Robin blinzelt nach erfolgreicher Teamarbeit in Erfurt

Erfurt.  Das Notfallsimulationszentrum des Helios-Klinikums in Erfurt hilft Medizinern und Pflegern, den Ernstfall als Team zu trainieren.

Die Instruktoren Juliane Stapf, Jan-Mike Mertens und Dirk Bierawski betreuen die Teams, die zum Trainieren ins Notfallsimulationszentrum kommen und werten die Einsätze hinterher mit den Teilnehmern aus. Zu Demonstrationszwecken legen die Mediziner auch mal selbst Hand an.

Die Instruktoren Juliane Stapf, Jan-Mike Mertens und Dirk Bierawski betreuen die Teams, die zum Trainieren ins Notfallsimulationszentrum kommen und werten die Einsätze hinterher mit den Teilnehmern aus. Zu Demonstrationszwecken legen die Mediziner auch mal selbst Hand an.

Foto: Marco Schmidt

Robin hat die Augen geöffnet, blinzelt regelmäßig und holt zwölfmal pro Minute Luft. Alles im grünen Bereich. Die Werte auf dem Bildschirm verraten, dass Blutdruck und Puls beneidenswert normal sind. Doch das kann sich binnen Sekunden ändern.

1300 Leute übten im Vorjahr als Team im Notfallsimulationszentrum

Weil Robin eine Puppe ist, die im Notfallsimulationszentrum des Helios-Klinikums in einem Krankenbett liegt, kommt das ziemlich häufig vor. 1300 Teilnehmer übten allein im vergangenen Jahr an den insgesamt fünf künstlichen Patienten, wie man im Team am besten auf lebensgefährliche Situationen reagiert. Neben Robin gibt es auch eine weibliche Puppe, ein Kind, eine Schwangere und ein Baby. Heute vor fünf Jahren wurde das Notfallsimulationszentrum auf dem Helios-Gelände eingeweiht.

Die Puppen sind nicht einfach nur Dummies, wie sie beispielsweise in Fahrzeugsimulatoren verwendet werden. Computergesteuert, hochmodern mit ganz viel Technik und Elektronik im Körper überraschen sie die übenden Teams mit realitätsgetreuen lebensbedrohlichen Szenarien vom Atemstillstand über bedrohliche allergische Reaktionen bis zu Herz-Kreislaufversagen.

Künstliche Patienten sind auch mobil und reisen an andere Klinik-Standorte

Mediziner und Pflegekräfte, Hebammen, Auszubildende und altersgerecht abgewandelt durchaus auch Gruppen aus Kindergärten und Schulen haben die künstlichen Patienten in verschiedenen simulierten lebensgefährlichen Situationen schon kennengelernt. Zur langen Nacht der Wissenschaften bekommen diese auch viel Besuch. Zudem sind die Puppen samt großem Technikapparat übers Jahr auch mobil, reisen mit den Instruktoren an andere Helios-Standorte und in Kliniken, die nicht zum Konzern gehören.

„Für den Notfall haben Robin und seine Kollegen so einiges auf Lager“, verrät Simone Liebl-Biereige. Zudem entwickeln die Instruktoren auch immer neue Szenarien als Angebote. „Beispielsweise angstbesetzte Situationen wie ein Luftröhrenschnitt“, sagt Juliane Stapf. Der sei nicht unbedingt an der Tagesordnung. Aber üben hilft.

Nach dem Meistern der lebensbedrohlichen Situation wir ausgewertet

Durch eine Scheibe, die vom Krankenzimmer aus verspiegelt und aus dem Nachbarraum durchsichtig ist, beobachten die in der Intensiv- und Notfallmedizin erfahrenen Instruktoren, wie die Teilnehmer die vorgegebene Situation meistern. Deren Einsatz wird auf Video aufgezeichnet, welches bei der anschließenden Auswertung eine große Hilfe ist.

Ganz wichtig für die Teilnehmer: Alles was während des Trainings passiere, bleibe auch im Notfallsimulationszentrum. „Wie sich jemand anstellt oder welche Fehler passieren, erfährt kein Vorgesetzter“, betont Heinrich Groesdonk. Wenn jemand das erste Mal eine solche Übung an der Puppe absolviert, muss das oft vorangeschickt werden. Denn auch den im Studium und im Praxisdienst jahrelang ausgebildeten Kräften können mal Fehler unterlaufen. Aus Fehlern wird gelernt. Ganz oben steht die Patientensicherheit, das gilt im Krankenhausalltag auf normalen Stationen genauso wie auf Intensivstationen oder eben im Notfallsimulationszentrum.

Diensthierarchien gelten nicht, wenn Notfälle realitätsgetreu trainiert werden

Diensthierarchien gelten nicht in den übenden Teams. Zwar gibt es einen Teamführer, aber das ist nicht automatisch der Chefarzt in der Gruppe. „Trainiert wird in Echtzeit, also wirklich realitätsgetreu“, erklärt Dirk Bierawski. Mit der anschließenden Auswertung kommen da schnell mal ein paar Stunden zusammen. „Doch das bleibt im Gedächtnis – für die nächsten echten Notfälle.“

Das Simulationszentrum im Erfurter Helios ist eines von dreien des Konzerns bundesweit. In Erfurt werden auch Videos und Handlungsanleitungen für Kollegen produziert.