Rotlicht aus in Erfurt: Bordelle und Laufhäuser in Zeiten von Corona

Erfurt.  Aufgrund der Coronavirus-Krise mussten Bordelle und Laufhäuser in Erfurt schließen. Unklar ist aber, womit die Prostituierten nun ihren Lebensunterhalt verdienen sollen.

Br Girls, Girls, Girls -Fachmesse für Erotik - in Berlin

Br Girls, Girls, Girls -Fachmesse für Erotik - in Berlin

Foto: Imago

Punkt Mitternacht war Schluss. Erfurts Bordelle löschten das rote Lämpchen. Bis auf eines. Im „Laufhaus“ in der Weimarischen Straße habe laut Auskunft der Polizei noch „Hochbetrieb“ geherrscht. Alle aktuellen Infos im kostenlosen Coronavirus-Liveblog

Was bedeutet Hochbetrieb? „Zwei Freier“, sagt Polizeisprecherin Judith Schnuphase. Der Betreiber des Etablissements will nicht gewusst haben, dass um Mitternacht für die käuflichen Liebe in Erfurt das Aus kam. Kann sein. Für Fragen war tagsüber dort keiner telefonisch erreichbar.

Anders im FKK Paradies am Stollberg. Besser bekannt bei den Erfurtern als „Saline“-Klub. Ein Herr namens Michael zeigt sich wenig gesprächig. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, mault er. Und er wisse nichts davon, dass sein Haus schließen müsse.

Gleich um die Ecke, auch am Stollberg, ist ein weiteres „Laufhaus“ mit Barbetrieb. Ein Mitarbeiter, Nico Gräser, ist auskunftsfreudiger und auch besser informiert als seine Kollegen. Normalerweise würden sechs bis sieben Mädels auf eigene Rechnung bei ihm arbeiten. Normalerweise. Aber der Zuspruch sei in den letzten Tagen immer weniger geworden. So gut wie alle Damen seien im Zeichen der Corona-Bedrohung ohnehin inzwischen abgereist. Weil, klar, Null Uhr ohnehin der Hammer falle.

Wie es weitergeht? „Keine Ahnung“, sagt Gräser. Die Mädels müssten vom Angesparten leben und hoffen, so über die Krise zu kommen. Kommt Kurzarbeitergeld für die Prostituierten in Frage? „Weiß ich nicht“, sagt Gräser und beendet das Gespräch.

Mona, die ihre Liebesdienste per Internet in Erfurt anbietet, präsentiert sich am Telefon erstaunlicherweise sehr aufgeräumt. Corona und Arbeit? „Kein Problem“, sagt sie mit tschechischem Akzent. Sie sei zum ersten Mal in Erfurt und es laufe gut und von Corona habe sie noch nichts bemerkt. Einige der Herren hätten zwar mal beiläufig gefragt, seine dann aber trotzdem gekommen. Schutzmaßnahmen?

Kichern am anderen Ende der Telefonleitung. „Wie sollen die aussehen“, fragt Mona. Und überhaupt mache sie sich keine Sorgen. Sie habe genug gespart. Bis zum Samstag sei sie noch da, dann gehe es wieder heimwärts.

Sorglosigkeit, davon kann im Haus Sinnesspiel in Stotternheim bei den sechs Damen Amelie, Sophie, Mia, Elena, Diana und Clara keine Rede sein. Sophie (38) spricht für das „Sextett“. Die Corona-Bedrohung, na klar, die mache sich bemerkbar. „Wir haben sehr viel weniger zu tun“, sagt die Liebesdienerin. Der Grund sei etwas speziell. Es kämen viele ältere Herren und die seien nun auf Grund der ganzen Warnungen der Gesundheitsrisiken gerade für Ältere vorsichtig geworden. Aber man habe versucht, sich auf die widrigen Umstände einzustellen. Soll heißen, die Gäste werden desinfiziert, Küsse seien tabu. Aber in dem Job auf Abstand zu bestehen, sei, nun ja, „eher kontraproduktiv“.

„Ja, man kann es einen starken Einbruch bei den Einnahmen nennen“, gibt Sophie zu. Man werde nun Kurzarbeitergeld in Anspruch nehmen und wahrscheinlich auch eine Stundung der Sozialabgaben. Und natürlich müsse man auch ans Ersparte gehen. „Ewig halten wir das aber nicht durch“, sagt sie. Wenn es sich mit Corona und Quarantäne noch lange hinziehe werde es dann solche Geschäfte wie das ihre nicht mehr geben, befürchtet sie. Dann bleibe den sechs Damen nichts anderes übrig, als sich einen anderen Job zu suchen. Welchen? Antwort: „Keine Ahnung“. Als kurzfristige Lösung denken die Damen vom Sinnesspiel darüber nach, die Webcam-Auftritte und den Fotoverkauf zu intensivieren.

Apropos Verkauf. Im „Orion“, einem Sex-Shop für Erotikartikel und Zubehör in der Magdeburger Allee, sei der Kundenstrom zwar zurückgegangen, aber noch sei den Leuten die Lust in Zeiten von Corona nicht vergangen, versichert die Verkäuferin. Diejenigen, die Spaß am Sex hätten, kämen nach wie vor, um nach dem Passenden zu suchen. Und auch Desinfektionsmittel habe man noch „ein bisschen“ vorrätig.