Rechte Symbole auf Erfurter Weihnachtsmarkt verkauft

Erfurt.  Auf dem Weihnachtsmarkt in Erfurt können an einem Stand rechte Symbole gekauft werden. Laut Stadt sei alles legal und auch der Händler versteht die Aufregung nicht.

Auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt werden an einem Stand keltische Ornamente verkauft, die auch als Ersatzsymbole für Anhänger rechten Gedankengutes bekannt sind.

Auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt werden an einem Stand keltische Ornamente verkauft, die auch als Ersatzsymbole für Anhänger rechten Gedankengutes bekannt sind.

Foto: Marco Schmidt

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Keltische Ornamente und andere Holzschnitzereien, die auch als legale Ersatz- und Erkennungssymbole für die Anhänger rechten Gedankengutes bekannt sind, werden an einem Stand auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt verkauft. Dazu gehören die „Schwarze Sonne“, das Eiserne Kreuz oder der Reichsadler. Ein kreuzförmiges Ornament aus vier Drachenköpfen erinnert auf den ersten Blick an die Form des Hakenkreuzes.

„Als ich bei einem Gang über den Weihnachtsmarkt sah, dass dort solche Symbole verkauft werden, ist mir das übel aufgestoßen“, meint ein Student für internationale Beziehungen aus Erfurt. Wenige Tage zuvor hatte er mit seiner WG das Konzentrationslager Buchenwald besucht.

Das Sortiment passe nicht zu den weihnachtlichen Werten und schade dem Ruf des Marktes, meint der junge Mann. „Junge Familien standen am Stand und kauften harmlose Artikel – und im Hintergrund hingen die Nazi-Symbole“, schildert der Student. In Internetforen besonders der linken Szene sorgt das Sortiment ebenfalls für Verärgerung.

Auch bei Twitter hatte sich ein Nutzer über das Sortiment gewundert.

Eisernes Kreuz bei Motorradfahrern beliebt

Der Betreiber kann die Aufregung nicht verstehen. Für ihn sind die Ornamente das, was sie im Ursprung waren – keltische Symbole. Die Holzplastik mit dem Eisernen Kreuz, das von Engelsflügeln eingerahmt wird, sei besonders bei Motorradfahrern beliebt.

An seinem Stand verkauft er auch religiöse Symbole, Buddhas und Tierfiguren aus Holz sowie Räucherkerzen. Kontrollen von Polizei und Behörden, die offenbar durch Beschwerden ausgelöst wurden, hätten bestätigt, dass das gesamte Sortiment legal sei. Objekte wie die „Schwarze Sonne“ biete er nicht aus ideologischen Gründen an, sondern weil sie sich gut verkaufen ließen.

Kein strafrechtlicher Tatbestand

Die Stadtverwaltung bestätigt die Legalität des Angebotes. „Da kein strafrechtlicher Tatbestand besteht und der Standbetreiber weder gegen Gesetze, seinen Vertrag oder die Marktordnung verstößt, hat die Verwaltung keine Möglichkeit, gegen das Sortiment vorzugehen“, heißt es auf Nachfrage.

Zugleich distanziert sich die Verwaltung „ausdrücklich und entschieden von jeglichem rechtsextremen Gedankengut und bietet den Verbreitern solchen Gedankenguts auch kein Podium“, teilt sie mit. Sie treffe alle rechtlichen Vorkehrungen, um den Ruf des Weihnachtsmarktes schadlos zu halten.

Der Händler betreibt zwei Stände auf dem Weihnachtsmarkt. Ein Stand befindet sich in dem Abschnitt, den der Pächter des Domplateaus betreibt. Dort hat die Stadt keinen Einfluss auf das Sortiment, so lange dieses legal ist.

Rechtsradikale Symbolik in Bewerbung nicht erkennbar

Der zweite Stand ist Teil des städtischen Marktes auf dem Domplatz. Laut Verwaltung dürfen die Händler dort „nur Waren und Leistungen anbieten, die dem Niveau und dem besonderen Charakter des Erfurter Weihnachtsmarktes entsprechen und die vom Vermieter ausdrücklich schriftlich zugelassen worden sind.“

In dem geschilderten Fall seien das die in der Bewerbung beschriebenen Waren „Holzschnitzereien wie Tiere, christliche Figuren, abstrakte keltische Wandornamente, mythologische Figuren, Räucherfiguren; Räucherkegel, recycelbare Bambustrinkhalme“. „Eine rechtsradikale Symbolik war in der Bewerbung nicht erkennbar“, schreiben Bürgeramt und Kulturdirektion. Der Händler sagt, er habe der Stadt sein Sortiment angekündigt und auch Beispielfotos mitgeschickt.

Die strittigen Waren bietet der Betreiber nach eigener Aussage nur in dem extern betriebenen Abschnitt des Weihnachtsmarktes an.

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