Nach Entlassung des Trainers: Wie es bei Rot-Weiß Erfurt weitergeht

Erfurt.  Nach nur 17 Monaten trennen sich die Wege von Thomas Brdaric und dem FC Rot-Weiß Erfurt. Nun soll Robin Krüger übergangsweise helfen.

Abgang besiegelt: Trainer Thomas Brdaric wurde gestern freigestellt.

Abgang besiegelt: Trainer Thomas Brdaric wurde gestern freigestellt.

Foto: Sascha Fromm

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Als Robin Krüger am Mittwoch um 16.40 Uhr die erste Trainingseinheit als Interimstrainer des FC Rot-Weiß Erfurt beendete, brach über dem gepflegten Rasen im Cyriaksgebreite längst die Dämmerung herein. Die Trennung von Cheftrainer Thomas Brdaric soll die Talfahrt des nun auch sportlich ins Schlingern geratenen Fußball-Regionalligisten stoppen und den Viertligisten aus den düsteren Tabellenregionen herausführen. „Ich war am Morgen gerade auf dem Weg zum Training mit der U19-Mannschaft, als ich einen Anruf erhielt“, sagte der 30-Jährige, der auf der Stelle in die Kanzlei von Insolvenzverwalter Volker Reinhardt fuhr.

Dort wurde Krüger gebeten, gemeinsam mit Torwarttrainer Rene Twardzik vorübergehend die Mannschaft zu übernehmen, nachdem er noch am Tag zuvor an der Seite von Thomas Brdaric auf dem Platz stand. 24 Stunden später leitete er die erste Einheit in neuer, vorübergehender Funktion. „Ich bin zufrieden, wie alle Spieler mitgezogen haben. Unser Ziel muss es sein, wieder zurückzukommen“, sagte Krüger, nachdem der FC Rot-Weiß mit nur drei Siegen in 15 Punktspielen auf Rang 15 abgestürzt war und damit nun sogar gegen den Abstieg in die Oberliga kämpfen muss.

Krüger sieht sich als Mann des Übergangs

Am Mittag hatte sich Brdaric von der Mannschaft verabschiedet, die am Vormittag bereits ohne ihn in einem Fitnessstudio schuftete. Der Ex-Nationalspieler zeigte sich von seiner Demission wenig überrascht; wollte sich allerdings öffentlich nicht äußern. Dann stand schließlich wenige Stunden später nun Robin Krüger vor der Mannschaft und schwor die Kicker in einer fünfminütigen Ansprache auf die neue Situation ein. Der junge Interimstrainer legte viel Wert darauf, die Spieler aufzubauen und auch für kleine Fortschritte zu loben. „Die Abläufe klappen schon besser“, rief Krüger zum Beispiel über den Platz und ließ nach Erwärmung mit und ohne den Ball in verschiedenen Übungsformen mit hohem Tempo immer wieder das schnelle und geradlinige Spiel nach vorn üben. Nicht ohne Grund. Vor allem in der Offensive offenbarte Erfurt mit bislang lediglich 15 Regionalliga-Toren erschreckende Schwächen.

Krüger sieht sich als Mann des Übergangs und hat in diesen Tagen nur ein Ziel vor Augen. Mit dem FC Rot-Weiß will er am Sonntag im Duell beim SV Ehrenhain, dem Tabellenzweiten der Verbandsliga, in das Halbfinale um den Landespokal einziehen: „Ich denke nur bis zu diesem Spiel am Sonntag. Dort wollen wir gewinnen. Was danach passiert, darüber mache ich mir im Augenblick keine Gedanken.“

Fans forderten Entlassung des 44-Jährigen

Noch am Montag hatte der neue GmbH-Geschäftsführer, Michael Krannich, gegenüber der Thüringer Allgemeinen erklärt, Brdaric bleibe im Amt. Doch zahlreiche Gespräche, auch mit Teilen der Mannschaft, führten offensichtlich zu einem Umdenken der Vereinsführung und schließlich zur Freistellung des Ex-Nationalspielers. Dessen Vertrag läuft noch bis Juni 2020. „Wir haben es uns nicht leicht gemacht; viele Runden gedreht, Meinungen eingeholt und alles hinterfragt“, beschreibt Krannich die aufregenden letzten Tage.

Am Ende waren die Club-Oberen nicht mehr der Überzeugung, dass Brdaric das schlingernde Rot-Weiß-Schiff wieder auf Kurs bringen kann. Bei der blamablen 0:4-Niederlage am vergangenen Sonntag in Lichtenberg verließen große Teile des Erfurter Anhangs demonstrativ vorzeitig ihren Block und forderten die Entlassung des 44-Jährigen.

Die ersten Bewerbungen sind beim Verein eingegangen

Trotz der katastrophalen Bilanz mit bislang nur 14 Punkten und Tabellenplatz 15 sieht der Insolvenzverwalter nicht den Abstieg als Drohkulisse. „Wir wollen versuchen, einen guten Mittelfeldplatz zu erreichen“, sagte Reinhardt. Wer diese Ziele als neuer Cheftrainer umsetzen soll, entscheidet sich wohl noch nicht in dieser Woche. Bis dahin haben Krüger und Twardzik das Sagen. „Wir haben volles Vertrauen in die beiden und werden uns parallel mit einem neuen Cheftrainer beschäftigen. Bislang hatten wir noch zu niemandem Kontakt“, sagte Geschäftsführer Krannich. Der Insolvenzverwalter erklärte am Rande der Übungseinheit, dass schon kurz nach Bekanntwerden der Entscheidung die ersten Bewerbungen beim Verein eingegangen sind. „Das zeigt uns, dass Rot-Weiß Erfurt nach wie vor eine reizvolle Adresse ist“, sagt Geschäftsführer Krannich. Mit Reinhardt und Investor Franz Gerber, der als künftiger Sportdirektor gehandelt wird, will er die Lage sondieren: „Wir suchen einen jungen Trainer, der Erfahrungen mindestens in der Regionalliga vorweisen kann.“ Ob der neue Mann im nächsten Punktspiel am 23. November gegen Tabellenführer VSG Altglienicke auf der Trainerbank sitzen wird, ließ er offen. Man wolle einen Schnellschuss vermeiden, sagte er.

Als die Spieler derweil nach der ersten Einheit ohne Thomas Brdaric zurück in die Kabine kamen, war es draußen längst dunkel geworden. Nun liegt es an ihnen, für sportliche Lichtblicke zu sorgen.

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