Neue Ideen für zukünftige Veranstaltungen in Erfurt in Coronazeit

Erfurt.  Durchdachtes Hygienekonzept im Kaisersaal soll Besucher von der heimischen Couch holen.

Kai Grün ( Programmchef des GEC ) und Thomas Günther (Geschäftsführer Erfurter Kaisersaal )

Kai Grün ( Programmchef des GEC ) und Thomas Günther (Geschäftsführer Erfurter Kaisersaal )

Foto: Marco Schmidt

Zollstock, Klebepunkte, Richtungspfeile, Handdesinfektionsspender, verschiedene Tischkombinationen und Bestuhlungen, Planungssoftware und ein QR-Code am Einlass -- der Kaisersaal ist bestens vorbereitet auf Veranstaltungen jeder Art. Doch bisher zeigen sich die Erfurter zurückhaltend. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenfreien Corona-Liveblog.

„Neulich hatten wir eine Veranstaltung mit 260 verkauften Karten. Gekommen sind nur 120 Besucher, da war für mich ein Schock", sagt Thomas Günther, der Geschäftsführer des Kaisersaals. „Es bestehen immer noch Angst und Unsicherheit bei den Leuten.“

Diese Gefühle zu mindern oder besser noch, zu nehmen, ist großes Anliegen des Kaisersaalchefs. Hinter ihm und seinem Team liegen schwierige Wochen. Eigentlich, so berichtet er, seien Investitionen in diesem Jahr angedacht gewesen. „Das Geld stecken wir nun ins Überleben.“

Für die Gemeinschaft Erfurter Carneval (GEC), die hier seit 26 Jahren den Karneval feiert, steht fest: „Der Kaisersaal hat das sicherste Hygienekonzept für uns“, sagt GEC-Programmchef Kai Grün. Gemeinsam mit Thomas Günther geht er durch den Saal, rechts an der Bühne vorbei in den hinteren Bereich, dahin wo die Garderoben sind.

Für dieses Areal gibt es ein eigenes Hygienekonzept. Bei den Karnevalsveranstaltungen beispielsweise ist genau geregelt, wer wann welche Garderobe betritt, wie lang die Gruppe sich darin aufhalten muss und wann sie wieder raus muss.

„Wir werden einen Bühnen- und einen Garderobenkoordinator haben, die sich darum kümmern, dass sich alle an die Regeln und Zeiten halten“, sagt Kai Grün. Der Ameiseneffekt, also alle auf einen Haufen, müsse vermieden werden. „Es wird keine zehn Tanzgruppen in einer Veranstaltung geben.“ Der Zeitplan für die Garderobe wird stimmig sein mit dem Bühnenplan.

Angedacht ist, die Abende ähnlich der Abidinner zu gestalten, sprich die Besucher werden an Zehnertischen sitzen. Insgesamt passen bei dieser Bestuhlung 304 Gäste in den Kaisersaal, davon 78 auf dem ersten und 62 auf dem zweiten Rang. „Wir haben immer für ausreichend Abstand zu sorgen und das machen wir auch“, sagt Thomas Günther. Die Konzepte sind vom Gesundheitsamt abgesegnet. Er könne verstehen, dass die Menschen noch vorsichtig sind, schließlich habe jeder ein anderes Sicherheitsempfinden.

Doch der Kaisersaal unternehme sogar mehr, als gefordert ist. So werden die Tickets verschickt, sie enthalten einen QR-Code, damit sich der Gast schon vorab registrieren kann. Wer keinen Onlinezugang hat, kann dies auch beim Einlass vornehmen. Jedes Ticket könne einer Person zugeordnet werden.

Bei den Karnevalsveranstaltungen beispielsweise sind die Stühle personalisiert. „Während der Prinzenhymne dürfen die Besucher natürlich aufstehen, aber sie müssen bei ihrem Stuhl bleiben“, sagt Kai Grün. Eine Bar werde es nicht geben, die kleinen Speisen sollen in einem der Salons und nicht im Treppenhaus verkauft werden. Auch hinter der Bühne werden alle registriert, samt Check-In und -Out-Zeit.

So tragisch und dramatisch die Folgen des Lockdowns auch sind, ein positiver Nebeneffekt ist die Kreativität. So gab es einige Ideen, die aufgrund von Auflagen entstanden waren -- und über deren Fortbestand nun nachgedacht wird. Thomas Günther nennt als Beispiel die Jugendweihefeiern. Familien sitzen zusammen -- ohne dass beim Einlass jeder Gast als erster im Saal sein will, um ein paar Stühle nebeneinander zu ergattern. „Es geht ruhiger und gesitteter zu“, sagt er lachend.

Geleert werde der Saal ebenfalls nach einem Plan, ähnlich wie im Flugzeug, wenn erst die hinteren Reihen ein- und aussteigen. „Vieles ist einfach eine Organisationsfrage. Sicher, es wird vieles anders werden, aber das heißt nicht, dass es schlechter wird. Im Gegenteil, es kommen Ansätze zum Tragen, die wir seit Jahren besprechen“, sagt Kai Grün abschließend.

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