Rot-Weiß-Krise beherrscht Erfurt: „Verlust der Tradition wäre am schlimmsten“

Erfurt.  Die Rot-Weiß-Krise hat Erfurt kalt erwischt. Für die Stadt wäre es vor allem ein ideeller Verlust. Geldsorgen bereiten mögliche Mietausfälle aber nicht. Es gibt sogar Ideen für andere Nutzungen.

Gehören Tribünen voller Fußballfans im Steigerwaldstadion, wie hier beim Spiel von Rot-Weiß Erfurt gegen Viktoria Berlin im Dezember, der Vergangenheit an?

Gehören Tribünen voller Fußballfans im Steigerwaldstadion, wie hier beim Spiel von Rot-Weiß Erfurt gegen Viktoria Berlin im Dezember, der Vergangenheit an?

Foto: Sascha Fromm

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Sollte der Fußballclub Rot-Weiß Erfurt tatsächlich den Spielbetrieb wegen Zahlungsunfähigkeit einstellen müssen, würde das für die Stadt vor allem einen ideellen Verlust bedeuten. Die finanziellen Einbußen halten sich in Grenzen.

„Unsere größte Sorge ist, dass es den Traditionsclub, der zu Erfurt gehört, nicht mehr geben könnte“, sagt Erfurts Sport- und Finanzdezernent Steffen Linnert (SPD). Christian Fothe, Chef der Arena GmbH, befürchtet für diesen „schlimmsten Fall“ zudem einen „Imageverlust“.

Miete von Rot-Weiß Erfurt bereits mehrfach stark gesenkt

„Wirtschaftlich könnte das Arena-Hauptgebäude mittelfristig den möglichen Verlust der Mieteinnahmen auffangen“, ist Fothe zugleich überzeugt. Dies sei etwa durch Buchungen zu Zeiten möglich, zu denen jetzt die Fußballspiele stattfinden. Kurzfristige Verluste seien freilich nicht auszugleichen.

Die Miete von Rot-Weiß wurde seit dem Stadion-Umbau bereits mehrfach stark reduziert. Pro Saison kommen noch rund 100.000 Euro zusammen - eine Grundmiete von 85.000 Euro plus Einnahmeanteile an Spielen mit mehr als 3000 Zuschauern.

Hauptinteressent für Westtribüne im Clinch mit Insolvenzverwalter

„Der Einnahmeausfall würde sich in Grenzen halten“, sagt Dezernent Linnert. Doch was ist mit dem Stadioninnenraum? „Wir müssten schauen, welche anderen Veranstaltungen wir perspektivisch stattfinden lassen könnten, wenn gar nicht mehr gespielt werden sollte“, meint er. Stadt und Arena wurden von der neuen Krise bei Rot-Weiß überrascht und sind offenbar nicht in die Verhandlungen zwischen Insolvenzverwalter und Hauptinvestor eingebunden. Es gebe derzeit keinen „Plan B“, meint Fothe. Ansätze, den Stadion-Innenraum auch künftig zu beleben, könnten aber weitere Spiele der Football-Mannschaft Erfurt Indigos, Gastauftritte anderer Erfurter Fußballmannschaften, eine Rolle als dauerhafte Heimstätte des Thüringer Pokalfinals oder Musik-Veranstaltungen sein.

Die von Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) bestätigten Pläne, die alte Westtribüne durch einen Privatinvestor in Verbindung mit einem Hotel neu bauen zu lassen, haben durch die RWE-Krise ebenfalls einen Dämpfer erhalten. Wie unsere Zeitung erfuhr, handelt es sich beim Hauptinteressenten für die Investition just um den neuen Sponsor, der mit dem Insolvenzverwalter im Clinch liegt.

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