Pläne für Thüringens erste Bahnhofsmission in Erfurt werden konkreter

Erfurt  Noch fehlt es an Ehrenamtlichen und finanzieller Hilfe für „Engel am Zug“. Im Stadtrat gab es bereits 2012 erste Anfragen

Zwei Mitglieder der Freiwilligen-Initiative Bahnhofsmission Erfurt.

Zwei Mitglieder der Freiwilligen-Initiative Bahnhofsmission Erfurt.

Foto: H. Schönemann

Der Freistaat ist ein großer weißer Fleck auf der Karte deutscher Bahnhofsmissionen. In Thüringen gibt es bisher keine solche Einrichtung, die nächsten befinden sich in Leipzig, Bad Hersfeld, Göttingen und Hof.

Das soll sich bald ändern. Eine Initiativgruppe aus Christen verschiedener Konfessionen hat sich um Hubertus Schönemann gebildet. Der Theologe hat sich das Ziel gesetzt, Menschen im Umfeld des Bahnhofs offen und herzlich zu begegnen und kleinere Hilfeleistungen – beispielsweise beim Bedienen der Automaten oder der Hebebühnen für Rollstuhlfahrer – anzubieten.

Erste Erfahrungen sammeln die bisher neun Ehrenamtlichen bereits, indem sie regelmäßig am Bahnhof unterwegs sind. Während des Kirchentages meisterten sie ihren ersten Einsatz, waren an den Sonderzügen, die nach Wittenberg fuhren. Unterstützt wurden sie von Helfern Bayerischer Missionen.

"Eine Bahnhofsmission unterstützt nicht nur mobilitätseingeschränkte Reisende, sondern ist auch erste Hilfsadresse für Schutz, Gespräche und Weiterleitung ins Hilfenetz der Stadt. Insgesamt ist sie ein langfristiger Beitrag zu einer Stabilisierung und Willkommenskultur im Bahnhofsumfeld, insbesondere dann, wenn sie durch unterschiedliche religiös-weltanschauliche Motivationshintergründe ein Symbol für gelingende Kooperation und Integration verschiedener Menschen ist", fasst Hubertus Schönemann das Anliegen zusammen.

Den Begriff der Bahnhofsmission sieht er im weiteren Sinne, die Initiative nennt sich "Engel am Zug am Erfurter Hauptbahnhof". Die Trägerschaft soll ökumenisch sein. Seit einem Jahr treffen sich die Ehrenamtlichen alle 14 Tage im Bahnhof und kommen mit den Menschen dort ins Gespräch. Demnächst soll versucht werden, stabil den Freitagnachmittag abzusichern, langfristig ist eine Betreuung unter der Woche von 7 bis 18 und Sonntagnachmittag angestrebt. "Wir werden keine Übernachtung am Bahnhof anbieten", sagt Hubertus Schönemann. Einen Raum hat die Initiative im Bahnhof bisher nicht, jedoch ein paar Meter entfernt in der Bahnhofstraße. Dieser ist nicht für Besucherverkehr geeignet, sondern dient als Umkleide und Büro. "Wenn sich Träger an die Bahn wenden, weil sie eine Bahnhofsmission eröffnen möchten, müssen Räumlichkeiten vorhanden sein", sagt DB-Sprecherin Erika Poschke-Frost. "Die Initiative muss grundsätzlich von extern kommen." Kontakt zum Bahnhofsmanagement haben Hubertus Schönemann und seine Mitstreiter bereits aufgenommen.

Auch in den Stadtratsfraktionen stoßen sie auf Interesse. "Unser Ziel ist es, eine Stelle über die Stadt ermöglicht zu bekommen", sagt Hubertus Schönemann. Die CDU-Fraktion hatte schon im Jahr 2012 die Initiative ergriffen, um eine Bahnhofsmission in Erfurt zu etablieren. "Auch im Hinblick der Erweiterung der ICE City und auf die zu erwartenden Besucher der Buga wäre es angebracht, diese Maßnahme frühzeitig umzusetzen", heißt es in einer Stadtratsvorlage aus März dieses Jahres.

Auch bei der katholischen Kirche und im evangelischen Landesbüro sucht die Initiative Unterstützung.

Am Mittwoch, 14. Juni, findet um 18.30 Uhr in St. Lorenz, (Pilse 30) ein Informations-abend statt. Interessierte sind herzlich eingeladen.

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