Prozess um Schlägerei in Erfurt: Verteidiger zweifeln an Aussage des Boxers

Erfurt  Der Prozess am Amtsgericht Erfurt um eine Schlägerei am Rande eines Boxkampfes im April 2017 in Erfurt nimmt langsam Fahrt auf – obwohl am zweiten Verhandlungstag keiner der geladenen Zeugen erschienen ist.

Der Angeklagte im Gerichtssaal.

Der Angeklagte im Gerichtssaal.

Foto: Fabian Klaus

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Dennoch: Erklärungen der Verteidiger beleuchteten die Aussage des Opfers, des Profiboxers Gero Murat , Künstlername Karo Murat. Der hatte in der vergangenen Woche zum Prozessauftakt Angaben zum Geschehen im April 2017 gemacht.

Fünf Männer sitzen im Saal, sieben auf der Anklagebank. Fünf Verteidiger betreuen sie. Verantworten müssen sich die Angeklagten wegen des Vorwurfes der gefährlichen Körperverletzung. Sie sollen am Rande eines Boxkampfes in der Erfurter Messehalle den Berliner Profiboxer Gero Murat verprügelt haben. Neben Fäusten flogen in jener Nacht auch Absperrgitter und Stühle.

Ein Zusammenhang zur bekannten Mafia-Schießerei in einer Erfurter Spielhalle im Jahr 2014 im Norden von Erfurt besteht sehr wahrscheinlich. Viele Indizien sprechen dafür. Ein Teil der jetzt Angeklagten musste sich deshalb bereits vor Gericht verantworten. Auch das jetzige Opfer steht mutmaßlich im Zusammenhang mit dieser Schießerei – vielmehr: sein Bruder Koko.

Prozess wird im September fortgesetzt

Nachdem Ermittler damals davon ausgegangen waren, dass der Boxer selbst in Erfurt gewesen ist, hatte dessen Bruder versichert, zwar in Erfurt gewesen zu sein, aber mit der Schießerei nichts zu tun zu haben.

Damals ebenfalls dabei: Robert M. Auch er musste sich vor Gericht verantworten für die Mafia-Schießerei. Die Gruppe um M. habe zur Gruppe von Murat in Rivalität gestanden, führt Rechtsanwalt Steffen Böttcher in einer Erklärung aus.

Das ist deshalb spannend, weil Gero Murat in der vergangenen Woche angegeben hatte, sich mit einem „Robert“ unterhalten zu haben im Rahmen des Boxkampfes.

Dann sei die Schlägerei losgebrochen. Auf den Fotos, die am zweiten Verhandlungstag gezeigt wurden, soll jener Robert M. am Rande der Schlägerei zu sehen sein, der sich im Jahr 2014 für die Schießerei verantworten musste.

Dass hier ein lange schwelender Streit erneut ausgebrochen ist, vermuten die Ermittler schon seit geraumer Zeit. Welche Rolle jener Robert M. bei der Schlägerei am Rande des Boxkampfes spielte? Bisher unklar. Die Hintergründe des Streits mutmaßlich rivalisierender armenischer Gruppen?

Der Prozess wird am 16. September fortgesetzt.

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