Ölfilm auf der Gera: Hausbesitzer spült gedankenlos Öltank

Molsdorf.  Der Verursacher eines kilometerlangen Ölfilms auf der Gera konnte in Molsdorf ermittelt werden. Es wird für ihn ein teurer Fehltritt.

Ein Kamerad der Erfurter Berufsfeuerwehr legt Sperren auf die Gera, um den ölig schimmernden  Film aufzuhalten.

Ein Kamerad der Erfurter Berufsfeuerwehr legt Sperren auf die Gera, um den ölig schimmernden Film aufzuhalten.

Foto: Stadtverwaltung

„Es war einer der größten Einsätze der letzten Jahre“. Das Fazit von Henning Leiteritz fällt überaus nüchtern aus. Dessen ungeachtet war vor Wochenfrist die Aufregung ungleich größer. Ein Ölfilm auf der Gera zwischen Bischleben und Molsdorf. Auf etwa vier Kilometern Länge. Und das gleich zwei Mal. Am Freitag und am Sonntag.

Leiteritz ist Abteilungsleiter im Erfurter Umwelt- und Naturschutzamt. Am letzten Freitag klingelte um – akribisch vermerkt – 10.05 Uhr sein Telefon. Ein Radfahrer hatte beim Überqueren einer Gerabrücke in Bischleben einen öligen Film auf dem Wasser erspäht. 25 Minuten später war Leiteritz vor Ort. Er holte die Erfurter Berufsfeuerwehr, die mit 15 Kameraden anrückte, und die Freiwillige Feuerwehr Bischleben zu Hilfe. Man zog Proben der unbekannten Substanz und schickte sie ins Wasserlabor der Stadtwerke. Vor Ort war eine Analyse nicht möglich.

Feuerwehr legte Ölsperren aus

Eine Ergebnis sollte aber erst am Dienstag vorliegen. Um es vorwegzunehmen: es handelte sich um ein Spezialölprodukt, das in Druck- und Farberzeugnissen vorkommt oder als Binde- und Trennmittel verwendet wird. Toxisch ja. Aber nicht so hoch, dass Fauna und Flora in der Gera irreparablen Schaden genommen hätten. Das wusste am Freitag aber noch keiner. Die Feuerwehr legte Ölsperren aus.

Am Sonntag erneut Ölfilm auf der Gera

Am Sonntag wieder das gleiche Spiel. Alarm um 14.45 Uhr. Wieder hatte ein Passant die ölige Angelegenheit auf der Gera bemerkt. Leiteritz, der Bereitschaft hatte, rückte ebenso wie die Feuerwehr zum zweiten Male an.

„Optisch schien es mehr als am Freitag zu sein“, so seine Beobachtung. Die saugfähigen Ölsperren wurden verdoppelt. Und diesmal zog man auch noch den Entwässerungsbetrieb bei der Suche nach der Ursache der Gewässerverunreinigung zurate.

Die Spur führte nach Molsdorf. Man ließ keinen Gullydeckel ungeöffnet, fragte Passanten, Einwohner. Zwei Stunden lang. Dann wurden Polizei und Umweltamt fündig.

Öltank gedankenlos gespült

In einem Gehöft stand eine Gitterpalette mit einem großen Plastiktank. Von hier musste die noch unbekannte Flüssigkeit in den Regenwasserkanal gelangt sein. Die Polizei klingelte, der Hausbewohner staunte und fiel dann von einer Verlegenheit in die andere. Der Molsdorfer hatte wohl vor, den ominösen Tank als Regenwasserzisterne zu nutzen und ihn deswegen zwei Mal gründlich und gedankenlos gespült.

„Er war in dem Glauben, dass das eine biologisch abbaubare Flüssigkeit war, die man ohne weiteres ins Regenwassersystem leiten könne“, sagt Molsdorfs Ortsteilbürgermeister Michael Schönau, der mit dem Sünder sprechen konnte.

Der Mann sei, versichert Schönau, total schockiert, seit er sich der Tragweite bewusst geworden sei. Aber deswegen habe man es keineswegs mit einem gewissenlosen Umweltschänder zu tun. Schönau: „Das war ein einmaliger Ausrutscher.“

Teurer Ausrutscher

Und ein teurer. Nach Lage der Dinge muss der Verursacher den personell und materiell sehr aufwendigen Einsatz von Feuerwehr und Polizei bezahlen. Da könne schon eine ordentliche vierstellige Summe zusammenkommen, vermutet Henning Leiteritz. Der Abteilungsleiter der Unteren Wasserbehörde konnte übrigens am Sonntag Entwarnung geben. Er hatte sich angeschaut, was da in dem Tank gelagert wurde und sofort mit dem Hersteller telefoniert. „Die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass der Schaden keine dauerhaften Auswirkungen hat“, sagt er. Hinzu komme dennoch eine Anzeige durch die „Umwelt-Kripo“ wegen Umwelt- und Gewässergefährdung.

Zehn bis 20 Mal im Jahr wird die Rufbereitschaft der Unteren Wasserbehörde alarmiert. Dass man den Verursacher, wie in Molsdorf, ermittle, passiere aber so gut wie nie, sagt Leiteritz bedauernd.