Schwimmhalle in Dachwig: Seit 30 Jahren wird vergeblich eine Nutzung gesucht

Dachwig.  Immobilie ohne Zukunft: Das Becken der 1989 in Dachwig eröffneten Schwimmhalle wurde nur für den Festakt einmal kurz mit Wasser gefüllt. Genutzt wurde sie danach nur als Lager, sie wurde nie komplett fertiggestellt.

Seit Jahren wird immer wieder über den Abriss der inzwischen ungeliebten Immobilie nachgedacht.

Seit Jahren wird immer wieder über den Abriss der inzwischen ungeliebten Immobilie nachgedacht.

Foto: Hartmut Schwarz

Die zwei Nadelbäume, die einst zur Eröffnung gepflanzt wurden, sind inzwischen so hoch gewachsen, dass sie die gesamte Fassade verdecken. Der Schriftzug „Hallenbad“ wird demnächst auch nicht mehr zu lesen sein. Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Die Nadelbäume und die Koniferen an der Gebäudeseite wurden zur Eröffnung gepflanzt – vor 30 Jahren.

Um die Bevölkerung „bei der Stange“ zu halten, war geplant, in jedem Landkreis der DDR eine Schwimmhalle zu bauen. Im Erfurter Landkreis sollen dafür zwei Gemeinden in die engere Wahl gekommen sein. Neben Dachwig noch Neudietendorf.

Der Dachwiger Bürgermeister Alfred Just nutzte damals die Gunst der Stunde, nachdem in Neudietendorf gezögert wurde. Am 7. Oktober 1989 lud er nach Dachwig zur Eröffnung der Schwimmhalle, am 40. Jahrestag der DDR wurde gefeiert.

16 Monate wurde an der Halle gebaut, 3,8 Millionen DDR-Mark wurden dafür zur Verfügung gestellt – inklusive einer Bevorzugung bei der Materialbeschaffung.

Das Datum war für die Eröffnung gesetzt – ein Parteibeschluss. Kleinere Mängel wurden deswegen zur Seite gelegt. Schließlich sollte zur Eröffnung nicht nur die SED-Kreisleitung, sondern auch Delegationen aus Ungarn und Bulgarien beeindruckt werden.

Als „hohler Vogel“ wurde die Halle alsbald zum Lagerraum

Der „kleine Mangel“ bei der Eröffnung des Dachwiger Hallenbades war die noch fehlende Wasseraufbereitungs- und Heizanlage. Das Schwimmbecken konnte nicht genutzt werden. Das wurde verschwiegen – stattdessen das Becken für die Eröffnung mit Wasser gefüllt. Den traditionellen ersten Sprung ins kühle Nass hat es aber trotzdem nicht gegeben.

Jens Panse, heute unter anderem Vorsitzender des Erfurter Uni-Sportvereins, war damals dabei. 1989 nach seinem Studium als Lehrer für Mathe und Physik an die Schule nach Dachwig versetzt, ließ er sich das Spektakel nicht entgehen. Mit dem Schwimmmeisterschein in der Tasche wollte er eigentlich gemeinsam mit Schwimmmeister Jörg Rauschenberg den Sprung wagen – bei nur 13 Grad Wassertemperatur haben beide verzichtet...

Und am Tag nach der Eröffnung wurde das Wasser wieder abgelassen, eine Bauunterbrechung verkündet – bis die noch fehlende Anlage geliefert werden kann. Erst 1992 gab es aus Chemnitz ein Angebot für die Wasseraufbereitung. Ein Angebot, dass sich die Gemeinde nicht leisten konnte. Auch die einst neben Schwimmbad und Schwimmhalle geplante Wohnung für den Schwimmmeister wurde wieder zu den Akten gelegt.

Fortan war die Halle nur noch ein „hohler Vogel“. Denn die einzige Hoffnung auf eine künftige Nutzung scheiterte unter anderem an den Ausmaßen des Schwimmbeckens. Als das Bad Anfang der 1990er-Jahre dem Erfurter Sportclub Turbine angeboten wurde, wurde dankend abgelehnt. Denn das Bad ist nur 17,95 Meter lang – für regelkonforme Wettkämpfe bräuchte es 25 Meter.

Die Schwimmhalle ist für den Ort inzwischen nur noch ein Klotz am Bein, erklärt Bürgermeister Volker Aschenbach. Vergeblich habe man in den vergangenen Jahren versucht, eine Nutzung für das Gebäude zu finden. Von Beginn an wurde die Halle lediglich zur Lagerung genutzt. Auf die unterschiedlichste Art. Erst war es eine Möbel-Design-Firma, danach wurde von Gaststätten Mobiliar gelagert – zur Zeit ist es der Faschingsclub, der unter anderem seine Kulissen und Bestuhlung in der Halle abgestellt hat.

Zurückblickend sei die Halle bereits am Tag nach der Eröffnung Geschichte gewesen. Das Ende der DDR, die Deutsche Einheit und die damit verbundenen marktwirtschaftlichen Veränderungen haben eine Fertigstellung und einen Betrieb der Schwimmhalle unmöglich gemacht. Hätte es die DDR überlebt, da ist sich der Bürgermeister sicher, wäre die Halle irgendwie, irgendwann in Betrieb gegangen – per Parteibeschluss.

Eine Zukunft für die Halle kann Volker Aschenbach nicht erkennen. Es laufe darauf hinaus, dass sie abgerissen wird. Schon wegen des Asbest-Daches. Vorausgesetzt, der Abriss geht nicht zu Lasten der Gemeinde. Ohne eine Förderung sei dies bei der derzeitigen Haushaltslage nicht zu stemmen. Die Gemeindekasse sei bereits durch das angrenzende Freibad gefordert, das demnächst rundum saniert werden soll.

Wunsch der Gemeinde sei es, dass der Platz irgendwann einmal für altersgerechtes Wohnen genutzt wird – dem Bedarf entsprechend. Im Idealfall findet sich ein Träger, der auch den Abriss mit übernimmt. Nach 30 Jahren hätte sich die Stimmung im Ort jetzt geändert, weiß Volker Aschenbach. Als er 2004 als Bürgermeister angetreten ist, war im Ort immer noch die Hoffnung zu spüren, dass irgendwie doch noch etwas aus dem Hallenbad wird.

Viele Einwohner des Dorfes hatten vor der Wende ungezählte freiwillige und unentgeltliche NAW-Stunden (Nationales Aufbauwerk) absolviert – mit dem festen Glauben, dass nicht alles umsonst gewesen ist. Lange hatte in der Gemeindevertretung deshalb niemand gewagt, von Abriss zu reden. Die einstigen Mitstreiter allerdings wurden älter, haben inzwischen losgelassen, und der nächsten Generation fehlt die persönliche Bindung.

Zumal bald der Schriftzug „Hallenbad“ komplett hinter den Bäumen verschwunden sein wird...