Prozessauftakt zur Schießerei an Erfurter Spielhalle

Erfurt  ...

Einer der elf Angeklagten mit seinen beiden Anwälten. Foto: Julius Jasper Topp

Einer der elf Angeklagten mit seinen beiden Anwälten. Foto: Julius Jasper Topp

Foto: zgt

Der Prozess um eine Schießerei in einer Erfurter Spielhalle im Juli vergangenen Jahres ist gestern im Erfurter Landgericht aufgenommen worden. Dabei soll ein Streit zwischen einem armenischen und einem tschetschenischen Familienclan eskaliert sein. Nach einer Auseinandersetzung in Leipzig sollen die elf angeklagten Armenier in die Erfurter Spielhalle gefahren sein, um das Opfer dort zu treffen.

Robert M., einer der elf Angeklagten, soll einem Mann aus Tschetschenien in den Kopf geschossen haben. Ein bislang Unbekannter soll weitere Schüsse auf das Opfer abgegeben haben.

Trotz der schweren Verletzungen entkam das Opfer mit einem Begleiter. Als die beiden flohen, sollen Robert M. und die beiden Angeklagten Tigran S. und Artur K. weiter geschossen haben. Die drei werden wegen versuchten Mordes angeklagt.

Die anderen Begleiter sollen ebenfalls auf die Flüchtenden gefeuert haben, waren allerdings nicht mit „echten“ Schusswaffen ausgestattet, sondern mit Luftdruck- und Schreckschusspistolen. Sie werden deshalb wegen „Bildung eines bewaffneten Haufens angeklagt“, was laut Staatsanwalt mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden kann.

Aus mindestens acht Waffen sollen 20 Schüsse abgegeben worden sein. Vollständig habe man die Hintergründe der Tat bislang nicht aufklären können, sagte der Staatsanwalt. Dass es sich um Mitglieder des organisierten Verbrechens handele, liege allerdings auf der Hand.

Angeklagter in Armenien verhaftet worden

Die Verhandlung dürfte eine der größten der Erfurter Kammer in den letzten Jahren werden: Über 20 Anwälte vertreten die elf Angeklagten, die – wie der Staatsanwalt sagte – aus den ehemaligen sowjetischen Staaten stammen. Vorerst sind acht Verhandlungstermine bis Mitte Juli vorgesehen.

Die Sicherheitsvorkehrungen überschreiten das übliche Maß im Erfurter Landgericht um einiges: Dutzende Beamte, teils mit Maschinenpistolen ausgestattet, umstellen den Gerichtssaal, tasten Besucher ab und kontrollieren Ausweise.

Zwei der Angeklagten sind gestern nicht zum Prozess erschienen. Sie befinden sich zur Zeit wohl noch in Armenien, hatten allerdings über ihre Anwälte signalisiert, an der Verhandlung teilnehmen zu wollen. Einer der beiden ist laut seines Anwalts in der Landeshauptstadt Jerewan verhaftet worden, als er in den Flieger Richtung Deutschland steigen wollte.

Offenbar lag gegen ihn noch ein internationaler Haftbefehl wegen der Vorkommnisse in Erfurt vor. Er sei inzwischen aus der Haft entlassen worden und auf dem Weg nach Erfurt, teilte sein Anwalt mit. Die beiden noch fehlenden Angeklagten hatten freies Geleit zum Prozess in Erfurt beantragt. Eigentlich hätte an diesem ersten Verhandlungstag die Anklageschrift verlesen werden sollen. Allerdings wurde das durch eine Flut von Anträgen der Verteidiger und die Abwesenheit der zwei Angeklagten verhindert.

Anklageschrift wird nächste Woche verlesen

Der Anwalt des Angeklagten Robert M., der dem Opfer in den Kopf geschossen haben soll, verlangte etwa, dass fehlende Akten an seinen Mandanten herausgegeben werden sollen. Zudem kritisierte er die Haftbedingungen in der Justizvollzugsanstalt und die seiner Ansicht nach zu harschen Sicherheitsvorkehrungen im Gerichtssaal. Die schreckten die Öffentlichkeit vom Prozess ab.

Das Gericht entschied sich schließlich, mit der Verlesung der Anklageschrift bis zum nächsten Termin am kommenden Dienstag zu warten, da dann möglicherweise auch die beiden noch fehlenden Angeklagten eingetroffen sein könnten.