Prozess um Schlägerei bei Erfurter Boxkampf: Ewige Auseinandersetzung um Übersetzungen

Erfurt  Am Amtsgericht Erfurt hat am Mittwoch ein mit Spannung erwarteter Prozess begonnen, bei dem fünf Männern gefährliche Körperverletzung vorgeworfen wird.

Nach Kampfende kam es außerhalb des Boxringes zu einer wilden Schlägerei. Fünf Männer sitzen auf der Anklagebank.

Nach Kampfende kam es außerhalb des Boxringes zu einer wilden Schlägerei. Fünf Männer sitzen auf der Anklagebank.

Foto: ZGT

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Am Amtsgericht Erfurt hat am Mittwoch ein mit Spannung erwarteter Prozess begonnen, der nach dem Willen der Staatsanwaltschaft Gera eigentlich am Landgericht Erfurt verhandelt werden sollte. Fünf Männer sind angeklagt. Ihnen wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Im Falle einer Verurteilung drohen den Angeklagten Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren.

Sie sollen nach einem Boxkampf in der Erfurter Messehalle den damals nicht im Ring stehenden Halbschwergewichtsboxer Karo Murat unmittelbar nach dem Kampf verprügelt haben. Im Ring hatte Arthur Abraham gegen Robin Krasniqi geboxt und gewonnen.

Die Staatsanwaltschaft wirft den fünf Männern aserbaidschanischer und armenischer Herkunft nun vor, den Geschädigten unmittelbar nach dem Boxkampf gemeinschaftlich attackiert zu haben. Nach ihm soll ein Absperrgitter geworfen worden sein. Auch Stühle flogen. Bilder dieser Zeitung dokumentierten seinerzeit die Auseinandersetzung.

Spuren führen zu einer Schießerei in Erfurt

Der Geschädigte erlitt eine Risswunde im Gesicht, die mit sieben Stichen genäht werden musste. Außerdem habe er über mehr als vier Wochen Schmerzen im Gesicht gehabt und mindestens einen Monat seiner Tätigkeit als Profiboxer nicht nachgehen können.

Spuren dieser Auseinandersetzung im April 2017 führen nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch zu einer Schießerei in Erfurt im Jahr 2014. Die Möglichkeit, dass dieser damals eskalierte Konflikt bei dem Boxkampf in Erfurt erneut ausgebrochen sei, bestehe, sagte Staatsanwalt Müller-Gründel am Rande des Prozesses.

Einem MDR-Bericht zufolge, sitzen nun mutmaßlich mindestens Teile eines armenischen Mafia-Clans auf der Anklagebank. Diese Hintergründe sind bisher aber nicht thematisiert worden, weil verschiedene Aussetzungsanträge der Verteidiger sowohl die Verlesung der Anklageschrift verzögerten als auch die Vernehmung des Geschädigten als Zeugen.

Verteidiger Stefan Böttcher äußerte bereits Zweifel an der Identität des Geschädigten. Sei er es selbst, der in Erfurt gewesen war? War es sein Bruder? Er sieht das nicht hinreichend ausermittelt und verweist ebenfalls auf die Schießerei 2014. Dort hätte „diese Person“ das Spiel schon einmal getrieben. „Ich habe keine Lust, mich wieder verarschen zu lassen“, so Böttcher wörtlich.

Seit dem Nachmittag sagt das mutmaßliche Opfer am Amtsgericht aus.

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