirche.

Bruder Damian Link band sich zunächst mit einem zeitlichen Gelübde für ein Jahr an die augustinische Gemeinschaft unter dem Dach der evangelischen Reglerkirche.

Foto: Heidrun Lehmann

Vor der Frage, ob er den Habit mit einem Bettler teilen würde, habe er noch nicht gestanden. Aber seine Mönchskutte samt Schulterüberwurf ließ er im Rahmen seines Noviziats auf einer Reise nach Kuba bei den dortigen Brüdern, damit sie eine Augustinus-Figur damit feierlich einkleiden können, erzählt Damian Link. Der 30-Jährige gehört zur ersten Stammbesetzung der seit drei Jahren bestehenden augustinischen Gemeinschaft unter dem Dach der evangelischen Reglerkirche, die am kommenden Montag, 11. November, als Konvent „St. Martin von Tours“ begründet wird.

Der vielseitig gebildete Bruder Damian erlebt damit zum ersten Mal eine solche Zeremonie, die dem heiligen Martin anlässlich dessen Festtages gewidmet ist und dem Schutzpatron der Stadt Erfurt eine besondere Ehre zuteil werden lässt. Zumal die entsprechende Abendmesse von Erfurts Bischof Dr. Ulrich Neymeyr und Provinzial Pater Lukas Schmidkunz OSA (Ordo Sankti Augustini) zelebriert wird.

Persönliche Freiheit für „Neuen“ ein hohes Gut

Augustiner-Bruder Damian folgte einem Ruf von Pater Jakob, der mit den Augustinermönchen Jeremias und Pius Ende 2016 das regelrecht revolutionäre ökumenische Projekt mit der evangelischen Reglergemeinde ins Leben rief. Als „Neuer“ beendete Damian Link Anfang Oktober sein Noviziat und siedelte in die hiesige Gemeinschaft um. Er bringt einen reichen Wissensschatz mit, denn der aus dem badischen Odenwald stammende erste Sohn einer Bäckerfamilie studierte Philosophie, Psychologie, Pädagogik, Theologie und Religionswissenschaften. Theologie allerdings nur in den Anfängen, denn Latein, Altgriechisch und Hebräisch sagten ihm weniger zu. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Erfurt lehrt Damian Link, wie Inklusion unter sonderpädagogischer Perspektive verwirklicht werden kann. Eine halbe Stelle ist dem Exerzitienwerk im Bistum Erfurt vorbehalten. Außerdem wirkt er weiterhin an einem Tag in der Woche an der Würzburger Universität, wo er angehende Ärzte in Psychologie unterrichtet und Theologiestudenten in Ethik. Bruder Damian unterzog sich einem längeren Klärungsprozess mit den Mitbrüdern, inwiefern sich berufliches Wirken mit den Regeln des Ordenslebens in Einklang bringen ließe. Er sei sehr froh, dass ihm die Augustiner diese Freiheit erlaubten. In persönlicher Freiheit sieht der junge Mann ein sehr hohes Gut. Zu dieser Erkenntnis sei er plötzlich während der Schulzeit gelangt. Legte er zunächst den Hauptschulabschluss ab, bot ihm das weiter führende Lernen diese ersehnte Freiheit.

Während er frühzeitig in den arbeitsreichen Alltag einer Familienbäckerei eingebunden war, erlaubte ihm der nächste Weg vom Realschulabschluss hin zum Abitur an einem beruflichen Gymnasium genau das. Wobei ihm die Eltern sowohl im Beruflichen als auch im Glauben immer die Wahl ließen, wie er dankbar erwähnt. Im Übrigen sei das Miteinander in einem Mehrgenerationenhaus mit all seinen kleinen und größeren Konflikten in seiner Heimat, aus der anfangs nicht weg wollte, eine gute Vorbereitung auf das Ordensleben gewesen, flocht der 30-Jährige ein. Unter dem Dach der evangelischen Reglerkirche widmet Bruder Damian nun sein Leben bei den Augustinern als Seelsorger und Gestalt-Therapeut. Ökumene in dieser Form erlebt er ebenfalls zum ersten Mal, wenngleich er während seines Noviziats in Würzburg in einem interreligiösen Gesprächskreis mitwirkte, wie er wissen ließ. Zudem feierte er jeweils zugleich Mai- und Marienandachten am ersten Tag des Wonnemonats.

Die Entscheidung, sich in Erfurt 2016 niederzulassen kam nicht von ungefähr, wie Pater Jeremias begründete. Reiche doch die Tradition der Augustiner bis ins 12. Jahrhundert zurück, als 1130 die regulierten Augustiner Chorherren mit dem Bau einer romanischen Stiftskirche, deren Wurzeln an anderer Stelle der Stadt lagen, auf dem Areal der heutigen Reglerkirche begannen. Zudem sei die Verbindung des Bettelordens durch den Augustiner-Freundeskreis bis in die Gegenwart aufrecht erhalten worden. Nicht zuletzt, so schlug Pater Jeremias den Bogen, haben „wir, die Augustiner“, einen Martin Luther ausgebildet.

Feierliche Zeremonie zur Begründung des Konvents „St. Martin von Tours“: Montag, 11. November, 19 Uhr, Abendmesse in der evangelischen Reglerkirche

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