Jäger schießt mitten in Erfurter Wohnsiedlung auf Wildschweine

Töttelstädt  Der Jäger erhielt eine Anzeige wegen Bedrohung. Doch Wildschweine erobern sich weiter die Lebensräume in der Stadt.

Nicht nur reife Maiskolben schmecken den Wildschweinen bestens. Futter finden sie auch in Menschennähe reichlich. Viele rücken bis in die Städte vor.

Nicht nur reife Maiskolben schmecken den Wildschweinen bestens. Futter finden sie auch in Menschennähe reichlich. Viele rücken bis in die Städte vor.

Foto: Jörg Fischer

Weil auf dem Grundstück eines Jägers innerhalb von Töttelstädt am Montag kurz vor 17.30 Uhr Schüsse fielen, hat ein Anwohner die Polizei alarmiert.

Es rückte eine Streife der Nachtschicht aus, die teilweise schon ab 17 Uhr zum Einsatz kommt, wie Polizeisprecherin Judith Schnuphase gestern auf Anfrage unserer Zeitung sagte. Dass ein Jäger auf Wildschweine geschossen hat, war zu erfahren. Und dass gegen den Mann eine Anzeige wegen Bedrohung gefertigt wurde. Einzelheiten aber waren noch nicht zu klären, da die Polizeibeamten erst am Abend wieder den Dienst antraten. „Inwieweit es sich um einen Verstoß gegen das Waffengesetz beziehungsweise gegen das Jagdgesetz handelt, muss noch geprüft werden“, informierte die Polizeisprecherin.

Auch der Leiter des Sachgebiets für Waffen-, Jagd- und Fischereiangelegenheiten im Bürgeramt wartete gestern noch auf genauere Informationen. Eine Erlaubnis, also eine Ausnahmegenehmigung zum Gebrauch der Schusswaffe, wegen der Jagd auf Schwarzkittel hat es seitens der Unteren Jagdbehörde aber nicht gegeben: „Außerhalb von Jagdbezirken, in sogenannten befriedeten Bezirken wie Wohnsiedlungen, Grünanlagen, Friedhöfen oder Hausgärten ist die Jagdausübung nicht zulässig. Eine Bejagung von Wildschweinen ist in Ortslagen nicht oder kaum möglich“, lautet die Antwort aus dem Bürgeramt. Stadtjäger würden nur im Innenstadtgebiet eingesetzt, wenn krankes oder verunfalltes Wild tierschutzgerecht erlegt werden muss. Streifzüge von Schwarzkitteln in Wohnsiedlungen oder Kleingartenanlagen werden in Erfurt zunehmend im Süden und Südwesten der Stadt verzeichnet – vor allem während und nach der Erntezeit.

Kompost unter Verschluss halten

Wie sich Betroffene verhalten sollten, wenn sich am Wegesrand oder gar im eigenen Garten Wildschweine zu schaffen machen, kann auch Forstamtsleiter Chris Freise sagen. Bis ins Stadtgebiet reicht der Arm der Forstbehörde zwar nicht. Wildschweine interessieren solche Zuständigkeitsbereiche aber wenig und so dringen sie auch in Haus- und Schrebergärten ein. So groß wie in Berlin, wo eine regelrechte Plage der Schwarzkittel zu verzeichnen ist, scheinen die Probleme mit den Tieren in Erfurt jedoch nicht.

Schwarzwild zählt laut Freise zu den „Kulturfolgern“. Darunter versteht man Tiere oder Pflanzen, die sich neue Lebensräume in den Städten erobern. „Sie profitieren vom Menschen und auch vom Klimawandel“, so Freise. Harte Winter wären ein Auslesefaktor, doch der letzte klirrend kalte ist schon eine Weile her. In milden Zeiten kommen nicht nur alle Frischlinge durch, sondern sie legen wegen des guten Nahrungsangebotes schneller an Gewicht zu und werden eher geschlechtsreif. Bei der direkten Begegnung sei ein natürlicher Abstand zu respektieren, zumal die Tiere teils frech und auch wehrhaft seien, wenn es um Nahrung geht. Auf keinen Fall sollte man sie füttern. Besser sei es auch, den Kompost unter Verschluss zu halten. Trotz aller Ansätze sei das schwierig, weil die Tiere schnell erkennen, wo sie gejagt werden und wo sie sicher sind.

Um das Grundstück zu sichern, empfiehlt die Stadtverwaltung, eine feste Umzäunung von mindestens 1,50 Meter Höhe mit fester Bodenverankerung zu wählen. Im Handel sind zudem Verbrämungsmittel erhältlich, deren Duftstoffe Wildtiere abschrecken.

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